Gesellschaftskritik

Bist du ein guter Mensch?

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Die sieben Todsünden

Zusätzlich zu diesen Fragen gibt es noch eine weitere Messlatte für deinen Charakter. Schon klar, für manche wird das hier jetzt vielleicht zu religiös -aber tatsächlich gibt es keinen Unterschied zwischen einem modernen Selbsthilfe-Ratgeber und diesen sieben, einfachen und klaren Punkten, an denen man seinen eigenen Charakter messen kann. Sie sind also ein sehr gutes und absolut nicht zu akademisches Hilfsmittel, um dich selbst und deine Taten jeden Tag aufs Neue zu beurteilen:

Die sieben Todsünden

  1. Hochmut (Stolz)
    Dazu gehört alles elitäre Denken – die Mitgliedschaft zu einer exklusiven Organisation, Rassismus, Sexismus, und die Verachtung aller Anderen, die weniger Fähigkeiten, weniger soziale Anerkennung, weniger Schönheit oder weniger Reichtum besitzen. Ein sicheres Anzeichen für Hochmut ist es, wenn man sich selbst allzu positiv und selbstgefällig beschreibt, Fehler immer nur bei anderen sieht.
  2. Neid (Eifersucht)
    Die Todsünde des Neides basiert auf dem Vergleich mit anderen Menschen – das Gegenstück des Stolzes. Wo der Stolz viele Gründe findet, sich selbst für besser und wertvoller einzuschätzen als andere, da macht es der Neid genau umgekehrt: alles Eigene wird als wertlos betrachtet, und alles, was die anderen haben, als wertvoll und erstrebenswert. Der Ausweg aus dem Neid ist die Wertschätzung und die Dankbarkeit für alles, was man selbst ist und hat.
  3. Zorn
    Die Grundenergie der Wut geht vom Satz aus: mir ist Unrecht geschehen, und ich muss mich verteidigen. Die ganze Welt wird als feindlich und unfreundlich wahrgenommen. Ein zorniger Mensch glaubt nicht, dass es Liebe, Freundschaft und Mitgefühl geben könnte. Jeder ist sich selbst der Nächste, und das Leben ist ein beständiger Kampf. Wer nicht kämpft, dem wird weggenommen, was er oder sie besitzt. Nur durch Kampf lässt sich Respekt und Anerkennung erarbeiten. Der Weg heraus aus der Wut besteht in der Erkenntnis, das wahre Sicherheit von innen kommt.
  4. Geiz
    Geiz ist ein Mangel an Sicherheit und ein Mangel an Vertrauen in die Fülle des Lebens. Dies betrifft z.B. die materielle Ebene – der Geizkragen fürchtet, dass sein Vermögen, sein Haus, seine Alterssicherung weggenommen wird und er in Armut wird leben müssen. Das Paradoxe dabei ist, dass er die Armut, die er zu vermeiden hofft, sich selbst auferlegt, sich nichts oder nur wenig gönnt, und somit nie in den Fluss kommt. Der Geizkragen gibt sich mit Wenigem zufrieden und hortet Schätze, mit denen er nichts anzufangen weiss. Der Ausweg aus dem Geiz ist Grosszügigkeit und Offenheit, sowohl sich selbst wie auch anderen gegenüber.
  5. Wollust
    Ein wollüstiger Mensch ist einer, der sich selbst auf die tierischen Aspekte der Existenz reduziert, der allen Trieben und Launen sofort nachgibt, ungeachtet der Folgen. Die andere Seite des Menschen – der Engel-Aspekt – geht dabei verloren. Es ist ein Mensch, der vollständig aus dem Bauch lebt, und dabei vergisst, die mentalen Kopf-Aspekte gemeinsam mit den Trieben des Bauches und Unterleibs im Herzen zu einer umfassenderen Einheit zu integrieren. Der Ausweg aus der Wollust ist die wahre, reine Liebe.
  6. Gier (Völlerei)
    Die Völlerei ist in gewissem Sinn das Gegenstück zum Geiz: wo der Geiz alles festhält und nicht mehr loslässt, was er in seinem Besitz hat, so nimmt die Völlerei alles auf und verschlingt es. Völlerei hat kein Bewusstsein für Grenzen und für das richtige Mass. Es steht der Gedanke dahinter: ich muss jetzt alles nehmen, was ich bekommen kann, morgen wird es nicht mehr da sein. Der Weg aus der Völlerei besteht in der Erkenntnis: es ist immer alles da, was ich benötige. Aus diesem Vertrauen kann das Gefühl für das richtige Mass entstehen, das weder zu extremem Asketentum neigt, aber auch nicht zu übermässigem Konsum.
  7. Trägheit
    Trägheit beruht auf einem tiefen Desinteresse am Leben auf der Erde. Träge Menschen wirken nicht unbedingt äusserlich faul – es kann sogar sein, dass sie sehr fleissig arbeiten und beständig beschäftigt sind. Dahinter steht allerdings die Neigung, sich treiben zu lassen und immer den gerade einfachsten Weg zu suchen. Träge Menschen vermeiden Konflikte, weil Konflikte anstrengend sind. Sie setzen sich nicht für jene Dinge ein, die sie selbst für gut und richtig halten. Sie vermeiden es, Verantwortung zu übernehmen.

    Die Trägheit kann als die tödlichste aller Todsünden bezeichnet werden, weil sie einen Menschen aus dem Leben herausnimmt – da ist kein Drive, keine Motivation, nichts von all dem, was Menschen im besten Sinn menschlich macht.

    Der Ausweg aus der Trägheit besteht darin, einen Sinn zu finden, für den es sich zu leben lohnt – jenen Funken in sich selbst zu entdecken, der das göttliche Licht im Menschen ist.

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