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C64 – So kultig klingt der Brotkasten!

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Das Jahr 1982 war ein Jahr, das die Welt veränderte. Steven Spielvergs E.T. versucht in den Kinos, nach hause zu telefonieren, sein Film Poltergeist sorgt dafür, das tausende sich nie wieder trauen, unter ihr Bett zu gucken und Ridley Scott’s filmisches Science Fiction Meisterwerk Blade Runner feiert Premiere. Klaus Kinski guckt in Werner Herzog’s Fitzgeraldo mit wirrem Blick in die Kamera und der Student Scott E. Fahlman schlägt vor, für Scherze im E-Mail-Verkehr die aus drei ASCII-Zeichen gebildete Zeichenfolge :-) zu verwenden -die Geburtsstunde der Text-Smileys.

Die 16 kultigsten C64 Ohrwürmer zum direkten Anhören am Ende des Artikels:   Anhören!

Bis zu diesem Jahr konnten nur die wenigsten etwas mit dem Begriff „Heimcomputer“ anfangen. Computer waren grosse, klobige Kästen mit rotierenden Magnetspulen, die, wenn überhaupt, nur in einigen wenigen Büros grosser Firmen zu finden waren. Niemand wäre auf die Idee gekommen, sich so ein Monster in die Wohnung zu stellen.

Computerspiele waren allerdings durchaus ein Begriff, allerdings meist nur in Form von Arcadeautomaten, die in verrauchten Spielhallen mit Kleingeld gefüttert werden wollten. Schon 1980 veröffentlichte Namco in Japan das Spiel „Puck Man“, das bald darauf unter dem Titel „Pac Man“ einen Run um den gesamten Globus antrat und zusammen mit anderen Arcade-Klassikern wie „Defender“, „Centipede“ und „Missile Command“ aus keiner Spielhalle mehr wegzudenken war.

Für den Heimgebrauch gab es lediglich einige popelige Spielkonsolen, deren Grafik man in ungefähr mit der von Bildschirmtext am TV vergleichen konnte -bestenfalls! Obwohl einige dieser Konsolen recht beliebt waren, wie z.B. die Atari 2600 oder die Spielkonsole von ColecoVision (die mit den characteristischen Drehreglern anstelle von Joysticks), konnte man mit diesen Kästen noch nicht allzuviel anfangen. Spiele gab es in Form von Steckmodulen (Cartridges), die man in die Konsolen einsteckte. Die waren ziemlich teuer -vor allem wenn man bedenkt, das die Spielgrafik meist nur ein paar grobe Klötzchen in der Grösse von Legosteinen zeigte und die Spielgeräusche eher an die Intensivstation eines Krankenhauses erinnerten.

Aber dann kam das Jahr 1982, das Jahr in dem die amerikanische Firma Commodore ein Gerät vorstellte, das es bis dahin eigentlich nicht gab und von dem noch niemand wusste, ob die Menschheit es überhaupt brauchen würde. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, das es als Meilenstein der digitalen Unterhaltung und der Entwicklung der Heimcomputer in die Annalen der Geschichte eingehen würde:

Der Commodore 64 – kurz: C64

 
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Ein Sound erobert die Welt

Ein Personal Computer, also Heimcomputer für den persönlichen Gebrauch sollte es sein -kein Grossrechner für Büros und Firmenzentralen. Auf ihm sollte man spielen können, wie auf einer Konsole -aber im Gegenteil dazu auch selbst Programme schreiben können. Dafür stellte der C64 die sehr schnell und einfach erlernbare Programmiersprache BASIC vor, mit der man in wenigen Minuten schon einfache Programme zaubern konnte. Die Grafik des C64 allerdings schlug alles, was man bis dahin aus dem Heimbereich kannte. Obwohl er, wie viele der damaligen Geräte, nur 16 verschiedene Farben darstellen konnte, verfügte er über eine „sagenhaft“ hohe Grafikauflösung von 320 x 200 Pixeln (zum Vergleich: heute sind in der Regel mindestens 1920 x 1080 Pixel üblich). Damit gehörten Spiele mit Legografik endlich der Vergangenheit an!

Wahren Kultstatus erlangte der von Fans wegen seinen einprägsamen runden Gehäuses liebevoll „Brotkasten“ genannte C64 aber nicht nur wegen seiner Beliebtheit als Spielecomputer, für den es im Laufe der Zeit immerhin an die 17.000! verschiedene Spieletitel gab -bis dahin einsamer Rekord! Nein, was ihn wirklich zum Kult werden liess, war der Klang seines Soundchips, der zur damaligen Zeit nichts anderes als eine akkustische Revolution darstellte! Während Computer und Konsolen bis dahin nur piepsen, knarzen und rauschen konnten, spielte der Commodore 64 fetzige Musik in bis dahin nicht gekannter Klangfülle ab. Der Klang des Brotkasten konnte es mühelos mit jedem professionellen Synthesizer aufnehmen. Allerdings liess sich der Soundchip des Commodore 64, im Gegensatz zu damaligen Synthesizern, vergleichsweise einfach programmieren.

Schon bald erkannten einige kreative und technikbegeisterte Komponisten und Klangkünstler die Fähigkeiten des Brotkasten und komponierten wahre Ohrwürmer, deren Klang und Melodien selbst heute, über 30 Jahre später, unvergessen sind. Auch die Spieleindustrie erkannte schnell die akkustischen Fähigkeiten des C64. Man riss sich förmlich um eine handvoll Composer, die unglaublich einprägsame Melodien für Spieletitel schrieben. Namen wie Rob Hubbard, Martin Galway oder auch der deutsche Composer Chris Hülsbeck sind quasi jedem C64 Veteran damals wie heute ein Begriff und ihr damaliger Status durchaus mit denen von Popstars zu vergleichen.

Der Klang des Brotkasen und seines Soundchips „SID“ (Sound Interface Device) war so populär und unverwechselbar, das sogar Musiklabels darauf aufmerksam wurden und man den typischen 8-Bit Sound plötzlich in vielen Chart Songs wiederfand. Sogar ein neues Musikgenre entstand, das sich dem typisch gurgelnden 8-Bit Klang widmete: Bitpop.

Noch heute, über 30 Jahre später, kann sich jeder C64-Veteran, der seine Freizeit damals vor dem Brotkasten verbrachte, noch an so gut wie jede Titelmelodie der damaligen Hit-Games erinnern: The Last Ninja, Commando, Rambo First Blood Part II, Master of Magic, The Great Giana Sisters, um nur einige zu nennen. Das waren nicht nur unglaublich erfolgreiche Spieletitel, die damals jeder, aber wirklich JEDER zuhause hatte, sondern auch Titelmelodien, die man, wenn man sie einmal gehört hat, nie wieder vergisst.

Nostalgische Klänge in modernem Gewand

Noch heute gibt es weltweit viele Musik- und Internetcommunities, die sich dem 8-Bit Klang des Brotkasten verschrieben haben. Die Szene pulsiert. Mehr noch: Soundkünstler und DJs spielen die alten, bekannten Kult-Titel immer wieder neu ein, mit modernen Instrumenten neu arrangiert. So schmettert einem die Titelmelodie von „The Last Ninja“ in wuchtigem Orchestersound entgegen und die Techno-Variante von „The Great Giana Sisters“ kitzelt alles aus deinem Subwoofer.

Eine der bekanntesten Seiten, die sich dem Remix-Kult alter C64 Titelmelodien angenommen hat, ist remix.kwed.org, wo man mittlerweile hunderte, wenn nicht gar tausende Remixes altbekannter Stars wie Rob Hubbard, Martin Galway, Chris Hülsbeck und vielen weiteren C64 Composern findet. Darunter sind genial neu arrangierte und aufbereitete Remixes, die die alten Soundklassiker fast schon blass ausehen lassen.

Hier eine kleine Kostprobe populärer C64 Remixes. Wer nach dem Reinhören wieder die alte Sucht nach dem 8-Bit Sound spürt oder einfach neugierig ist, wie sich die anderen Klassiker modern arrangiert anhören, sollte unbedingt einen Zwischenstopp auf remix.kwed.org einlegen, wo sich alle unten aufgelisteten Songs -und viele hundert mehr- kostenlos als MP3 downloaden lassen.

 
Die besten, handverlesenen C64 Remixes:

 

Seltsam? Aber so steht es hier geschrieben... Ihr habt Fragen, Anregungen oder vielleicht sogar eine völlig andere Meinung zu diesem Artikel? Dann postet einen Kommentar.

Mike vom Mars Blog - mike-vom-mars.comAutor: Mike vom Mars
Mike emigrierte vor einigen Jahren von seinem Heimatplaneten auf die Erde, um das Leben am wohl seltsamsten Ort des Universums zu studieren. Seiner Bitte "bringt mich zu eurem Führer" wurde bisher nicht entsprochen.


 
Redaktionswertung: 5.0 / 5





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