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Test: Kannst du dich länger konzentrieren als ein Goldfisch?

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9 Sekunden ist die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches. Dank Social Media, Smartphone und anderen digitalen Ablenkungen beträgt sie beim Menschen nun aber im Schnitt nur noch 8 Sekunden! Schaffst du es, dich länger zu konzentrieren? Finde es heraus.

KONZENTRATIONSTEST

Dieser Test, der zur Aufnahmenprüfung von Lufthansa-Piloten dient, testet deine Konzentrationsfähigkeit:

Zum Test!

Im Jahr 2000 lag die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen bei etwa nur 12 Sekunden. Wie eine Studie von Microsoft in Kanada jetzt zeigt, ist dieser Wert bis zum Jahr 2013 noch einmal deutlich gesunken. Die meisten Menschen schaffen es heute lediglich 8 Sekunden, sich auf einen Sachverhalt zu konzentrieren.

Und damit liegen wir eine Sekunde hinter dem Goldfisch, der bisher als als das Paradebeispiel für eine kurze Aufmerksamkeitsspanne galt.

Die digitale Zerstreuung kommt vor allem vom stets griffbereiten Smartphone und Sozialen Netzwerken. Etwa die Hälfte der Menschen in der industrialisierten Welt greift automatisch zum Handy, wenn anderweitig keine Stimuli vorhanden sind.

Das Gehirn verändert sich, um sich dem Alltag und der jeweiligen Umwelt anzupassen. Das ist mittlerweile bekannt. Es verändert sich natürlich, wenn Techniken oder Medien häufig benutzt werden. Ihre Bedienung erfordert neue kognitive Leistungen und zur Interaktion auch neue motorische Geschicklichkeiten, wie sich etwa die Augen über Bildschirme bewegen oder die Finger eine Tastatur oder einen Touchscreen benutzen.

Für die aufmerksamkeitstechnisch wenig Belastbaren gibt es eine düstere Zukunftsversion: die Welt wird oberflächlicher, es überwiegen viele Bilder und Grafiken, es gibt wenig Text und vor allem kaum Wissenschaft.

Müssten nun also unterschiedliche Texte, Filme, Spiele, Bücher und Informationen für Menschen mit unterschiedlichen Aufmerksamkeitsstärken oder -defiziten hergestellt werden? Treten wir in eine Zwei- oder Mehrklassengesellschaft im Hinblick auf die Aufmerksamkeitskapazitäten ein?

Drei Arten der Aufmerksamkeit

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Unterschieden werden drei Arten der Aufmerksamkeit. Meist wird Aufmerksamkeit als Konzentration verstanden, also Fähigkeit, an einer Sache zu bleiben und sich nicht ablenken zu lassen. Die längere Fokussierung ist aber tatsächlich nur ein Modus. Eine andere Variante ist, trotz ablenkender Reize die Aufmerksamkeit nicht abschweifen zu lassen, was als selektive Aufmerksamkeit bezeichnet wird. Und eine dritte Form der Aufmerksamkeit ist das „Multitasking“, also schnell und höchst konzentriert zwischen verschiedenen Aufgaben hin- und herschalten zu können. In der Studie wird dies alternierende Aufmerksamkeit genannt.

Die Hypothese ist, dass die selektive und die alternierende Aufmerksamkeit für den digitalen Lebensstil am wichtigsten seien, mit ihnen ließe sich „das meiste“ aus digitalen Medien herausholen. Die längere Fokussierung hingegen bleibt auf der Strecke.

Kurz gesagt: zum Konsumieren digitaler Medien, Spiele, Bücher oder Filme nutzt der Mensch mehr und mehr seine Kurzzeitkonzentration.

Zum Erstellen solcher Medien aber benötigt man dagegen eine erheblich längere Konzentration. Was passiert wohl, wenn es irgendwann kaum noch Menschen gibt, die sich länger und tiefgreifend auf einen Sachverhalt konzentrieren können? Gibt es dann nichts mehr zu konsumieren? Keine Bücher und Spiele mehr? Keine Filme über 15 Minuten Länge? Nur noch Romane in der Länge einer WhatsApp-Nachricht?

Nichts mehr zum Ablenken – laufen dann all jene, die sich momentan verzweifelt mit digitalen Inhalten ablenken, Amok? Oder tun sie vielleicht etwas unvorstellbares und greifen wieder zum guten alten Telefonhörer? Oder – noch unglaublicher – verlassen wieder die eigenen vier Wände, um Freunde und Verwandte „live“ zu besuchen?

Viele Menschen fühlen sich nicht mehr glücklich

Bis zu 1.500 Mal schauen wir täglich auf unser Handy.

Die Forscher räumen ein, dass die Menschen zunehmend Schwierigkeiten hätten sich zu konzentrieren, was sich auf Leistungen in Schule oder Beruf auswirken würde. So sagen 44 Prozent, sie hätten Schwierigkeiten, sich auf Aufgaben zu kontrieren, bei den Jungen sind es bereits zwei Drittel. Genauso viele sagen, sie würden durch unverbundene Gedanken oder Tagträumereien abgelenkt werden.

Die Benutzung digitaler Medien nimmt jedenfalls weiter zu. Durchschnittlich nutzen Erwachsene der Studie zufolge täglich mehr als 11 Stunden Medien; 2010 seien es noch 8:48 Stunden gewesen. Bei den 16-24-Jährigen seien es bereits 14 Stunden, da wäre nicht mehr viel übrig vom Tag, weil ja auch noch geschlafen werden muss.

Festgestellt wird ein evidentes Suchtverhalten vor allem bei den jüngeren Menschen. So sagen 77 Prozent der 18-24-Jährigen, sie würden zuerst zum Smartphone greifen, wenn ihre Aufmerksamkeit gerade von nichts gefesselt sei. Bei den Über-65-Jährigen sagen dies nur 10 Prozent. 52 Prozent der Jungen schauen spätestens alle 30 Minuten auf ihrem Smartphone nach, 73 Prozent auch vor dem Schlafengehen. 79 Prozent nutzen beim Fernsehen weitere Medien, Live-Fernsehen wird immer weniger gesehen.

Interessant: mehr als die Hälfte dieser Menschen gibt an, das Technik ihrer Meinung nach das Leben eigentlich deutlich schlechter macht. Dennoch finden nur wenige den Ausknopf ihrer Geräte – sie befinden sich inmitten einer Suchtspirale nach kurzzeitiger, nichtssagender Ablenkung.

Bis zu 1.500 Mal schauen wir täglich auf unser Handy. Der morgendliche Griff zum Checken des Facebook- und Instagram-Feeds hat mit dem so genannten „Morning Scroll“ sogar einen eigenen Namen.

Multitasking ist ein Mythos

Halten wir fest: Der Goldfisch kann sich also länger konzentrieren als wir – wir sind süchtig nach Blitz-Dopamin und Whatsapp ist quasi unser Dopamin Dealer.

Aber wir sind doch viel besser im Multitasking als unsere Eltern, immerhin sind wir Digital Natives!? Fast richtig – aber falsch. Multitasking an sich ist nämlich ein Mythos. Was wir tun, wenn wir denken, dass wir eigentlich multitasken, ist der schnelle Wechsel von einer Tätigkeit zur anderen. Und bei diesem Wechsel sind wir laut der Studie von Microsoft besser und schneller als je zuvor, insbesondere wenn wir Informationen aus verschiedenen Quellen aufnehmen, sei es nun über den Fernseher, Tablet oder Smartphone. Vor allem sogenannte „Heavy User“ können Informationen effektiver verarbeiten und diese sogar schneller in Erinnerungen umwandeln.

Trotzdem ist der Verlust der Konzentrationsfähigkeit von ganzen vier Sekunden innerhalb von fünf Jahren besorgniserregend. Was können wir also tun, um in Sachen Aufmerksamkeit nicht bald von der Amöbe überholt zu werden? Der Versuchung widerstehen! Wir sollten in Betracht ziehen, die kognitive Variante einer Diät zu machen, das bedeutet: Wenn wir uns konzentrieren müssen: Handy weglegen – oder besser ausschalten – Mailprogramme beenden und alle unnötigen Tabs – vor allem Facebook! – schließen.

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