In amerikanischen Filmen sind die Überlebenden einer Apokalypse vor allem mit einem beschäftigt: Sich gegenseitig über den Haufen zu knallen. Aber ist es wirklich sinnvoll, wenn die letzten Überlebenden einer Katastrophe sich gegenseitig Konkurrenz machen, anstatt zusammenzuarbeiten?
In der amerikanischen Zombie-Kultserie „The Walking Dead“ steht weniger der Kampf gegen Untote im Vordergrund, sondern vor allem der Kampf verschiedener Gruppen gegeneinander. Auch in der Serie bzw. der Computerspiel-Reihe „Fallout“ konkurrieren Mutanten und skrupellose Glücksritter mit allen Mitteln um Technologie, Wasser und Macht. Jeder ist sich hier selbst der Nächste. In der Serie „The 100“ zerfällt eine Gruppe Überlebender schnell in interne Machtkämpfe, und sie müssen feststellen, dass auf der Erde bereits andere Menschen (die sogenannten Grounders) überlebt haben. Es entbrennt ein konstanter, brutaler Konflikt um Territorien und das Überleben.
Erst schießen, dann fragen
Wer stark ist, nimmt sich, was er braucht.
In George Miller’s grandioser Filmreihe „Mad Max“ wird das Konkurrenzmodell radikal auf die Spitze getrieben. Motorisierte Banden, Warlords und brutale Plünderer terrorisieren die Überlebenden. Es gibt kein langes Verhandeln oder Aufbauen – wer stark ist, nimmt sich, was er braucht.
Der Film „The Book of Eli“ (2010) zeigt eine von Gewalt und Gesetzlosigkeit geprägte Welt, in der Banden brandschatzen und der skrupellose Despot Carnegie die absolute Macht über eine Wasserquelle und ein einziges verbliebenes Buch (die Bibel) an sich reißen will, um mit Religion (wieder) die Menschen zu kontrollieren. In Ridley Scott’s Film „Das Ender der Sterne“ (2026) werden fremde und Streuner bereits aus mehreren hundert Metern Entfernung von einem Scharfschützen in einem Wachturm erschossen, bevor sie überhaupt auch nur einen Fuß auf das Gelände setzen können.
Das in amerikanischen Filmen das Konkurrenz-Model so eine große Rolle spielt, und Kooperation zwischen Überlebenden eine eher untergeordnete, liegt nicht nur daran, das sich „jeder gegen jeden“ einfach dramatischer auf der Leinwand darstellen lässt – es ist eine grundlegende Mentalität im vom täglichen Überlebenskampf geprägten Amerika, das man sich am besten nimmt, was man braucht (bevor andere es einem wegnehmen) und die Beute dann auch mit allen Mitteln verteidigt.
Preppen ist den USA fast schon eine Religion. Und Schusswaffen gehören dazu, wie das Salz in die Suppe. Wer von klein auf den Umgang mit Sturmgewehren (nicht nur Jagdflinten) lernt, hat in Extremsituationen nach einer Apokalypse dann auch garantiert weniger Hemmungen, diese einzusetzen.
Zusätzlicher Esser oder Talent?
Wie geht man mit kranken und schwachen um?
In der europäischen Kultur zeigt sich dagegen ein gänzlich anderes Bild: hier steht nicht die Konkurrenz im Vordergrund, sondern die Kooperation. Mit seinen solidarischen Sozialhilfe-, Renten- und Krankenkassensystemen ist der Überlebenskampf des Einzelnen in Europa nicht davon abhängig, das man den anderen etwas wegnimmt. Hier tragen alle gemeinsam mit ihren Beiträgen zum Sozialstaat bei. Wer hier anderen dennoch etwas wegnimmt, um selbst besser dazustehen, tut dies nicht aus Zwang, sondern einfach nur, weil er einen scheiß Charakter hat.
Während in der US-Popkultur oft die Idee des bewaffneten Pioniers („Frontier-Mentalität“) im Vordergrund steht, prägen die europäische Kulturgeschichte eher Erfahrungen von auf engem Raum zusammenlebenden Gesellschaften und dem historisch über lange Zeit gewachsenen Bewusstsein, dass man Krisen nur gemeinsam bewältigen kann. Europäische Apokalypsen in Buch und Film fragen daher seltener: „Wie schieße ich mich frei?“, sondern eher: „Wie bleiben wir zusammen Mensch?“.
Was ist nun in extremen Situationen – ob Zombie-Apokalypse, globale Superpandemie oder der Angriff ressourcengieriger Aliens – die bessere Variante? Was ist erfolgreicher, Konkurrenz oder Kooperation? Ist es dann besser, jeden anderen Überlebenden erst einmal nur als „zusätzlichen Esser“ zu sehen, der Nahrung kostet, oder vielleicht als jemanden, der neues Wissen und Talente in die Gruppe einbringen kann? Und wie geht man dann mit kranken und schwachen um, die quasi nichts zur Gemeinschaft beitragen und nur Ressourcen verzehren?
Auf der nächsten Seite: Kooperation VS Konkurrenz.
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