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Jesus – Die Suche nach seiner DNS

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Könnten bestimmte Reliquien Spuren des Erbguts Jesu enthalten? Und könnte man so noch heute lebende Nachfahren von Jesus finden? Welche Reliquien gibt es, die direkt mit Jesus in Berührung kamen? Wissenschaftler untersuchten Blutspuren auf dem Turiner Grabtuch und anderen Reliquien und entdeckten Erstaunliches.

„Und Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war“
(Mk 15, 46)

Die DNS (Desoxyribonukleinsäure) ist der Träger des Erbmaterials eines jeden einzelnen Menschens. Sie macht uns zu dem, was wir sind. Die DNS ist quasi die Gebrauchanweisung für das Leben. Sie bestimmt unsere physischen Merkmale, unsere Anfälligkeit für Erbkrankheiten, unsere Talente, sie erzählt uns alles, was wir als biologischer Mensch sind. Die DNS ist ein Code. Er besteht aus vier verschiedenen Basenpaaren (G, A, T und C). In jeder einzelnen Zelle gibt es drei milliarden Basenpaare, die diesen Code schreiben.

Um diesen Code lesen zu können muss man die sog. Sequenzierung durchführen, eine chemische Analyse, die uns die Reihenfolge der Basenpaare zeigt. Ihre jeweilige Anordnung schreibt den Code, der alle Merkmale eines Menschen enthält.

Die Arbeit mit DNS-Datenbanken hat gezeigt, das bestimmte DNS-Sequenzen in bestimmten geographischen Regionen häufiger vorkommen. So kann man herausfinden, woher eine DNS-Probe stammen könnte. Erst seit wenigen Jahrzehnten sind wir in der Lage, genetische Codes durch das Verfahren der DNS-Sequenzierung zu entschlüsseln.

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DNS

Zu Beginn brauchte es milliarden von Dollar, ein internationales Team von Wissenschaftlern und dreizehn Jahre, um das erste menschliche Genom zu sequenzieren. Erstaunliche Fortschritte in der Technologie haben die Sequenzierung Zeit- und kostensparender gemacht. Diese neuen Verfahren werden eingesetzt, um Verbrechen aufzuklären und Krankheiten zu heilen – und die können heute helfen, Fakten über den Menschen Jesus in Erfahrung zu bringen, von denen wir nie gedacht hätten, sie zu erfahren.

Die Fortschritte bei der Sequenzierung haben ständig wachsende Datenbanken mit Genom-Material von Volksgruppen aus der ganzen Welt entstehen lassen. Selbst kleine religiöse Gemeinschaften sind hier erfasst.

Wer sind Jesu heutige Nachfahren?

Wir suchen also nicht nur nach einer Person, sondern nach einer ganzen Ahnenreihe.

Um mehr über den Stammbaum Jesu zu erfahren, lohnt es zuerst, alte biblische und religiöse Schriften zu studieren. Diese wertvollen Aufzeichnungen bringen eine spannende Frage auf: gibt es noch lebende Verwandte Jesu?

Allgemein bekannt ist, das Maria und Josef die irdischen Eltern von Jesus sind. Stellt sich die Frage: mit wem waren sie verwandt? Die hebräische Bibel enthält alle heiligen Schriften des Alten Testaments. Einer der Texte darin handelt von König David in seinen alten Jahren. Er ist so bedeutend, weil David, wie Jesus, aus der Linie des Judah stammt. Maria und Josef waren beide aus der Linie des Judah. Das also sind die überlieferten, familiären Wurzeln Jesu. Das Wort Judaismus geht auf den Stamm Judah zurück, einen der zwölf Stämme Israels. Judah war der vierte Sohn Jakobs. Dieser war der Enkel von Abraham, dem Stammvater Israels. Judah war ein Vorfahre von König David. Maria und Josef stammen von verschiedenen Zweigen der David-Linie.

Und es wurde prophezeit, das einer von König Davids Nachfahren der Messias sein werde. Jesus war also per Geburt ein direkter Nachfahre des jüdischen Königs David.

In Lukas 1:36 sagt der Engel Gabriel zu Maria: „Auch Elisabet, deine Verwandte (in manchen Übersetzungen auch Cousine), hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen.“. Elisabeth ist also Marias Cousine und die Cousine ersten Grades von Jesus. Und Elisabeth hatte einen Sohn, dessen Name Johannes war, auch „Johannes der Täufer“ genannt. Und in Markus 6:3 heisst es: „Ist der nicht der Zimmermann, Marias Sohn und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns? “ Wir suchen also nicht nur nach einer Person, sondern nach einer ganzen Ahnenreihe. Der Gedanke, das es also Nachfahren Jesu gibt, ist plausibel.

Der Familienstammbaum von Jesus mit all seinen Zweigen bietet also viel Raum für Nachforschungen.

Auf der nächsten Seite: Gehören diese Knochen Johannes dem Täufer?

Die Gebeine Johannes des Täufers

Johannes war nicht nur ein heiliger, sondern ein Cousin von Jesus.

In Bulgarien wurde kürzlich ein spektakulärer Fund gemacht: die Knochen von Johannes dem Täufer. Dieser war ein Cousin zweiten Grades von Jesus und der Sohn von Marias Cousine Elisabeth und eine wichtige Figur der christlichen Kirche. In seinen Predigten verkündete er die Ankunft Jesu. Durch seine grosse Gefolgschaft wurde Roms Präfekt Herodes Antipas auf Johannes aufmerksam und liess ihn auf Verlangen seiner Stieftochter Salome enthaupten.

Wenn man nun also die DNS vom Grabtuch mit der der angeblichen Knochen von Johannes dem Täufer vergleichen kann, könnte es gelingen, eine gemeinsame Abstammung nachzuweisen. Dies würde bestätigen, das die beiden Cousins sind und damit die Jesus-Linie entschlüsseln.

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Sweti Iwan

Die abgelene Insel Sweti Iwan ist seit mehr als 2000 Jahren ein bedeutender religiöser Ort. Archäologische Grabungen sind dort erst in den letzten zehn Jahren erlaubt. In dieser Zeit machte man eine unglaubliche Entdeckung: in den Ruinen einer alten Kirche war ein marmornes, kleines Behältnis unter dem Altar vergraben. Weil man die Bedeutung dieses Fundes erahnte, wartete man mit der Öffnung dieser Schatulle bis zum Eintreffen von Journalisten, um die Entdeckung zu dokumentieren. Nachdem man sie geöffnet hatte, fand man mehrere Knochenreste, die von einem Menschen stammen. Interessant ist, das alle Knochenreste aus der Schatulle von der rechten Körperhälfte stammen. Die rechte Seite gilt im jüdischen Glauben als die helle, mächtige Seite, die linke dagegen als dunkel und unrein.

An der University von Oxford wurde mit Proben der Knochen eine Radiocarbondatierung mit der Beschleuniger-Massenspektrometrie durchgeführt. Dabei kamen die Wissenschaftler zu erstaunlichen Ergebnissen: sie datierten die Knochen auf die Mitte des ersten Jahrhunderts – die Zeit Johannes des Täufers. Weitere DNS-Untersuchungen an der Universität Kopenhagen zeigten, das alle Knochen einem Menschen zuzuordnen sind, der aus dem Nahen Osten stammt. Diese Ergebnisse liessen vermuten, das es sich um die Knochen von Johannes dem Täufer handeln könnte. Johannes war nicht nur ein heiliger, sondern ein Cousin von Jesus.

Die gefundenen Relikte befinden sich heute in einer kleinen Kirche in Sosopol. Ein Vergleich der DNS vom Grabtuch mit diesen Knochen würde also die Echtheit beider verifizieren. Zudem hätte man eine gute Chance, an die DNS eines nahen Verwandten von Jesus zu kommen. Cousins weisen Gemeinsamkeiten in ihrer DNS auf, weil sie gemeinsame Grosseltern haben, von denen sie Teile der gleichen DNS geerbt haben.

Die DNS der gefundenen Knochen wurde an der Universität Kopenhagen analysiert. Diese hatte nur sehr kleine Mengen an Material zur Verfügung: winzige Proben von einem Mittelfussknochen, einen Zahn, das Stück einer Rippe. Weil die Knochen selbst wertvolle Reliquien sind, konnten sie nicht ins Labor gebracht werden. Man musste zur Kirche nach Sosopol reisen, wo nur sehr kleine Proben entnommen werden durften.

Zurück im Labor stellte man fest, das diese weniger DNS Material enthielten, als erhofft. Am Ende hatte man nur ein paar Milligramm Material. Nur aus dem Zahn konnte letztendlich eine DNS Probe entnommen werden, aber die Sequenz, die man erhielt zeigte nicht die Symptome einer alten DNS, wie z.B. Beschädigungen. Sie war also neueren Ursprungs. Es stellte sich heraus, das die Probe mit der DNS eines an der Untersuchung beteiligten Forschers kontaminiert war. Schon die kleinste Berührung oder unsachgemässe Lagerung reichen dazu aus.

Die Untersuchung der Knochen Johannes des Täufers war also ein Rückschlag. Man würde neue Proben des Materials benötigen.

Die Nägel der Kreuzigung

Bis zum Jahr 1968 gab es keinen physischen Beweis für eine Kreuzigung.

Golgotha, der Ort, an dem Jesus gekreuzigt wurde. Hier wurde die Grabeskirche errichtet, die einen Teil des Golgotha-Felsen umfasst. Auf diesem starb Jesus den Tod am Kreuz. Und dort war sein Grab, in dem er beigesetzt wurde und von dem er wieder auferstanden ist.

Einzelheiten über die Kreuzigung Jesu sind in den Evangelien dokumentiert. In den jeweiligen Schriften gibt es unterschiedliche Angaben zu den Tageszeiten, aber sie alle stimmen darüber ein, das Jesus am jüdischen Passafest gekreuzigt wurde. Als Jesus der Prozess gemacht wurde, hat man ihn zuerst ausgepeitscht. Sie haben ihn fast totgeschlagen. Dann nahmen sie grosse, steife Dornen, die in der Nähe wuchsen und flochten eine Krone, die sie ihm in den Kopf rammten. Danach musste er sein Kreuz 600 Meter weit nach Golgotha tragen. Dort wurde er ans Kreuz geschlagen. Nägel wurden durch seine Hände und Füsse getrieben. Die Nägel wurden wahrscheinlich durch die Handgelenke und Fersenbeine geschlagen, damit sie das Körpergewicht hielten. Dort laufen viele Nerven zusammen – eine äusserst schmerzhafte Folter.

Natürlich findet man heute an dem Ort, an dem Jesus gestorben ist, keine DNS mehr. In der Universität von Tel Aviv gibt es aber einige, vielleicht authentische, Relikte von der Kreuzigung Jesu – unter anderem zwei Nägel, mit denen Jesus angeblich ans Kreuz geschlagen wurde und das Fersenbein eines Mannes, der vor 2000 Jahren zur Zeit der Römer in Jerusalem ans Kreuz geschlagen wurde. Sie könnten noch Spuren von DNS enthalten, die sich für eine Analyse eignen. Sollte das möglich sein, könnte ein Vergleich der DNS dieser Relikte mit der DNS vom Turiner Grabtuch die Suche nach Jesu Erbgut einen grossen Schritt voran bringen.

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Kreuznagel im Fersenbein

Bis zum Jahr 1968 gab es keinen physischen Beweis für eine Kreuzigung. Es gab keine gekreuzigten Körper, keine Nägel, keine Überreste eines Kreuzes. Es gab lediglich historische Aufzeichnungen. 1968 aber machten Archäologen in Jerusalem einen bahnbrechenden Fund: sie fanden ein Ossuar, einen Knochenkasten, mit den Überresten eines jüdischen Menschen aus dem ersten Jahrhundert. Sein Name war Johannen, wie die Inschrift auf dem Ossuar verrät. Sein Fersenbein lag noch im Ossuar und war von einem schweren, dicken Nagel durchbohrt. Dies war also der Beweis, das nicht nur Jesus, sondern auch andere Juden im römischen Judäa gekreuzigt wurden – und auch, wie eine Kreuzigung technisch durchgeführt wurde. Mit Jesus selbst kann er allerdings nicht in direkte Verbindung gebracht werden.

Dann gibt es allerdings noch zwei weitere Nägel, von denen manche annehmen, daß diese wahrscheinlich sogar für die Kreuzigung Jesu verwendet wurden. Die Nägel von Kreuzigungen waren damals begehrte Objekte. Abergläubische Menschen sprachen ihnen magische Kräfte zu. Es gab einen regen Handel mit Kreuzigungsnägeln.

Die beiden in Tel Aviv aufbewahrten Nägel werden deshalb mit der Kreuzigung Jesu in Verbindung gebracht, weil sie angeblich in der Grabstätte des Kajaphas gefunden wurden, der von 18 bis 36 n.Chr. jüdischer Hohepriester im römisch besetzten Jerusalem war und für die Verhaftung Jesu verantwortlich gewesen sein soll. Hat Kajaphas sie als Trophäe mit ins Grab genommen?

Wenn Jesus mit ihnen ans Kreuz geschlagen wurde – könnten sie noch DNS von ihm enthalten? Die Nägel sind mittlerweile sehr verwittert. Sie sind verrostet und es ist ziemlich unwahrscheinlich, das ihnen noch organisches Material anhaftet. Von Metall lässt sich DNS nur schwer extrahieren, im Gegensatz zu Stoff, Knochen oder Fleisch. Wenn das Metall rostet, wird das DNS Material zerstört. Wenn an diesen Nägeln überhaupt noch DNS zu finden ist, dann nur noch die der Forscher, die mit ihnen in Berührung kamen.

Die Chancen, von diesen Nägeln brauchbares DNS Material zu extrahieren, sind gleich Null. Dennoch sind sie ein physischer Beweis dafür, daß, und wie Menschen vor 2000 Jahren wirklich gekreuzigt wurden.

Auf der nächsten Seite: War Jesus verheiratet und hatte einen Sohn?

Hatte Jesus einen Sohn?

Zur Zeit Jesu dauerten jüdische Begräbnisse ein Jahr. Zuerst wurde der Körper des verstorbenen in ein Familiengrab gelegt. Ein Jahr nach seinem Todestag kamen die Verwandten zum Grab, um seine Knochen einzusammeln. Diese wurden in ein Ossuar, einen Knochenkasten, gelegt. Noch immer liegen in Jerusalem, wo man fast täglich bei Bauarbeiten archäologische Entdeckungen macht, tausende Ossuare begraben.

Diese Kästen sind etwa 50 mal 30 Zentimeter gross und meist aus Kalkstein der Region gehauen. Es gab eine bedeutende christliche Gemeinde in Talpiot, einem Vorort im Südosten von Jerusalem. Dort fand man ein Grab mit Ossuaren, die mit den Namen „Maria“, „Jesus, Sohn des Josef“, „Juda, Sohn des Jesus“, „Maria Mariam“ (Maria Magdalena, die nach heutigen Erkenntnissen Jesu Frau bzw. Gefährtin war) und „Joses“ (der zweite Bruder Jesu). Joses wird auch in den Evangelien erwähnt. Anhand der auffälligen Namensübereinstimmungen liegt es nahe, anzunehmen, das es sich um das Grab der Familie Jesu handelt.

Sowohl in Marias Ossuar, als auch in dem mit der Aufschrift „Jesus“ fanden sich Überreste menschlicher Knochen. Das letztere wirklich zu Jesus gehörten, wird von Chrsiten gerne bezweifelt, da Jesus ja nach der Auferstehung „in den Himmel aufgefahren“ sei und damit jegliche physische Überreste seines Körpers wohl dorthin mitgenommen hat. Was damals wirklich passierte, weiss man aber nicht. Tatsache ist aber leider auch, das die Namen „Josef“, „Joses“ und „Maria“ die dritthäufigsten Namen zu jener Zeit waren.

Auch gibt es keinen Text in den (offiziellen) Evangelien, der besagt, das Jesus einen Sohn hatte. Und auch nicht, das er mit Maria Magdalena liiert oder gar verheiratet war. Die katholische Kirche gab sich im Laufe der Jahrhunderte viel Mühe, Maria Magdalena einen unsittlichen Lebenswandel anzudichten und Jesus zum keuschen Junggesellen zu machen, und würde deshalb niemals (never, ever!) akzeptieren, das sie und Jesus liiert waren – oder gar einen gemeinsamen Sohn hatten. Da dies die Grundfesten der kathloischen Kirche sprengen würde, endet auch dieser Weg quasi in einer Sackgasse. Da die meisten Forscher auf diesem Gebiet einen christlichen Vereinshintergrund haben, ist dies ein Thema, das sie nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würden. Ernsthafte Forschungen werden also vermieden, wenn nicht gar behindert.

Das Turiner Grabtuch

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Turiner Grabtuch

Die Suche nach der Jesus-DNS führt uns nun zur berühmtesten und umstrittensten aller Reliquen: dem Grabtuch von Turin. Viele glauben, das es das Tuch ist, in das Jesus nach seinem Tod eingewickelt wurde und das nach seiner Auferstehung zurückgeblieben ist:

Das Grabtuch von Turin ist ein ungefähr 4.40m langes und 1.10m breites Leinentuch, das das Abbild der Vorder- und Rückseite eines Menschen zeigt – eines Menschen, der scheinbar eines gewaltsamen Todes gestorben ist. Das Grabtuch von Turin ist in vielerlei Hinsicht die Reliquie aller Reliquien. Wenn man das Bild auf dem Grabtuch betrachtet, dann erzählt es die Geschichte der Leiden Jesu: die Dornenkrone auf seinem Kopf. Die Nägel in seinen Händen und Füssen. Die Wunden der Peitschenschläge.

Heute wird das Grabtuch in einer Kapelle des Turiner Doms aufbewahrt. Dort liegt es in einem versiegelten, klimatisierten und schussfesten Glascontainer. Nur selten wird es öffentlich ausgestellt – das letzte mal 2015. Mehr als zwei Millionen Menschen kamen, um das Grabtuch zu sehen.

Als der Fotograf Secondo Pia 1898 erste Aufnahmen des Grabtuchs anfertigte, entdeckte er eine Anomalie: das Negativ des Bildes ist viel detailreicher, als das Original. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, das das Grabtuch mitterlalterlichen Ursprungs ist. Viele gehen jedoch davon aus, das einige dieser Untersuchungen fehlerhaft sind. Auch wenn die Herkunft des Grabtuches umstritten bleibt – es ist eines der am meisten untersuchten Artefakte der Menschheitsgeschichte. Aber erst heute lässt sich, mit den modernsten Mitteln der Gen-Technologie, eine DNS-Probe des Leinentuchs analyisieren, in das angeblich der Körper Jesu nach seiner Kreuzigung eingewickelt war.

Die katholische Kirche hatte die wissenschaftliche Untersuchung des Tuches zuletzt 1978 und ’88 erlaubt. Das Labor der Universität Padua verfügt über einige dieser seltenen Proben. Dort studiert man die Geheimnisse des Tuches seit vielen Jahren. In einem Kühlschrank werden dort die Proben des Grabtuches von Turin aufbewahrt, auf dem u.a. auch Blutteilchen gefunden wurden. Untersuchungen des Grabtuches haben ergeben, das die gefundenen Blutklumpen aus Wunden stammen und das es sich um die Blutgruppe AB handelt – eine seltene Blutgruppe, die bei nur 4% der Weltbevölkerung zu finden ist. Relativ weit verbreitet ist sie im Nahen Osten.

Könnte es sein, daß jemand das Bild mit Blut auf das Grabtuch gezeichnet hat? Ausgschlossen, meinen Wissenschaftler, denn Tests konnten zeigen, das niemand so so etwas hätte zeichnen können. Das Abbild gilt als nicht reproduzierbar. Zumindest nicht mit Techniken, die wir heute kennen.

Gibt es also einen physischen Beweis für die Existenz, das Leben und den Tod Jesu? In der Bibel steht, Jesus wurde in ein Tuch gewickelt. Auf der Basis der Daten, über die die Universität von Padua mittlerweile verfügt, schliessen die Forscher mittlerweile aus, das es eine mittelalterliche Fälschung ist. Nach ihrem Befund ist das Grabtuch ca. 2000 Jahre alt. Das Grabtuch wurde bisher umfangreichen Analysen unterzogen – u.a. mit UV- und Röntgenstrahlung, sowie Schwingungstests. Mit der neuen DNS-Sequenzierungsmethode kann man nun sogar feststellen, welcher Ethnie der Mensch, der in das Grabtuch eingewickelt war, angehörte, woher seine Familie stammte, wer seine Nachfahren sein könnten – und ob er vielleicht Jesus von Nazareth war.

In einer kleinen Probe des Tuches sind sehr viele Informationen enthalten: Pflanzen, Blütenstaub, Blutreste. Es finden sich viele unterschiedliche Partikel in ihnen. Wenn man die DNS der einzelnen Blutflecken bestimmen kann, kann man auch die jeweiligen menschlichen Entwicklungslinien, die mit dem Turiner Grabtuch in Kontakt gekommen sind, auslesen. So kann man die Historie des Grabtuches rekonstruieren.

Zweifel an der Echtheit

Andere behaupten, das Grabtuch käme aus Frankreich.

Der Grund für die Zweifel an der Echtheit des Grabtuchs sind die fast 1400 Jahre zwischen dem Tod Jesu am Kreuz und dem ersten Bericht über das Grabtuch in Europa im Jahr 1349. Manche glauben, das Judas Thaddäus, ein Jünger Jesu, das Grabtuch aus einem Versteck bei Jerusalem heimlich in die Türkei geschafft hat, wo es als Mandylion bekannt wurde, ein heiliges Tuch mit heilenden Kräften.

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Jaques de Molay?

Andere behaupten, das Grabtuch käme aus Frankreich. In diesem Zusammenghang verweisen sie auf die Geschichte von Jaques de Molay, dem letzten Grossmeister des Templerordens. Er wurde vom König von Frankreich gefangen genommen.

Vor seiner Hinrichtung 1314 folterte man ihn, setzte ihm eine Dornenkrone auf und nagelte ihn an ein Kreuz. Später wurde sein Leichnahm in ein Tuch gewickelt. Das Gemisch von Milchsäure und Blut aus de Molays geschundenem Körper, in Kombination mit Weihrauch, der zum Bleichen von Stoffen verwendet wurde, ätzte das Abbild seines Körpers vielleicht in das Tuch. Zudem hat das Abbild auf dem Tuch eine auffallende Ähnlichkeit mit der historischen Beschreibung de Molays: lange Nase, schulterlange, in der Kopfmitte gescheitelte Haare, und ein Vollbart. Allerdings ein recht verbreitetes Aussehen zu jener Zeit.

Antwort auf diese Frage würde ein Bluttest geben, der klärt, ob das Blut auf dem Grabtuch von einem Menschen aus Europa oder dem Nahen Osten stammt. Den Forschern der Universität Padua gelang es, genug reine DNS aus dem Blut auf dem Grabtuch zu extrahieren, um diese zu sequenzieren und diversen Gen-Datenbanken zu vergleichen.

Die Forscher verglichen also die Grabtuch-DNS mit dem Material der Gen-Bibliotheken, die aufzeigen, aus welcher Region eine DNS stammt. Zum Ergebnis dieses Tests kommen wir gleich.

Auf der nächsten Seite: Ein zweites Grabtuch?

Ein zweites Grabtuch?

Das Blut auf diesem Tuch stimmt mit dem auf dem Grabtuch von Turin überein.

Im Johannes Evangelium (20,6-7) heisst es: „Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. “

Johannes schreibt also, das nicht nur das Grabtuch dort lag, sondern auch ein zweites Tuch, das den Kopf Jesu bedeckt hatte. Forscher gehen heute davon aus, daß die als Schweisstuch von Oviedo bekannte Reliquie das Tuch ist, mit dem das Haupt Jesu nach der Kreuzigung umwickelt wurde – das zweite Tuch, von dem im Evangelium also die Rede ist.

Diese Reliquie, auch Sudarium (von lateinisch sudore für „schwitzen“) genannt, liegt seit dem 8. Jahrhundert in einer Kirche in Oviedo in Nordspanien. Man weiss, das es zuvor in Jerusalem war. Und: das Blut auf diesem Tuch stimmt mit dem auf dem Grabtuch von Turin überein, wie Tests ergaben. Diese Tücher waren aus einfachem Stoff und wurden um die Armgelenke oder um den Nacken gewickelt. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein schmutziger, alter Lumpen. Aber die Flecken stammen von menschlichem Blut, vermischt mit einem Pleuraerguss, einer Flüssigkeit, die sich in der Lunge ansammelt, wenn ein Mensch erstickt.

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Das Sudarium

Die Analyse des Schweisstuchs wurde von Forensik-Experten vorgenommen. Sie untersuchten es wie das Beweisstück eines Verbrechens: wie ist das Blut auf das Tuch gekommen? Was für ein Blut ist es? Wie sind die Flecken entstanden? Und wie ist die Person gestorben? Man sieht auf dem Tuch, das die Person, die darin eingewickelt war, einen Erstickungstod starb. Sie befand sich dabei in aufrechter Position, mit ausgestreckten Armen, vergleichbar mit einer Kreuzigung.

Weitere forensische Untersuchungen haben gezeigt, das das Tuch um das Gesicht eines Mannes gehüllt wurde, etwa 45 Minuten, nachdem dieser verstorben war. Das passt zu den Darstellungen der Evangelien. Das Tuch blieb um den Kopf gehüllt, als sie seinen Körper mit dem Gesicht nach unten ins Grab trugen. Das Tuch wurde dabei mit einer Hand um Nase und Mund gehalten, wahrscheinlich um das Blut aufzuhalten. Nach jüdischem Glauben ist das Blut der Sitz der Seele. Es war also wichtig, den Körper mit seinem Blut zu bestatten.

Wenn man beide Tücher, das Sudarium und das Grabtuch von Turin übereinander legt, stimmen die Flecken auf beiden auf fast unheimliche Weise überein – und nicht nur in der Form, sondern auch in der Blutgruppe. Die ist AB – eine heute in Europa und der restlichen Welt seltene Blutgruppe.

Die Untersuchungen, die an beiden Tüchern gemacht wurden, kommen zu dem Ergebnis, das das Blut auf beiden Tüchern sehr wahrscheinlich zur selben Person gehört.

Das Erbgut Jesu

Die DNS auf dem Grabtuch gehört zu einem Menschen aus dem Nahen Osten.

Zurück zum Grabtuch: die Untersuchung der darauf gefundenen DNS hat einige erstaunliche Informationen geliefert: die DNS, die die Forscher darauf fanden, ist mitochondriale DNS.

Eine Zelle enthält zwei Arten von DNS – eine ist die nukleare DNS, die von unseren 23 Chromosomenpaaren stammt. Der andere Typ kommt von kleinen Organellen, den Mitochondrien. Wenn man sich eine menschliche Zelle als Jumbo Jet vorstellt, enthalten die 23 Chromosomen alle Informationen für den Bau dieses Flugzeugs. Von diesem gigantischen Konstruktionsplan hat man eine Kopie in jeder Zelle. Wir haben aber noch einen weiteren Satz von DNS in den Mitochondrien, der aber lediglich den Bauplan für den Bildschirm in der Sitzlehne enthält. Der Bauplan ist also viel kleiner, aber von diesem gibt es viel mehr Kopien. Wenn man also das Stück eines alten Knochens hat, findet man meist nicht den gesamten Bauplan darin, sondern viele der kleinen Baupläne, die man dann zu einem ganzen zusammensetzen kann.

Die mitochondriale DNS wird über viele Generationen unverändert von der Mutter auf das Kind übertragen. Die Ahnentafel von Jesus in den Evangelium listet leider nur die männlichen Vorfahren auf. Die DNS, die man aus dem Turiner Grabtuch extrahieren konnte, zeigt deshalb wahrscheinlich zum ersten mal auch die mütterliche Abstammungslinie Jesu.

Die DNS-Sequenzierung des Grabtuchs ergibt nach einem Vergleich mit ethnischen Genombibliotheken, das sie zu einem Menschen aus den Nahen Osten passen – der Region, in der Jesus gelebt hat. Es handelt sich dabei um „sehr seltenes mitochondriales Material“, wie die an der Untersuchung beteiligten Forscher in Padua sagen.

Damit entscheidet sich eigentlich auch die Frage, ob das Grabtuch aus Frankreich stammt oder gar eine europäische Fälschung ist. Nach den Ergebnissen der DNS-Sequenzierung ist dies äusserst unwahrscheinlich bis ausgeschlossen. Das Fälschen der Abbildungen auf dem Grabtuch wäre schon schwierig genug gewesen, aber niemals wäre damaligen Fälschern im Traum eingefallen, das man mit dem benutzten Blut auch die Herkunft eines Menschen nachweisen könnte.

Aber es wird noch spannender: durch den Vergleich mit Gen-Datenbanken konnten die Forscher das Blut auf dem Grabtuch einer sehr seltenen ethnischen Gruppe zuordnen: zu den Drusen!

Auf der nächsten Seite: War Jesus ein Druse?

Jesus war ein Druse

Die Drusen glauben an den einen Gott – und an Reinkarnation.

Die Drusen sind eine kleine, sehr alte Religionsgemeinschaft mit weltweit etwa nur einer Million Mitgliedern. Ihre unverkennbare genetische Signatur reicht zurück bis ins alte Ägypten vor der Zeit Jesu. Diese Entdeckung eröffnet eine erstaunliche Möglichkeit: war Jesus mit den Drusen verwandt? Die Idee, das Jesus ein Druse war, ist ziemlich revulotionär.

Drusen dürfen nur untereinander heiraten, ihr Genpool ist also, wie auch bei den indischen Kasten, sehr begrenzt und genau einzuordnen. Seit dem 11. Jahrhundert, in dem sie verfolgt wurden, ist es unmöglich, zum Drusentum zu konvertieren. Druse wird man demnach nur per Geburt.

Die Drusen nennen sich selbst al-muwaḥḥidūn („Bekenner der Einheit Gottes“). Die Drusen bekennen sich nicht nur zum Glauben an einen Gott, sondern auch zur Reinkarnation. Demnach wandert die Seele eines Menschen mit dessen Tod sofort in einen neugeborenen Menschen (jedoch nicht in Tiere oder andere Wesen). Auf dem Weg von Mensch zu Mensch strebt die Seele so nach Perfektion. Nach deren Erreichen geht sie eine Einheit mit Gott ein.

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Drusen

Interessanterweise vertraten auch die Gnostiker, die frühen Christen, die Lehre von der Reinkarnation, bis diese Lehre später von der Kirche gestrichen wurde – und die bis heute für die Kirche ein heisses Eisen ist. Denn die starre geistige Haltung der Kirche versteht das Prinzip dahinter nicht.

Der Gedanke an Reinkarnation verwirrt die Kirche, die ihren Anhängern doch von körperlicher Auferstehung am Tag des jüngsten Gerichts (also Auferstehung mitsamt des physischen Körpers) und „ewigen Qualen in der Hölle“ predigt. Wenn man ewig in der Hölle beschäftigt ist, hat man aber leider auch keine Zeit, um wiedergeboren zu werden. Hier hat sich die Kirche selbst einen unlogischen Stolperstein geschaffen, weil sie den Gedanken der Reinkarnation offenbar nie richtig begriffen hat. Für Drusen ist die Wiedergeburt der Seele jedoch ein wichtiges Werkzeug zur stetigen Reinigung und Vervollkommnung der Seele, bis diese schliesslich, reich an Erfahrung und Wissen, in Gott aufgeht. Ähnliches lehrt auch der Buddhismus.

Aber dieses Thema würde hier zu weit führen.

In den original griechischen Schriften des Neues Testaments wird Jesus übrigens Judaios genannt. Ein griechisches Wort, das jüdische Menschen, aber auch Menschen aus Judäa beschreibt. Könnte es sein, das Jesus aus Judäa stammt, aber nicht jüdischen Glaubens war? Das hingegen ist recht unwahrscheinlich: in den Evangelien steht, das Jesus ein religöser Jude war. Seine Angänger nannten ihn Rabbi. Er feierte das Passafest. Und noch bedeutender ist, das die Menschen in ihm aufgrund seiner jüdischen Identität auf Grundlage der Prophezeihungen den Messias sahen.

Aber: wissenschaftliche Fakten legen nahe, das Jesus, zumindest ethnisch, ein Druse war, wenn es sich wirklich um sein Grabtuch handelt. Und die identischen Blutgruppen auf dem Sudarium und dem Grabtuch von Turin, sowie die identischen Muster der Flecken machen beide doch sehr, sehr glaubwürdig. Das Blut stammt demnach von einem Menschen, der nicht nur aus dem Nahen Osten stammte, sondern darüber hinaus auch ein Druse war, also biologische Wurzeln bis ins alte Ägypten hatte.

Quellen: History.de, University of Oxford, Florida, Padua, Kopenhagen.

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Seltsam? Aber so steht es hier geschrieben... Ihr habt Fragen, Anregungen oder vielleicht sogar eine völlig andere Meinung zu diesem Artikel? Dann postet einen Kommentar.

Mike vom Mars Blog - mike-vom-mars.comAutor: Mike vom Mars
Mike emigrierte vor einigen Jahren von seinem Heimatplaneten auf die Erde, um das Leben am wohl seltsamsten Ort des Universums zu studieren. Seiner Bitte "bringt mich zu eurem Führer" wurde bisher nicht entsprochen.

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