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Chronobiologie – Unsere innere Uhr

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Die zentrale innere Uhr des Menschen ist eine Ansammlung hochempfindlicher Nervenzellen im Gehirn. Das Tageslicht ist dabei der Taktgeber – es stellt die zentrale innere Uhr nach dem Stand der Sonne. Diese Information wird an die Uhrengene in jeder Zelle weitergegeben. So wird die Innenzeit immer wieder mit der Aussenzeit synchronisiert. Die Forscher interessieren sich vor allem für den natürlichen Rhythmus der Uhrengene in den Zellen. Denn diese sind dafür verantwortlich, ob wir Früh- oder Spätaufsteher sind. Wir ticken also alle unterschiedlich – ob wir jung sind, oder alt, gesund oder krank.

Die Forschung kennt bereits sehr viele wichtige Zahnrädchen der inneren Uhr – aber sie kennt noch längst nicht alle. Jetzt möchte man alle menschlichen Gene darauf untersuchen, ob sie ebenfalls ein Zahnrädchen unseres inneren Uhrwerks sind. Denn diese Uhrengene regulieren die zeitliche Abfolge der Stoffwechselprozesse in jeder einzelnen Zelle unseres Körpers. Ausserdem könnten viele von uns beweisen, das sie weder faul, noch unwillig sind, wenn sie in einem ständigen Kampf mit dem Wecker leben.

Menschen, deren innere Uhren langsamer ticken, haben oft Probleme, früh morgens aufzustehen. Ohne Wecker würden sie nicht rechtzeitig aufwachen. Die inneren Uhren der meisten von uns laufen eher langsamer. Und viele Menschen schlafen deshalb zu wenig! Sie werden abends nicht müde, weil ihre inner Uhr eben noch nicht auf „schlafen“ eingestellt ist. Der Mensch dehnt den Tag aus. Und morgens wartet wieder der Wecker und unterbricht den wichtigen Schlaf.

Unser tägliches Leben wird von drei Uhren bestimmt

Eine einheitliche Uhrzeit gibt es erst seit 1884.

Unsere innere Uhr wird durch das Tageslicht eingestellt und reagiert auch auf die verschiedenene Tageslängen im Wechsel der Jahreszeiten. Unser Schlafbedürfnis ist im Winter grösser, als in den Sommermonaten. In der dunklen Jahreszeit leiden viele Menschen an Lichtmangel: sie müssen aus dem Haus, wenn es noch dunkel ist, und es wird schon wieder dunkel, wenn sie zurück kommen. Bei manchen Menschen erzeugt das die bekannte Winterdepression. Im Frühling werden wir aktiver, sobald es länger hell ist.

Unser tägliches Leben wird von drei Uhren bestimmt: die eine ist unsere innere, biologische Uhr. Diese bestimmt alles, was in unserem Körper im Laufe eines Tages passiert. Diese innere Uhr wird wiederrum von der Sonne, also dem Tag- Nachtwechsel gestellt und dirigiert. Und erst relativ spät in unserer Geschichte haben wir eine dritte Uhr erfunden: das ist die, die wir an unserem Handgelenk tragen. Das ist die „soziale Uhr“.

Erst in der modernen Welt sagt uns die erfundene „soziale Uhr“, wie spät es ist. Eine einheitliche Uhrzeit gibt es erst seit 1884. Im Zuge der Industrialisierung wurde die Welt dafür in Zeitzonen eingeteilt. Die „soziale Uhr“ hat mit der Natur allerdings absolut nichts mehr zu tun. Sie ist ein Gedankenkonstrukt, an das sich unser Körper nicht hält.

Und die „soziale Uhr“ schafft völlig absurde Situationen: Menschen, die im Westen einer Zeitzone wohnen, müssen gegenüber ihrer „Innenzeit“ frühe aufstehen, als Menschen, die in der gleichen Zeitzone weiter östlich leben. Für die Menschen innerhalb einer gleichen Zeitzone gilt die selbe „Sozialzeit“, aber ihr Körper ist aufgrund der früher oder später aufgehenden Sonne an ihrem Wohnort völlig anders programmiert.

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