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Die tragische Geschichte des August Gissler

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In Nebel gehüllt, mitten im Pazifik, liegt rund 500 km vor der Küste Costa Ricas ein kleines Eiland. Die Kokosinsel, am Rande der spanischen Goldroute, wird zum Schauplatz der Geschichte und zum Mythos einer Schatzinsel. Selbst heute noch sind einige Forscher, Historiker und Schatzsucher davon überzeugt, das unter den Palmen der Isla del Coco Piratenschätze im Wert von mehreren millionen Dollar liegen. Schätze, nach denen bereits unzählige Glücksritter gesucht haben. Darunter August Gissler und seine Frau, zwei tragische Figuren in einem Drama um Gold, Gier und Wahn.

Die im 18. und 19. Jahrhundert regelmässig von Piraten besuchte Kokosinsel besteht vorwiegend aus vulkanischen Gesteinen und liegt 494 km vor der Pazifikküste Costa Ricas auf dem sogenannten Kokosrücken (Cocos Ridge), einer über 1000 km langen und 250 bis 500 km breiten untermeerischen Struktur. Sie ist annähernd rechteckig geformt, 7,5 km lang, an der breitesten Stelle fast 5 km breit und hat eine Fläche von fast 24 km². Die höchste Erhebung ist der Cerro Iglesias mit 634 m im Westen.

Im laufe der Jahre kämpften hunderte Schatzsucher hier gegen den strömenden Regen, die sengende Hitze und den harten Boden an. Manche blieben monatelang. Die meisten nur ein paar Tage. Doch ein Mann suchte siebzehn Jahre lang nach einem Schatz: August Gissler.

Ein Zeitalter der Piraten

Im Jahr 1821 ruft der südamerikanischer Unabhängigkeitskämpfer José de San Martín die Unabhängigkeit Perus aus. Zuvor hatte Simón Bolívar bereits grosse Teile des südamerikanischen Kontinents befreit. Eine turbulente Zeit des Umbruchs. Um ihre Schätze vor den Wirren der südamerikanischen Unabhängigkeitskriege zu retten, vertrauen viele reiche Handelsherren und Würdenträger ihre angesammelten Besitztümer und Schätze mehr oder weniger halbseidenen Schiffskapitänen an, um sie in Sicherheit zu bringen. So zum Beispiel der sagenhafte Schatz von Lima, der dem zufällig in Limas Hafen Callao vor Anker liegenden Kapitän William Thompson und dessen Schoner, der Mary Dear anvertraut wird.

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Isla del Cocos

Thompson soll die Kostbarkeiten nach Panama in Sicherheit bringen. Auf hoher See aber nutzt die Mannschaft die Gunst der Stunde und entledigt sich ihrer spanischen Bewacher. Unter neuer Flagge nimmt die Mary Dear Kurs auf die Kokosinsel, wo die Meuterer den Schatz von Lima in einer Höhle versteckt haben sollen.

Dank einiger natürlicher Quellen gibt es auf der Erdbeben- und Tsunamigefährdeten Kokosinsel Trinkwasser im Überfluss. Seefahrer setzten schon damals Wildschweine auf der Insel aus, so das man zunächst durchaus einige Zeit dort verbringen konnte, ohne zu verhungern. Angeblich fühlten sich Seeräuber auf der Insel so sicher, das sie ihre erbeuteten Schätze inmitten der dortigen tropischen Urwaldvegetation versteckten. Das Eiland liegt unweit der damals befahrenen Routen, war aber auf den meisten Seekarten nicht verzeichnet. Selbst aus einer Entfernung von nur wenigen Seemeilen ist die Insel leicht zu verfehlen.

Doch der Diebstahl fliegt auf. Thompson wird verhaftet, einige Zeit später gelingt ihm die Flucht. Jahre später vertraut er, auf dem Sterbebett liegend, dem Fischer John Keating das Geheimnis seines Schatzes an. Damit ist der Mythos der Schatzinsel geboren, den einige Jahre später Robert Louis Stevenson zur Vorlage seines gleichnamigen, später weltbekannten Romans macht. Der Fischer Keating stirbt 1882 als reicher Mann. Gelang es ihm, den Schatz zu finden?

Zwanzig Jahre, getrieben vom Wahn

August Gissler, ein deutscher Ingeneur und Sohn eines Kaufmanns, war wohl der eifrigste Schatzsucher und die tragischte Figur in dieser Geschichte. Von 1889 bis 1908 lebte er auf dem einsamen Eiland. Ein karges, hartes und einsames Leben. Beinahe zwanzig Jahre, getrieben von dem Wahn, mit einem Spatenstich das grosse Glück zu machen.

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August Gissler

Im Dezember 1880 heuert der 23jährige August Gissler aus Altdamm bei Stettin auf dem Auswandererschiff „Highflyer“ an, dessen Fahrt um das Kap Horn nach Honolulu geht. Während der Überfahrt lernt er den Portugiesen Manoel Cabral kennen. Cabral zeigt ihm das Notizbuch seines verstorbenen Grossvaters, einem Segler, der in den selben Breiten wie die damals so berüchtigten Piraten unterwegs gewesen sein soll. Das Notizbuch beginnt damit, das Cabrals Grossvater als junger Fischer vom Kurs abkam und von einem der damals berüchtigsten Piraten aufgegriffen wurde: dem spanischen Seeräuber Dom Pedro Benito, genannt Benito Bonito („das blutige Schwert“).

Die Geschichte von Cabrals Grossvater zieht Gissler sofort in seinen Bann. Ein Kapitel des Buches erregt besonders sein Interesse: die Piraten überfallen ein spanisches Segelschiff und erbeuten einen Schatz. Auf einer Insel wollen sie ihn vergraben. Während die Piraten den Schatz vergraben, macht sich Cabrals Grossvater angeblich unbemerkt genaue Notizen über die Stelle. Gissler ist wie elektrisiert und fertig sich eine Kopie des Notizbuchs an. Er realisiert, das es nicht nur exakte Angaben darüber liefert, wo der Schatz vergraben ist -es ist auch noch nie vorher einem anderen Menschen gezeigt worden. Doch eine wichtige Information fehlt: der Name der Insel.

Auf Hawaii angekommen, verdingt sich Gissler sieben Jahre lang auf einer Plantage in der Umgebung der Stadt Pahala. Eines abends hat er dort in einer Bar eine zufällige Begegnung mit einem anderen Deutschen namens Bartels. Im Laufe der Jahre werden Bartels und Gissler gute Freunde. Bartels erzählt ihm eines Tages, sein Schwiegervater „Old Mac“ hätte den Piraten Benito Bonito tatsächlich gekannt und besäße seit Jahrzehnten eine Schatzkarte, die den Versteckplatz eines Piratenschatzes zeige. Gissler wird hellhörig, als Bartels hinzufügt, der Schatz läge auf einer kleinen Insel vor der Westküste Südamerikas, die Coco-Island genannt würde. Gissler vergleicht die Schatzkarte von Bartels Schwiegervater mit den Beschreibungen aus Cabrals Notizbuch und stellt fest, daß Coco-Island und die Insel aus den Aufzeichnungen von Cabrals Großvater, ein und denselben Ort bezeichnen! Letztendlich liefert ihm Bartes endlich den Namen der Insel, nach der er bereits seit Jahren sucht: die Kokosinsel.

Gissler ist inzwischen überzeugt, das der Schatz immer noch auf der Insel liegt und er ihn finden kann. 1888 gelingt es ihm, mit Hilfe eines schwedischen Kapitäns eine kleine Expedition auszurüsten, um den Schätzen von Coco-Island auf den Leib zu rücken. Doch das Schiff ist schlecht bemannt und zuerst machen ihm heftige Stürme, dann eine wochenlange Flaute zu schaffen. Es gelingt ihnen, die Insel zu sichten, aber durch die anhaltende Flaute sieht der Kapitän sich zur Weiterfahrt nach Chile gezwungen. 73 Tage, nachdem Gissler Honolulu verlassen hat, kommt er in Chile an, fast 5000 Kilometer von der Kokosinsel entfernt.

Doch Gissler bleibt unermüdlich und in den folgenden Monaten gelingt es ihm, eine Reihe von Investoren einzubinden, die bereit sind, mit ihm auf die Insel zu reisen. Die neue Expedition ist besser ausgerüstet und sehr viel großzügiger mit Proviant versorgt, als die vorige. Im Februar 1889, acht Jahre nachdem er zum ersten mal die Geschichte von Cabrals Grossvater gehört hat, setzt August Gissler seinen Fuss auf die Kokosinsel. Ein einsamer Ort, mitten im Pazifik. Doch jetzt kann er seinen Traum endlich verwirklichen.

In den ersten Wochen richten sie ein Basislager ein. Mit Hilfe seiner Aufzeichnungen sucht er nach der Stelle, an der der Schatz vergraben sein soll. Die Expedition verbringt mehrere Monate mit vergeblichem Graben und Bohren, sucht nach Höhlen, gräbt Tunnel und entwurzelt Bäume -doch ohne Ergebnis. Nach zehn ergebnislosen Monaten sieht die Expedition sich gezwungen, aufzugeben.

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494 km vor Costa Rica

Doch bereits ein Jahr später kehrt Gissler abermals auf die Insel zurück. Und schon bald scheint sich diesmal die Mühe auszuzahlen: eines morgens gräbt Gissler drei spanische Goldmünzen aus dem 18. Jahrhundert aus. Doch die Münzen bleiben zunächst sein einziger Fund. Wieder verbringen sie mehrere Monate auf der Insel, graben und bohren so lange auf der Insel, bis sie sich erneut eingestehen müssen, das sie nichts mehr finden werden. Sie lichten den Anker und verlassen die Insel.

Gissler quälen nun Selbstzweifel. Hat er die älteste Torheit aller Schatzsucher begangen? Jeder beginnt mit einer Schatzkarte und glaubt, er sei der einzige, der davon weiss. Man denkt, es sei nur eine Frage von Tagen, vielleicht Wochen, und schon ist man reich. Obwohl Gissler den Hinweisen gefolgt war, fand er den Schatz nicht. Heute weiss man, das die Insel, wie jedes vulkanische Eiland, ihr Gesicht kontinuierlich verändert. War es ihm deshalb unmöglich, den Schatz zu finden?

Mittlerweile ist Gissler zu der Überzeugung gekommen, daß er keine Chance hat, wenn er nur einige spezielle Hinweise und Wegbeschreibungen berücksichtigt. Das sich die Schätze der Cocos-Insel nicht durch das flüchtige Studium der alten Karten und mit einigen Wochen leichter Ausgrabungen zu finden sein werden. Statt aufzugeben, meint er, das Problem erkannt zu haben und hält es für das beste, sich auf der Insel niederzulassen und das Suchgebiet auszuweiten. Er würde den Suchbereich immer weiter ausdehnen, bis er fündig würde. In diesem Moment beschliesst er, der Schatzsuche, falls nötig, sein ganzes Leben zu widmen.

Gissler versucht, sich so wenig wie möglich in die eigenen Karten schauen zu lassen. In Costa Rica beantragt er bei den Behörden eine Konzession zur Etablierung einer Kolonie auf der Insel, der „Cocos Plantation Company“, einer Aktiengesellschaft, finanziert duch Geldgeber auf dem Festland. Im Juni 1891 erhält er das Recht, die Insel landwirtschaftlich zu nutzen, unter der Bedingung, dort 50 deutsche Familien anzusiedeln. Seine Idee: die Insel zu besiedeln, sich dort dauerhaft selbst zu versorgen und sie systematisch umzugraben. 1897 ernennt ihn Costa Rica sogar zum Gouverneur der Insel -dem ersten und bis heute einzigen.

Von vorne herein zum Scheitern verurteilt

Inzwischen ist Gissler verheiratet. Zusammen mit seiner amerikanischen Frau Mary reist er nach Deutschland, um dort für seinen Plan zu werben. Es gelingt ihm, einige deutsche Familien als Siedler mit auf die Insel zu bringen. In Panama laden sie Hühner, Enten und Truthähne zu. Auf der Insel errichten sie schliesslich Blockhütten und pflanzen Zuckerrohr, Gemüse, Tabak, Kaffee und Bananen an. Ein Postschiff soll einmal im Monat Lebensmittel auf die Insel bringen. Anfangs sieht es so aus, als ob alles gut gehen würde. Bei einer Erkundungstour entdeckt er an einem Strand ein paar weitere Goldmünzen.

Doch die Insel ist wild, hart und rauh, und ausserhalb der Zivilisation ist Gisslers Projekt von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Das Leben ist karg und entbehrungsreich. Das Versorgungsschiff, das alle paar Wochen Nahrung und Ausrüstung auf die Insel bringen soll, bleibt schon nach wenigen Fahrten aus. Die Vorräte gehen zur Neige, das Gemüse will im sandigen Boden der Insel nicht wachsen und viele der Siedler werden krank. Nachdem die ersten Siedler an Erschöpfung, Unterernährung und Krankheit sterben, ist Gissler klar, das er Lebensmittel besorgen muss.

Er baut ein Boot und setzt mit vier Siedlern nach Panama auf das Festland über, um Vorräte zu beschaffen. Doch als das Boot in Costa Rica beladen ist, gibt es den nächsten Rückschlag: drei der Männern weigern sich, zurückzukehren. Auch Gisslers Argument, wie feige es von ihnen sei, ihre Ehefrauen alleine auf der Insel zurückzulassen, hilft nicht.

Doch es kommt noch schlimmer: bei seiner Rückkehr muss Gissler feststellen: eine Rattenplage sucht die Insel heim. Das ganze Eiland ist buchstäblich voller Ratten. Die Tiere fallen sogar die Kinder an. Die Siedler rebellieren angesichts des harten Lebens auf der Insel. Als die Kolonisten auf Gissler losgehen, stellt er sich ihnen entgegen. Er macht ihnen klar, das er Gouverneur, Richter und Henker auf der Insel sei. Er schüchtert sie so sehr ein, das sie ihre Waffen niederlegen und der Friede auf der Insel vorerst wiederhergestellt ist. Doch es ist nur ein kleiner Sieg. Die Kolonie fällt nach und nach auseinander.

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Kokosinsel

Was so verheissungsvoll begonnen hatte, als die Siedler angekommen waren, verblasst nach und nach immer mehr. Einer nach dem anderen kommt zu der Überzeugung, das sie auf der Insel keine Zukunft haben.

1902 sind August Gissler und seine Frau, die weiter treu hinter ihm steht, die einzig verbliebenen auf der Insel. Völlig auf sich alleine gestellt, etragen die beiden viele Jahre lang grösste Entbehrungen und graben meterlange Tunnelsysteme, die auch heute noch, trotz ständiger Erdbeben, existieren. Das Wetter wechselt ständig und schnell, viele Monate lang regnet es fast täglich wie aus Eimern. Moskitos und Insekten sind eine ständige Plage. Aber auch jetzt will Gissler nicht aufgeben.

Nach nunmehr sechzehn Jahren sucht er bereits vergeblich nach dem Schatz -und ist trotz allem immer noch davon überzeugt, das er ihn finden wird. Die Lage der beiden verschlimmert sich zusehends. Seit einem Jahr hat kein Schiff mehr die Insel angefahren. Er hat keine Munition mehr um Wild zu schiessen. Gissler weiss: er muss noch einmal zum Festland übersetzen, damit sie überleben können. Seine Frau möchte er nicht den Gefahren der Überfahrt aussetzen, also muss sie wohl oder übel alleine auf der Insel bleiben. Gissler macht sein selbstgebautes Boot wieder startklar. Da er kein Material für die Segel hat, nimmt er die Laken ihres Ehebetts. Seiner Frau verspricht er, nicht länger als vier bis sechs Wochen unterwegs zu sein. Dann macht er sich auf.

Doch kaum hat er die Insel verlassen, gerät er in einen fürchterlichen Sturm und wird nach Panama verschlagen -über 300 km entfernt von seinem Ziel Costa Rica. Seine Frau lebt unterdessen ganz allein auf der Insel. Sie baut Fallen, fängt Tiere. Ist sie gezwungen, Ratte zu essen? Wahrscheinlich. Völlig alleine, auf sich selbst gestellt, auf einem kargen Eiland mitten im Pazifischen Ozean, umgeben von Ratten, jeden Tag wartend auf die ersehnte Rückkehr des Ehemanns. Ein furchtbarer Gedanke. Wir wissen nicht, was zu dieser Zeit in Gisslers Frau vorging, wohl aber, das beide sich immer eine gegenseitige Stütze waren.

Erst nach sechs Monaten gelingt dem völlig mittellosen Gissler die Rückkehr zur Insel. Er rechnet mit dem Schlimmsten, doch ist überglücklich, seine Frau bei seiner Ankunft lebend vorzufinden. Sechs Monate ohne Lebenszeichen voneinander. Sechs Monate, die seine Frau völlig allein, isoliert und einsam auf der Insel verbracht hat.

Wohl durch dieses Erlebnis beschliessen August und Mary Gissler endlich, nach fast zwanzig Jahren, die erfolglose Suche nach dem Schatz aufzugeben. Anfang 1908 verläßt Gissler mit seiner Frau verbittert die Insel. 17 lange Jahre hat er auf Cocos Island verbracht. Seine ganze Ausbeute: 33 spanische Goldstücke aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Hätte er ohne diese Münzen viel früher aufgegeben? War es, als habe ihm jede einzelne Münze wie ein Kobold zugeflüstert „Mach weiter, August, mach weiter“?

August und Mary Gissler ziehen nach New York, wo ihnen die Unterstützung von Verwandten sicher ist. Am 8. August 1935 stirbt der 75jährige Gissler völlig verarmt in einem New Yorker Arbeiterviertel. Er vermacht die Insel Freunden und Verwandten. Sein Erbe, so habe er damals geschätzt, betrage rund 200.000 Dollar. Doch die Regierung Costa Ricas spielt nicht mit. Gissler sei niemals im Besitz der Insel und nur Gouverneur auf Zeit gewesen. Sein Testament damit wertlos.

Noch auf dem Sterbebett sagt er: „Auf der Cocos-Insel liegen Schätze, davon bin ich überzeugt – und wenn es möglich wäre, würde ich von neuem mit der Suche beginnen.“

Seltsam? Aber so steht es hier geschrieben... Ihr habt Fragen, Anregungen oder vielleicht sogar eine völlig andere Meinung zu diesem Artikel? Dann postet einen Kommentar.

Mike vom Mars Blog - mike-vom-mars.comAutor: Mike vom Mars
Mike emigrierte vor einigen Jahren von seinem Heimatplaneten auf die Erde, um das Leben am wohl seltsamsten Ort des Universums zu studieren. Seiner Bitte "bringt mich zu eurem Führer" wurde bisher nicht entsprochen.


 
Redaktionswertung: 5.0 / 5





Neueste Kommentare

  1. Männer wie ihn müsste es mehr geben! Er hatte ein Ziel und tat alles, um es zu erreichen. Hut ab vor Kollege August!

  2. Mike-vom-Mars

    Vor allem müsste es aber auch mehr Frauen wie Mary geben, die ihrem Mann all die Jahre den Rücken gestärkt, zu ihm gehalten und all diese Strapazen mit ihm ertragen hat.

  3. Nein, nicht Hut ab, Menschen wie Gissler sollte es möglichst selten geben. Sie rennen verblendet immer wieder gegen dieselben Mauern und setzen ihre eigene Existenz und vor allem leider auch das Leben und die Gesundheit anderer aufs Spiel, um ihre fixen Ideen zu verwirklichen. Solche Menschen sind rücksichtslos gegen sich und andere. Ich bin mir sicher, dass Gissler kein symathischer, glücklicher Mensch war und seine Siedler und Mitgräber ebenfalls unglücklich gemacht hat. Eine traurige Geschichte. Wer glücklich und zufrieden leben möchte (und dies auch anderen zugesteht), muss flexibel sein, sich neue Ziele setzen und neue Wege erkunden, wenn er mit den alten Ideen nicht weiterkommt. Gissler hat sich in einen Wahn hineingesteigert, sein Lohn war die Verbitterung. Schade.

  4. Mike-vom-Mars

    Diese verbissene, fast schon autistische Fixierung auf ein Ziel liegt in der männlichen Natur. Auf der einen Seite schaffen Männer so viel Unheil auf diesem Planeten, andere wiederrum nutzen aber diese Fokussierung auf ein Ziel, um grosse wissenschaftliche Entdeckungen zu machen. Die Fixiertheit des männlichen Verstandes schafft somit beides: Stalker und Genies, Fanatiker im Gotteswahn (bei minderer Intelligenz), aber auch Philosophen (wenn mit hoher Intelligenz gesegnet).

    Leider gibt es noch eine typisch männliche Eigenschaft: die Gier. Wir sehen sie überall um uns herum, nicht nur in den Vorständen grosser Konzerne.

    Wenn nun beides zusammen kommt – Besessenheit und Gier – nimmt das nie ein gutes Ende 😒

  5. Diese Meinung teile ich nicht, ich bin selbst ein Mann (und schreibe lieber Kinderbücher als mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen). Und Gier ist auch nicht typisch männlich, da gibt es genügend Gegenbeispiele. Wohl eher menschlich. Aus meiner Sicht hatten und haben Männer bislang nur mehr Möglichkeiten, ihre Aggressionen und Machtansprüche auszuleben, weil die Gesellschaft nach wie vor eine männlich dominierte ist. Gisslers Frau blieb nicht viel anderes übrig, als in der Abhängikeit ihres verrückten Mannes zu verharren, weil Frauen im 19. Jahrhundert wenig Möglichkeiten hatten, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Wenn sie mit den Siedlern zusammen die Insel hätte verlassen wollen, hätte ihr Goldgräbergenie sicher nicht gezögert, sie ebenfalls mit einer Waffe zu bedrohen …
    Herrscherinnen wie Elisabeth I, Mary Tudor oder Maria Theresia waren auch nicht zimperlich, und Frauen hatten es immer schwer, sich in Kunst und Forschung durchzusetzen, weil es ohne Männer, die sie förderten, nicht ging.

  6. Mike-vom-Mars

    Hätten Frauen ebenfalls einen angeborenen Drang nach Dominanz, wären SIE heute ja das dominierende Geschlecht, und nicht der Mann.

    Dieses Dominanzverhältnis ist auch nicht zufällig über alle Kulturen verteilt, sondern ist überall das gleiche: wo es Männer gibt, streben sie die Dominanz an. Mit allen Mitteln.

    Das biologische Erbe sagt dem Mann "nimm, was du kriegen kannst, sei nie mit dem zufrieden, was du hast, strebe immer nach Grösserem, mach einen Wettkampf aus allem!". Frauen denken hier völlig anders, haben genetisch völlig andere Verhaltensweisen einprogrammiert. Das der Frauen ist "erhalte, um zu überleben". Und das kann auch erklären, warum Gisslers Frau ihm bis zuletzt zur Seite stand.

    Wenn Männer wie du (oder ich) NICHT in das Bild des "typischen" Mannes passen, dann beweisen wir damit, das wir uns über unsere Biologie hinaus weiterentwickelt haben und zeigen anderen Männern den Weg.

    Ein Blick in die Welt genügt aber, um zu sehen, das das auch dringend nötig ist, denn die meisten Männer lassen sich immer noch von ihrem biologischen Erbe leiten. Nicht nur, weil ihr Körper es ihnen aufzwingt, sondern auch, weil in unserer Kultur viele eigentlich animalische Verhaltensweisen immer noch akzeptiert und sogar gefördert werden, also gar nicht als solche erkannt werden.

    Das ist aber ein Thema für sich. Ich empfehle mal, das Verhalten von Schimpansen und Bonobos zu studieren. Die Parallelen zum menschlichen Verhalten, besonders das von Männern und Frauen, sind unübersehbar – und lassen erkennen, das man sein biologisches Erbe auch mit einer Krawatte nicht abstreifen kann.

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