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Archäometrie – Die coole Schwester der Archäologie

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Ein einsamer Wanderer stirbt in den Alpen. Seine Leiche wird erst Jahrtausende später gefunden werden. Wie gelingt es der Wissenschaft, 5.300 Jahre später, herauszufinden, wie er starb, wo er lebte, wie oft er umzog, was er aß, wie er aussah, welche Augenfarbe er hatte, an welchen Krankheiten er litt, woran er starb und wie die letzten Minuten seines Lebens abliefen?

Obwohl die Leiche stark mumifiziert ist, weiß man mittlerweile, das es sich um einen ca. 45 Jahre alten, 1,60 Meter großen Mann handelte, der kurz vor seinem Tod noch fettreiches Fleisch (Steinbock und Rothirsch) sowie Einkorn (Getreide) aß und seine Kindheit in einer Region südlich des heutigen Hauptkamms der Alpen, im Raum des heutigen Südtirols/Eisacktal, verbrachte, bevor er später in andere Täler zog. Außerdem hatte er braune Augen, eine Halbglatze und war stark mit frühen Bauern aus Anatolien verwandt. Er litt zudem unter genetischen Veranlagungen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hatte eine Laktoseintoleranz.

An jenem verhängnisvollen Tag starb er durch einen Angriff aus dem Hinterhalt – eine Pfeilspitze bohrte sich in seinen Rücken und verletzte eine wichtige Arterie in der linken Schulter. Dann ging der Angreifer mit einem Messer auf ihn los. Nach einem kurzen Abwehrkampf verblutete das Opfer – und wurde erst 5.300 Jahre später wieder vom Eis freigegeben.

Heute kennt man diesen Mann unter dem Namen „Ötzi“. Seine Leiche fand man 1991 am Tisenjoch in den Ötztaler Alpen. Mittlerweile ist über ihn, seine damalige Gesundheit, seine Lebensführung und sein Aussehen mehr bekannt, als du wahrscheinlich über deine Nachbarn weisst. Aber woher zum Teufel kennt man heute all diese Details, weiß nicht nur, was er zuletzt gegessen, wo er gelebt, an welchen Krankheiten er gelitten hatte, sondern sogar, welche Augenfarbe er hatte, obwohl Augen zu den ersten Körperteilen gehören, die sich nach dem Tod zersetzen?

Was passiert mit deinen Augen nach dem Tod?

💡Bereits 1 bis 2 Stunden nach dem Tod trübt sich die Hornhaut (Cornea) bereits bei offenen Augen. Bei geschlossenen Augen dauert dies etwa 6 bis 8 Stunden, manchmal bis zu 24 Stunden. Der Augeninnendruck sinkt rasch ab, die Augäpfel werden schlaff und können sinken leicht in die Augenhöhle. Bei offenen Augen trocknet die Bindehaut aus. Sie verfärbt sich zunächst gelblich, dann bräunlich und schließlich schwarz (Tache Noire genannt).

Enzyme aus der Netzhaut und dem Augengewebe zersetzen die Strukturen von innen heraus (Zelleigener Abbau – Autolyse). Nach etwa 2 bis 3 Wochen ist das Auge meist vollständig getrübt, kollabiert teilweise und weist eine blaugraue bis weißliche Färbung auf. Wie der gesamte weiche Körpergewebeanteil verwesen die Augen im Erdgrab oder an der Luft innerhalb von Wochen bis Monaten, während festere Gewebe oder Knochen länger überdauern.

Wie also ließ sich Ötzi’s Augenfarbe auch nach 5.300 Jahren noch bestimmen? Zur Auflösung kommen wir gleich.

Was bitte ist „Archäometrie“?

Die Wissenschaft die es ermöglicht, selbst nach Jahrtausenden noch kleinste Details über einen Verstorbenen (oder ein Artefakt) in Erfahrung zu bringen, nennt sich Archäometrie. Archäometrie ist ein interdisziplinäres Forschungsfeld – also keine einzelne Wissenschaft, sondern quasi ein Best-of vieler moderner Disziplinen, die Hand in Hand arbeiten. Während die klassische Archäologie Funde vor allem stilistisch, typologisch und im historischen Kontext einordnet, liefert die Archäometrie objektive, messbare und naturwissenschaftlich fundierte Daten, indem sie ein unglaublich breites Spektrum moderner Analysemethoden anwendet.

Das Forschungsfeld der Archäometrie hat sich dabei von einer bloßen naturwissenschaftlichen Hilfswissenschaft der Archäologie zu einer eigenständigen, hochgradig inter- und transdisziplinären Schlüsseldisziplin entwickelt, die heute an der Schnittstelle zwischen Natur- und Geisteswissenschaften steht. Während anfangs vor allem nur chemische und mineralogische Analysen im Vordergrund standen, nutzt die moderne Archäometrie ein Pottpüree an modernsten High-Tech-Verfahren aus der Physik, den Geowissenschaften und der Molekularbiologie, die sogar jeden erfahrenen FBI-Forensiker neidisch machen (und die mittlerweile tatsächlich häufig von der Kriminalforensik übernommen werden, wir noch sehen werden).

Auf der nächsten Seite: Was kann Archäometrie?

Die Anfänge

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Werkzeugkasten enorm erweitert

Bereits im 18. und 19. Jahrhundert nutzten Universalgelehrte vereinzelt chemische und mineralogische Methoden, um die Zusammensetzung antiker Münzen oder die Herkunft von Gesteinen zu bestimmen. Der Fokus lag zu dieser Zeit primär auf der bloßen Beschreibung der Materialkomponenten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Archäometrie einen rasanten Aufschwung. Durchbrüche wie die Entwicklung der Radiokohlenstoffdatierung (C14-Methode) in der Physik revolutionierten die Archäologie grundlegend, da Funde nun erstmals absolut datiert werden konnten.

Disziplinen wie die Archäometallurgie gewannen an Bedeutung. Sie untersuchten die Gewinnung und Verbreitung von Metallen, um die technologische Entwicklung der Menschheit (wie den Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit) zu rekonstruieren.

Erst in den letzten Jahrzehnten haben die Biowissenschaften das Feld im Sturm erobert. Mittels Paläogenetik (DNA-Analysen von Skelettresten) und der Analyse von organischen Rückständen in Keramiken (Lipidanalysen) lassen sich Migrationsbewegungen, Verwandtschaftsverhältnisse sowie Ernährungsgewohnheiten und die Anfänge der Landwirtschaft präzise rekonstruieren. Moderne Großgeräte wie Teilchenbeschleuniger oder mobile Röntgenfluoreszenzanalysatoren erlauben es heute, wertvolle Kulturgüter (wie die Himmelsscheibe von Nebra) minimal- oder gar zerstörungsfrei auf ihre atomare Zusammensetzung zu prüfen, um Herkunftsnachweise zu erbringen oder Fälschungen zu entlarven. Mittlerweile geht es sogar um die Erfassung ganzer Landschaften und Umweltbedingungen (Geoarchäologie) mittels Lumineszenzdatierungen oder lasergestützter Prospektion (LiDAR).

Die Werkzeuge der Archäometrie?

Die Isotopenanalyse ist eines der mächtigsten Werkzeuge in der modernen Archäometrie und Naturwissenschaft. Da Isotope (verschiedene Varianten desselben chemischen Elements mit unterschiedlicher Neutronenanzahl) wie ein chemischer Fingerabdruck in Gewebe, Knochen oder Gegenständen gespeichert sind, verraten sie uns unglaublich viel über das Leben und die Umwelt vergangener Epochen. Mit Isotopenuntersuchungen lassen sich im Wesentlichen vier große Bereiche erforschen:

  • Herkunft, Migration und Mobilität
    Eines der faszinierendsten Anwendungsgebiete ist die Frage, wo ein Mensch oder ein Tier aufgewachsen ist und ob er im Laufe seines Lebens umgezogen ist. Dabei sind Strontiumisotope sehr hilfreich: Strontium im Gestein wandert über den Boden in Pflanzen und Wasser und schließlich in unsere Nahrung und Zähne. Zahnschmelz wächst in der Kindheit und verändert sich danach lebenslang nicht mehr.

    Vergleicht man nun die Strontiumwerte im Zahnschmelz mit der lokalen Geologie am Fundort des Skeletts, zeigt sich sofort, ob die Person dort aufgewachsen oder zugewandert ist. Auch Sauerstoffisotope liefern interessante Hinweise: Diese hängen vom Trinkwasser ab, das man regional unterschiedlich zu sich nimmt (abhängig von Temperatur, Höhe und Entfernung zur Küste). Sie liefern weitere Hinweise auf Herkunft und Wanderungsbewegungen.

  • Ernährung und Lebensweise
    Anhand von Knochen und Zähnen lässt sich rekonstruieren, was Menschen vor Tausenden von Jahren gegessen haben. Kohlenstoffisotope unterscheiden zwischen verschiedenen Pflanzenarten (z. B. Weizen/Gerste vs. Hirse/Mais) oder ob sich jemand stark von Meeresfrüchten bzw. Landtieren ernährt hat. Stickstoffisotope zeigen an, auf welcher Stufe der Nahrungskette sich jemand befand. Ein hoher Wert deutet auf einen großen Anteil an Fleisch oder Fisch hin, während extrem niedrige Werte für eine rein vegetarische Ernährung sprechen.
  • Klima- und Umweltveränderungen
    Isotope stecken nicht nur in Knochen, sondern auch in Archiven der Natur wie Eiskernen, Tropfsteinen (Stalagmiten), Baumringen oder Muscheln. Über Sauerstoff- und Wasserstoffisotope lässt sich exakt rekonstruieren, wie warm oder kalt es zu einer bestimmten Zeit war, ob es viel oder wenig geregnet hat oder ob es Dürreperioden gab, die vielleicht ganze Kulturen zum Zusammenbruch oder zur Abwanderung zwangen.
  • Rohstoff- und Handelswege
    Auch bei unbelebten Objekten helfen Isotope weiter: Mit Hilfe von Blei- und Kupferisotopen kann man Metallobjekte (wie Bronzebeile oder Schmuck) direkt bestimmten historischen Bergwerken zuordnen. Das beweist, über welche Distanzen hinweg Rohstoffe in der Bronze- oder Eisenzeit gehandelt wurden.

Neben der Altersbestimmung, Materialanalysen, Prospektion und Isotopenuntersuchungen gibt es in der Archäometrie aber noch eine ganze Reihe weiterer hochspezialisierter Messmethoden. Sie machen sich physikalische, chemische und biologische Eigenschaften zunutze, um die Geheimnisse vergangener Kulturen zu entschlüsseln. Weitere wichtige Messmethoden im Überblick:

  • Archäomagnetismus (Paläomagnetismus)
    Das Magnetfeld der Erde verändert sich im Laufe der Jahrhunderte ständig in Richtung und Intensität. Bestimmte Materialien wie gebrannter Ton (Keramik, Ziegel, Öfen) oder Herdstellen enthalten eisenhaltige Minerale. Wenn Ton stark erhitzt wird und dann abkühlt, „frieren“ diese Minerale das zu diesem Zeitpunkt aktuelle Erdmagnetfeld dauerhaft ein. Durch den Vergleich mit einer bekannten Referenzkurve für das Erdmagnetfeld lässt sich exakt bestimmen, wann ein Ofen zuletzt befeuert oder eine Keramik gebrannt wurde.
  • Archäobotanik (DNA & Biomarker)
    Die Analyse alter Erbsubstanz aus Knochen, Zähnen oder sogar aus versteinertem Kot (Coprolithen) und Sedimenten erlaubt es, Verwandtschaftsverhältnisse, Seuchenerreger (z. B. Pestbakterien) oder die Genetik ausgestorbener Menschenformen (wie Neandertaler) zu erforschen. Mit Lipid- und Proteinanalysen (Proteomics) von organischen Rückstände wie Fette, Wachse oder Proteine, die in alten Gefäßen oder Zahnstein erhalten geblieben sind, lässt sich nachweisen, ob in einer Tonscherbe einst Milch, Bier, Wein oder Fleisch aufbewahrt wurde, selbst wenn das Gefäß äußerlich leer ist.
  • Spektroskopische Verfahren
    Licht oder Infrarotstrahlung wird auf eine Probe gerichtet, und die Art und Weise, wie die Probe das Licht reflektiert oder absorbiert, lieft ein einzigartiges Spektrum. Diese Methoden arbeiten extrem schnell und zerstörungsfrei. Sie werden genutzt, um die genaue Zusammensetzung von antiken Pigmenten (auf Wandmalereien oder Manuskripten), Klebstoffen (z. B. Teer oder Harz an steinzeitlichen Werkzeugen) oder Glasuren zu bestimmen.
  • Computertomographie (CT) und Röntgen
    Bekannt aus der Medizin, aber in der Archäometrie essenziell, um Objekte zerstörungsfrei ins Innerste zu blicken. So kann man mürbe Tongefäße durchleuchten, um zu sehen, ob sich darin unsichtbare Grabbeigaben befinden, Mumien untersuchen, ohne sie auszuwickeln, oder die Herstellungsweise von metallischen Artefakten (z.B. Schwertern mit verborgenen Mustern im Stahl) analysieren. Während die Archäologie früher vor allem auf das sichtbare Fundstück angewiesen war, blickt die moderne Archäometrie dank dieser Methoden buchstäblich in die Moleküle, das magnetische Gedächtnis von Ziegeln und die DNA vergangener Epochen.

Auf der nächsten Seite: Archäometrie klärt auch moderne Kriminalfälle!

Archäometrie und True Crime

Da es sich bei der Archäometrie, wie auch bei der Kriminalforensik, im Kern darum handelt, stumme Spuren und Materialien zum Sprechen zu bringen, nutzen Forensiker viele Methoden, die ursprünglich für die Archäometrie entwickelt wurden -oder umgekehrt Die Schnittmenge zwischen Archäometrie und moderner Kriminalforensik ist groß – in der Praxis spricht man bei der Anwendung archäologischer und naturwissenschaftlicher Methoden auf Kriminalfälle oft von Forensischer Archäologie oder Forensischer Anthropologie. Welche Methoden der Archäologie können der modernen Forensik zum Beispiel helfen?

  • Die C14-Datierung
    Der Fall: Spaziergänger finden im Wald menschliche Knochen. Handelt es sich um ein Opfer eines modernen Verbrechens oder um einen archäologischen Fund (etwas aus dem Mittelalter oder dem Weltkrieg)? Die Radiocarbonmethode (C14) bringt hier sofort Klarheit. Sie kann im Grenzbereich zwischen moderner Forensik und Archäometrie (insbesondere durch den sogenannten „Bomben-Peak-Effekt“ von Kernwaffentests im 20. Jahrhundert) sogar tages- oder jahresgenau bestimmen, ob ein Mensch vor 500 oder vor 20 Jahren gestorben ist.
  • Geophysikalische Prospektion
    Genau wie Archäologen antike Siedlungen oder Gräber im Boden aufspüren, ohne zu graben, nutzen Ermittler Georadar, Magnetometer oder elektrische Widerstandsmessungen, um etwa nach vergrabenen Leichen oder Beweisen zu suchen. Damit lassen sich frisch ausgehobene Erde, verborgene Hohlräume, illegale Mülldeponien oder versteckte Gräber aufspüren, selbst wenn die Oberfläche längst wieder zugewachsen ist.
  • Isotopenanalysen
    Und hier sind sie wieder – unsere Isotopenhelfer: Wenn eine unbekannte, skelettierte Leiche gefunden wird, stehen Ermittler vor einem Rätsel: Woher kam der Mensch? Mithilfe von Strontium- und Sauerstoffisotopen in Zähnen und Knochen können Forensiker – genau wie in der Archäometrie – rekonstruieren, in welcher Region (oder in welchem Land) die Person ihre Kindheit verbracht hat. Das grenzt den Suchkreis nach vermissten Personen drastisch ein.
  • Material- und Spurenanalyse
    Methoden wie die Röntgenfluoreszenz oder Spektroskopie, mit denen die Archäometrie antike Farben und Metalle untersucht, sind aus der Kriminaltechnik nicht wegzudenken, wenn es um die Entlarvung von Kunstfälschungen (wenn beispielsweise moderne Pigmente in einem angeblich barocken Gemälde auftauchen), oder um die genaue Herkunft von geschmuggeltem Elfenbein, Edelsteinen oder illegal gehandelten Antiquitäten zu bestimmen.

Der Hauptunterschied zwischen Archäometrie und Forensik liegt letztlich nur auf der Zeitleiste: Während die Archäometrie Jahrhunderte oder Jahrtausende zurückblickt, schaut die Forensik auf Jahre, Monate oder Tage – aber die Werkzeugkasten ist im Grunde derselbe!

Auf der nächsten Seite: Berühmte Kriminalfälle, die mit Hilfe der Archäometrie gelöst wurden.

Die Kombination aus archäometrischen Methoden und forensischer Wissenschaft hat schon eine Reihe spektakulärer und scheinbar unlösbarer Kriminalfälle aufgeklärt. Hier sind drei faszinierende Beispiele, bei denen moderne Naturwissenschaften und archäologische Techniken zur Mördersuche oder Identifizierung beitrugen:

Das Mädchen im Brunnen

In den USA (Wisconsin) wurde im Jahr 1980 das Skelett eines jungen Mädchens in einem Brunnen entdeckt. Jahrzehntelang wusste niemand, wer sie war oder woher sie kam. Die örtliche Polizei stand vor einer Wand. Jahre später nahmen Forensiker die Knochen und Zähne für eine Isotopenanalyse (Strontium und Sauerstoff) und eine Gesichtsrekonstruktion zur Hand.

Die Isotope im Zahnschmelz zeigten, dass sie keineswegs aus Wisconsin stammte, sondern ihre Kindheit in einer ganz bestimmten Region verbracht hatte – im pazifischen Nordwesten (heutiger Staat Washington/Kanada). Diese Spur grenzte die Vermisstenakten drastisch ein. Dank der Isotopenkarte und moderner DNA-Genealogie konnte das Mädchen schließlich identifiziert und der Täter (ihr Stiefvater) ermittelt werden.

Richard III. und die Forensik der Gebeine

Im Jahr 2012 gruben Archäologen auf einem Parkplatz in Leicester (England) die Überreste eines mittelalterlichen Königs aus: Richard III., der 1485 in der Schlacht von Bosworth gefallen war. Um sicherzugehen, dass es sich tatsächlich um den König handelte, setzten Wissenschaftler forensische und archäometrische Methoden ein:

Osteologie & CT-Scans Zeigten die massiven Verletzungen durch Schwerter und Hellebarden, die exakt zu den historischen Berichten über seinen Tod passten. Die C14-Datierung bestätigte, dass die Knochen exakt aus dem späten 15. Jahrhundert stammten. Isotopenanalysen (Kohlenstoff und Stickstoff) an den Zähnen zeigten, dass er sich in seinen letzten Lebensjahren extrem privilegiert ernährt hatte (viel Wild, Fisch und teurer Wein) – was zu einem König passte. Eine DNA-Analyse schließlich führte zum finalen Beweis durch den Abgleich mit lebenden Nachkommen.

Der mysteriöse „Klopapier-Mord“

Bei Bauarbeiten in Deutschland wurden menschliche Skelettreste in einer Baugrube oder abgelegenen Waldstücken gefunden. Bei solchen Funden stellt sich sofort die Frage: Ist das ein historisches Grab aus dem Zweiten Weltkrieg oder ein modernes Gewaltverbrechen?

Oft reicht schon ein Blick auf die Begleitumstände – oder eben die bewährte C14-Methode. Spannend wird es, wenn synthetische Materialien im Spiel sind. In einem realen Kriminalfall half die Untersuchung von winzigen Geweberesten und anhaftenden Materialien (wie speziellen Kunstfasern oder eben modernem Plastik/Toilettenpapier), den Zeitraum einzugrenzen.

Die sogenannte „Bomben-Peak-Kurve“ der C14-Datierung (verursacht durch oberirdische Atomwaffentests im Kalten Krieg ab den 1950er Jahren) sorgt dafür, dass organisches Material aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf das genaue Jahrzehnt oder sogar auf wenige Jahre genau datiert werden kann. So konnte in solchen Fällen blitzschnell entschieden werden, ob die Kriminalpolizei oder das Landesamt für Denkmalpflege ermitteln muss. Diese Fälle zeigen, dass Archäometer und Kriminalisten im Grunde dieselbe Sprache sprechen: Sie nutzen den physikalischen und chemischen Code der Natur, um die Wahrheit über die Vergangenheit ans Licht zu bringen.

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Ötzi – Links: Die Leiche, rechts: Rekonstruktion

 

Und damit kommen wir endlich zur Auflösung des Rätsels: woher weiß man heute, 5.300 Jahre später, welche Augenfarbe Ötzi hatte?

Dass die berühmte Gletschermumie braune bzw. dunkle Augen hatte, weiß man durch die Entschlüsselung seines Erbguts (DNA-Analyse). Seine genetische Veranlagung für dunkle Augen, dunkle Haare und dunkle Haut lässt sich heute dadurch erklären, dass Ötzi zu über 91 % von frühen Einwanderern aus Anatolien (der heutigen Türkei) abstammte, deren Gene sich in seiner isolierten Alpenregion über Generationen kaum mit europäischen Jägern und Sammlern vermischt hatten.

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Mike vom Mars Blog - mike-vom-mars.comAutor: Mike vom Mars
Mike emigrierte vor einigen Jahren von seinem Heimatplaneten auf die Erde, um das Leben am wohl seltsamsten Ort des Universums zu studieren. Seiner Bitte "bringt mich zu eurem Führer" wurde bisher nicht entsprochen.

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