Gesellschaftskritik

Corona – Weniger schlimm, als vermutet?

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Lockdown – ganz Europa schliesst sich ein. Die Wirtschaft kollabiert, Menschen haben Angst. Doch neueste Zahlen lassen vermuten, daß das Corona-Virus gar nicht so schlimm ist, wie befürchtet wurde. Waren diese Massnahmen also übertrieben?

Täglich meldet das Robert-Koch-Institut Zahlen und „Fakten“ über das Corona-Virus und gibt Empfehlungen aus, an die sich Politiker aller Bundesländer halten. Doch nur wenige fragen sich, woher denn eigentlich diese Zahlen kommen, was sie bedeuten und wie sie überhaupt erhoben werden. Besonderes Interesse beim Umgang mit dem Virus sorgt die „Sterberate“ – die Zahl jener infizierten, die an den direkten Folgen des Virus gestorben sind. Aber diese scheint nun nach einer aktuellen Studie deutlich geringer, als bisher angenommen wurde.

Die Leute im RKI sind im Grunde nur Theoretiker, die lediglich Zahlen sammeln und versuchen, sie in einen Zusammenhang zu setzen. Praktische Studien zum Virus gibt es bislang nur wenige – was u.a. dem Umstand zu verdanken ist, daß das RKI nicht müde wird, vor dem Kontakt mit infizierten und durch das Virus gestorbenen Personen zu warnen. So warnt das RKI z.B. auch vor der Obduktion von sogenannten „Corona-Toten“. Bis heute konnte deshalb kaum festgestellt werden, wie viele der infizierten Personen tatsächlich durch das Virus starben.

Die Heinsberg-Studie

Seit zehn Tagen erst werden Menschen und Haushalte nun in der Gemeinde Gangelt im nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg systematisch untersucht. Es handelt sich dabei um die erste Untersuchung in Deutschland, bei der eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung genommen wird. Der Virologe Hendrik Streeck hat am Donnerstag erste Zwischenergebnisse der Heinsberg-Studie vorgestellt.

Streeck und sein Team wollen mit der Studie ermitteln, welche Übertragungswege das Coronavirus aufweist, wie viele der Covid-19-Patienten auf einer Intensivstation behandelt werden müssen, wie hoch die Sterberate ist und wie viele Menschen unbemerkt, also ohne Symptome, mit dem Virus infiziert sind.

Die Forschergruppe untersucht in Gangelt über 1000 Einwohner, das entspricht Streeck zufolge rund 400 Haushalten. Der Zwischenstand beruht auf einer Auswertung der Ergebnisse von 509 Menschen und sei damit eine „repräsentative Stichprobe“.

Bereits jetzt gibt es wichtige Erkenntnisse. Sie bieten einen kleinen Hoffnungsschimmer in Zeiten, in denen Schreckensnachrichten und dramatische Fotos unser Bild von der Corona-Krise prägen.

Wie hoch ist die Sterberate wirklich?

Jeder, infizierte, der stirbt, ist automatisch ein „Corona-Toter“ – egal, woran er wirklich starb.

Insgesamt haben sich nach Erkenntnissen der Forscher bisher 15 Prozent der Einwohner Gangelts mit Corona angesteckt. Das bezieht sowohl noch aktuelle Infektionen als auch bereits überstandene mit ein.

Von allen Infizierten, also 15 Prozent der Einwohner der Gemeinde, sind bisher circa 0,37 Prozent verstorben. In ganz Deutschland sterben nach aktuellen Zahlen der Johns-Hopkins-Universität dagegen fünfmal mehr Infizierte an Covid-19. Die Rate läge somit bei 1,98 Prozent. Laut den Autoren der Heinsberg-Studie ist der Grund für diesen Unterschied, dass in Heinsberg alle Corona-Fälle, auch die mit leichten oder gar keinen Symptomen, erfasst wurden.

Die Heinsberg-Zahlen sind also genauer – und schon sinkt die Sterberate auf „nur“ ein Fünftel der vorher angenommenen. Man sieht also, wie groß hier die Spielräume sind, wenn man zur Theorie auch die Praxis zu Hilfe nimmt.

Aber wenn die tatsächliche Sterberate so gering ist – wieso gibt es dann rund um den Globus so viele Tote? Das Problem ist hier nicht einmal das Virus selbst, sondern der katastrophale Zustand des Gesundheitssystems in vielen Ländern. Diese operieren schon in normalen Zeiten am Rande des Kollaps. Kommt dann noch ein Virus mit einer sehr hohen Infektionsrate hinzu, häufen sich die Fälle in kurzer Zeit derart, das diese Systeme schlichtweg kollabieren.

Dazu kommt der Gesundheitszustand vieler Menschen – vor allem der ärmeren Bevölkerung – der schon ohne ein grassierendes Virus desaströs ist. Viele Menschen sind bereits krank, können sich keinen Arzt leisten, werden zuhause gepflegt, mehr schlecht als recht. Mit einer zusätzlichen Atemwegsinfektion sind diese dann oft völlig überfordert.

Die ermittelte Sterberate ist kein fixer Wert des Virus selbst – sie spiegelt den Zustand des jeweiligen Gesundheitssystems, seine Kapazitäten und die Qualität der Behandlung wieder – aber wird auch vor allem davon beeinflusst, ob und welche Vorerkrankungen ein Patient bereits hatte. Und selbst nach dem Tod eines Patienten kann eigentlich nur eine Obduktion genauen Aufschluss über die wahre Todesursache geben. Und genau das ist momentan die Schwachstelle in den meisten Ländern. Wer während der Pandemie stirbt und positiv auf Covid-19 getestet wurde, gilt als „Corona-Toter“, völlig egal, ob das nun die tatsächliche Todesursache war, oder nicht.

Sind das wirklich alles „Corona-Tote“?

Nur eine Obduktion gibt wirklich Auskunft über die Todesursache.

Alleine in Deutschland starben bisher angeblich mehr als 2600 Corona-Infizierte. Doch die meisten der Verstorbenen bislang litten an mehreren Krankheiten gleichzeitig, häufig an schwerwiegenden Erkrankungen der Lunge oder des Herzens, zum Teil auch an Krebs. Außerdem sind die Toten schon älter. Das deckt sich mit den Angaben des Robert-Koch-Instituts: Im Schnitt waren die Verstorbenen in Deutschland bislang 80 Jahre alt. Ganze 86 Prozent der Verstorbenen waren RKI-Angaben zufolge 70 Jahre und älter.

Nur sehr, sehr wenige Corona-Infizierte scheinen also an den direkten Folgen des Coron-Virus zu sterben. In den allermeisten Fällen litten die Personen unter deutlichen Vorerkrankungen, an denen sie oft auch ohne eine Corona-Infektion über kurz oder lang verstorben wären. Da sie sich aber vor ihrem Tod noch mit dem Virus infizierten, fallen sie automatisch in die Statistik „Corona-Tote“.

Der Rechtsmediziner Klaus Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg, der bereits viele „Corona-Tote“ tatsächlich obduziert hat ist sicher: „Die Menschen denken, die Infektion ist eine tödliche Gefahr. Ich bin davon überzeugt, dass statistisch gesehen am Ende dieses Jahres die Krankheit keine Rolle spielt. Wir schreiben das jetzt diesem Virus zu.“

Der „FAZ“ erklärte Püschel weiter: „Den typischen Verlauf mit einer Atemwegsentzündung und einer Lungenentzündung durch das Virus sehen wir nur sehr vereinzelt.“ Die meisten Fälle seien Mischformen, bei denen auch weitere Infektionen eine große Rolle spielten. Angesichts dieser wertvollen Erkenntnisse kritisierte der Rechtsmediziner das RKI: „Der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, Obduktionen eher zu vermeiden wegen der Infektionsgefahr, kann ich daher nichts positives abgewinnen.“ Denn die Untersuchung der Toten sei „der Goldstandard der Qualitätssicherung mit Blick auf die klinische Therapie“.

Klar ist aber: für bereits kranke, schwache oder ältere Patienten stellt eine Corona-Infektion eine zusätzliche Belastung dar, die in jedem Fall vermieden werden sollte.

Die Magie der Zahlen

Und wieder einmal zeigt sich, das nicht nur das Erheben von Zahlen wichtig, wie es das RKI macht, sondern diese vor allem in den richtigen Kontext gesetzt werden müssen. Und das ist in der Praxis oft nur durch eine Obduktion möglich. Aber von Obdukionen riet das RKI bisher ab, da sie „zu gefährlich“ seien. So konnte also bisher nur in sehr, sehr wenigen Fällen festgestellt werden, woran ein Corona-Infizierter tatsächlich starb. Dennoch werden all diese Personen in der Kategorie „Corona-Tote“ geführt.

Ein (nicht ganz ernst gemeintes) Extrembeispiel: wer von einem Hochhaus springt oder von einem Klopapierlaster überfahren wird, gilt als „Corona-Toter“, falls vor oder nach seinem Tot Corona-Antikörper in seinem Blut gefunden werden. Logisch ist das anscheinend nur für Hardcore-Statistiker, nicht aber für Rechtsmediziner.

Rechtfertigt diese Zahlenspielerei ohne praktische Untersuchungen wirklich den kompletten Lockdown unserer Gesellschaft, der Wirtschaft und des Finanzwesens? Eine Pleitewelle rast durch Deutschland, viele kleine und mittelständische Unternehmen stehen kurz vor der Aufgabe oder mussten bereits Insolvenz anmelden – alles nur wegen einigen Theoretikern und Zahlensammlern, die sich nicht die Hände schmutzig machen wollen und Deutschland lieber einen kompletten Lockdown verordnen, um nach der Pandemie nicht zur Verantwortung gezogen zu werden?

Lockerung der Maßnahmen ist möglich

Die Forscher der Heinsberg-Studie sind der Meinung, man habe erfolgreich die erste Phase hinter sich gebracht: die der „gesellschaftliche Quarantänisierung“. Nun sei es Zeit, in die zweite Phase einzutreten: die beginnende Rücknahme der Quarantänisierung. Aber auch in der zweiten Phase – also unter Rücknahme der Quarantänisierung – müssen Risikogruppen weiter verstärkt geschützt werden, so die Forscher.

Streeck mahnte aber auch an, dass die Pandemie auch weiterhin nicht auf die leichte Schulter genommen werden könnte. „Wir müssen lernen, mit Sars-CoV-2 zu leben. Das Virus wird in der Bevölkerung bleiben.“

Die Politik könne nun unter bestimmten Voraussetzungen – unter anderem Einhaltung gegebener Hygieneregeln – in Erwägung ziehen, die Maßnahmen des Shutdowns vorsichtig zu lockern, um danach wieder kleinflächigere Quarantänemaßnahmen aufrechtzuerhalten.

Update:
Im Juli, drei Monate nach dem Erstellen dieses Artikels, kann nun ein detaillierters Fazit gezogen werden. Die meisten Länder haben ihren Lockdown mittlerweile aufgehoben – und es zeigt sich, das in jenen Ländern, in denen die Bevölkerung sich dennoch weiterhin an die Schutz- und Hygienerichtlinien hält, eine zweite Welle ausgeblieben oder verzögert werden konnte.

In anderen Ländern allerdings kam es nach Aufhebung des Lockdowns rasch zu einer zweiten Welle und einer rapiden Erhöhung der Infektionszahlen. Dies ist insbesondere dort zu beobachten, wo die Bevölkerung sich nicht mehr an Hygienevorgaben hält (Abstand, Tragen eines Mund-Nasenschutzes) oder sogar nach längerer Quarantäne heftig und ausgelassenen gefeiert wird.

Es liegt also wirklich am Verhalten des Einzelnen, ob und wie wir diese Pandemie überstehen. Auch wenn die Geschäfte wieder geöffnet haben und die Wirtschaft langsam wieder in Fahrt kommt, ist es um so wichtiger, das wir alle uns weiterhin besonnen verhalten. Denn unser Verhalten im Alltag entscheidet über die Infektionszahlen – und diese wiederrum über einen erneuten Lockdown.

Desweiteren wird mittlerweile auch von gehäuften schweren Corona-Verläufen insbesondere unter jungen Patienten berichtet. Zu sicher sollte man sich also auch dann nicht fühlen, wenn man nicht zur oft zitierten „Risikogruppe“ gehört. Noch einmal: unser Verhalten im Alltag bestimmt nun, wie es weitergehen wird und ob wir die wiedergewonnenen Freiheiten auch länger geniessen dürfen.

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Quellen: watson.de, morgenpost.de, ntv.de | Foto: Saint Louis University


 
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