Gesellschaftskritik

Die Korruption des Donald J. Trump (Teil 1)

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Die Korruption des amerikanischen Präsidenten Donald Trump übersteigt alles bisher Dagewesene. Es gibt in der Geschichte der US-Präsidenten Beispiele für Korruption, aber keines in dem Ausmaß der aktuellen Präsidentschaft. Die Regierung, das Weiße Haus, der Zugang zur Präsidentschaft, Aufträge für die Wirtschaft – all das steht zum Verkauf durch den korruptesten Präsidenten, den die USA je hatten.

Der 22. Mai 2025 war für Nikita Anufriev ein aufregender Tag. Der russische Krypto-Unternehmer war unterwegs zum Dinner mit US-Präsident Trump. An die Einladung in Trumps Golfklub außerhalb von Washington war Anufriev gekommen, weil er über eine Million Dollar in Donald Trumps Kryptowährung investiert hat.

Alles hat ein Preisschild

Das Weiße Haus weigerte sich, eine Liste der Gäste zu veröffentlichen.

Ende April hatte der US-Präsident auf seiner Plattform „Truth Social“ angekündigt, wer die meisten seiner digitalen Gedenkmünzen kauft, wird eingeladen. Der Kurs zog steil an. 220 Käufer gaben zwischen 53.500 und 16,4 Millionen Dollar aus, um dabei zu sein. Für den Krypto-Unternehmer Anufriev auf jeden Fall lohnend, wie er dem Wall Street Journal sagte. Networking auf allerhöchster Ebene.

Beim Abendessen im Golfklub waren die Digitalmünzenkäufer unter sich. Das Weiße Haus weigerte sich, eine Liste der Gäste zu veröffentlichen. Aber Posts auf Social Media und Datenanalysen geben Aufschluss über einige der Eingeladenen. Viele sind keine US-Bürger, wie Justin Sun, der bis zu Trumps Amtsantritt von den US-Behörden wegen Millionenbetrugs verfolgt wurde. Der chinesischstämmige Milliardär investierte 75 Millionen Dollar in ein Krypto-Unternehmen, an dem die Trump-Familie stark beteiligt ist und kaufte Trumps digitale Münzen für über 16 Millionen Dollar. Das Verfahren gegen ihn wurde ausgesetzt und beim Dinner war Justin Sun VIP Nummer 1.

Ausländische Machthaber können tatsächlich hunderte Millionen Dollar in Trumps Memecoin investieren. Eine vollkommen legale Art, ihn zu bestechen und sein Vermögen künstlich aufzublähen. Für Trump alles völlig legal. Die Möglichkeiten zur Korruption übersteigen alles bisher Dagewesene. Es gibt in der Geschichte der US-Präsidenten Beispiele für Korruption, aber keines in dem Ausmaß der aktuellen Präsidentschaft.

Das Memecoin-Dinner war nur eine Möglichkeit, sich Zugang zum US-Präsidenten zu erkaufen. 5 Millionen Dollar kostet ein Einzeltermin mit Donald Trump in seiner Residenz in Mar-a-Lago in Florida. Geschäftsessen zu mehreren? Pro Person eine Million, berichteten Teilnehmer US-Medien. Elizabeth Fago, eine langjährige Spenderin der Republikanischen Partei, nutzte diese Option zum Beispiel, um für ihren Sohn vorzusprechen, der wegen Lohnsteuerbetrugs in Höhe von 4,4 Millionen Dollar im Gefängnis saß. Drei Wochen später begnadigte der US-Präsident den Mann.

Wer nicht zahlt, bekommt nichts

Alles steht zum Verkauf.

Es geht um Geld für Zugang. Der Präsident spricht mit dir, wenn du ihm eine Million Dollar zahlst. Tuest du es nicht, bekommst du nichts. Ohne Garantie, dass man durch die Zahlung bekommt, was man will. Aber wenn man nicht zahlt, bekommt man definitiv nichts.

In Donald Trumps zweiter Amtszeit verschwimmen auch die Grenzen zwischen Regierungsamt und privaten Geschäftsinteressen so massiv, dass sie historische Vergleichsmaßstäbe sprengen. Die digitale Gedenkmütze ist nur eines von vielen Produkten, an denen der 47. Präsident der USA und seine Familie verdienen. Von der pinkfarbenen MAGA-Kappe für knapp 50 Dollar bis zu 100 Milliliter Eau de Cologne der Marke „Fight Fight Fight“ in der Limited Edition für schlappe 425 Dollar. Die Trump-Organisation verkauft „Trump: Das Spiel“ und sie verdient auch an den zahlreichen Aufenthalten des Präsidenten auf seinen Golfplätzen und Resorts. Der Geheimdienst muss für die Unterbringung dort bezahlen, viele von Trumps Gesprächspartnern ebenso. So wandert am Ende alles in Trump’s eigene Tasche.

Aus dem Kryptowährungsunternehmen World Liberty Financial (WLF) erhält die Trumpfamilie nach Berechnung der Online-Plattform Bitcoin News 75 Prozent der Erlöse – im letzten Jahr Einnahmen von 413 Millionen Dollar! Die Trumpfamilie wird diesmal deutlich mehr Geld verdienen als während seiner ersten Amtszeit.

Es gibt keinen Zweifel mehr: die Regierung, das Weiße Haus, der Zugang zur Präsidentschaft – all das steht zum Verkauf. Im amerikanischen Rechtssystem gibt es keine Gesetze, die dem Präsidenten explizit verbieten würden, sich im Amt zu bereichern. Es sind nur Normen, aber keine rechtlichen Verpflichtungen. Bisher hat man sich darauf verlassen, dass diese Normen über den politischen Prozess durchgesetzt werden, den Kongress, durch Teile der Partei des Präsidenten,
durch die Bundesstaaten oder durch andere Gruppen, die Widerstand leisten.

Gaslighting Meisterklasse

Er macht sich gar nicht erst die Mühe, es zu vertuschen.

Fragen nach Interessenskonflikten des US-Präsidenten wegen seiner Geschäfte weist das Weiße Haus kategorisch zurück. Seine ehemalige Sprecherin Caroline Levitt: „Der Präsident hält sich an alle Gesetze zu Interessenskonflikten in seinem Amt. Ich halte es für absurd, dass irgendjemand andeutet, dieser Präsident würde aus seinem Amt Profit schlagen. Dieser Präsident war bereits unglaublich erfolgreich, bevor er alles aufgegeben hat, um unserem Land im Amt zu dienen. Er hat nicht nur Vermögen verloren, sondern beinahe auch sein Leben. Er hat viel geopfert, um hier zu sein. Etwas anderes zu behaupten ist ehrlich gesagt völlig absurd.“ Das ist Gaslighting Meisterklasse.

Nach seiner Amtseinführung wurde Donald Trump gefragt, ob er als Präsident weiter Produkte verkaufen werde, von denen er selbst profitiere. Er „wisse nicht, ob er von Geschäften profitiert habe“, reagierte Trump. Konfrontiert mit der Summe von mehreren Milliarden Dollar, sagte er, „das seien doch Peanuts für die Leute hier“. Er meinte damit, die Minister, die neben ihm im Oval Office standen. Mehrere von ihnen sind Milliardäre.

Was wir jetzt an Korruption unter Trump sehen, hätte jede frühere US-Regierung – ob republikanisch oder demokratisch – zu Fall gebracht. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich das Empfinden in dieser Frage so stark verändert hat. Zum Vergleich: der frühere Präsident Gerald Ford wurde in den 70ern heftig kritisiert, weil er nach seiner Amtszeit Vortragshonorare verlangte. Damals ging es um ein paar Hundert Dollar! Anders als manche seiner Vorgänger gibt sich der 47. US-Präsident gar nicht erst die Mühe, sein Amt zu seiner Verteidigung zu nutzen. Und das Justizministerium muss Trump nicht fürchten. Die inzwischen ehemalige Ministerin Bondi ist eine treue Gefolgsfrau. Im Juli hat sie nach vielen anderen auch den obersten Ethikjuristen im Justizministerium entlassen.

Willkommen in Russland 2.0

Verhältnisse wie in einer Oligarchie.

Der frühere FBI-Chef James Comey erklärt Trumps Strategie: „Das Problem mit Donald Trump ist, dass er praktisch Banken ohne Maske ausraubt. Er macht es am helligsten Tag, damit er sagen kann, ich bin kein Bankräuber. Klar habe ich eine Waffe. Aber wer würde sowas mitten am Tag und ohne Maske tun? Und all das wird nicht untersucht.“

Beispiele dafür gibt es viele. Vor seinem Amtsantritt forderte Donald Trump Öl- und Gasproduzenten auf, kräftig in seine Wahlkampfkasse einzuzahlen und versprach im Gegenzug fossile Energien wie kein zweiter zu fördern. Beides geschah so. Amerikas Tech-Milliardäre spendierten Millionen für Trumps Amtseinführung und wurden prompt in der zweiten Reihe platziert. Amazon finanzierte außerdem einen Film über Melania Trump mit 40 Millionen Dollar, Meta zahlte 25 Millionen Dollar für die Beilegung einer Privatklage des Präsidenten. Als sich Tech-Unternehmer Elon Musk noch prächtig mit Donald Trump verstand, wurden ihm nach seiner Wahlkampfspritze von 300 Millionen Dollar neue staatliche Milliardenaufträge für sein Unternehmen SpaceX zugesagt. Eine Klage des US-Justizministeriums wurde fallen gelassen. Als die Tesla-Verkaufszahlen und der Kurs der Aktie fielen, orderte das US-Außenministerium für 400 Millionen „Musks-E“-Autos, und der US-Präsident veranstaltete vor Fernsehkameras eine Tesla-Verkaufsshow auf dem Rasen des Weißen Hauses. Im gemeinsamen Interview im Sender Fox erklärte der Multimilliardär, er habe den US-Präsidenten „nie um etwas gebeten“. Trump bestätigte, „es gäbe hier keinen Interessenskonflikt“.

Verhältnisse wie in einer Oligarchie sieht die Russland-Kennerin Ann Applebaum in Trumps zweiter Amtszeit: „Elon Musk ist dafür verantwortlich, dass Leute in den Regierungsbehörden entlassen wurden, die vorher zuständig waren für die Regulierung seiner Unternehmen. Und er war gleichzeitig in Behörden präsent, die seine Unternehmen subventionieren oder Produkte von ihnen kaufen können. Das ist eine Form von Oligarchie, wie man sie in autoritären Staaten sieht. Eine Oligarchie russischen Stils.“

Wie im Inland nutzt Donald Trump das Präsidentenamt auch für seine Geschäftsinteressen im Ausland entgegen öffentlicher Versprechen. Kurz vor Beginn seiner zweiten Amtszeit verfügte er noch, dass seine Trump-Organisation keine Geschäfte mit ausländischen Regierungen abschließen dürfe. Wenige Wochen später schloss das Unternehmen mit dem Katharischen Staatsfonds und einem saudischen Unternehmen mit engsten Beziehungen zur Herrscherfamilie eine 5,5 Millionen Dollar-Vereinbarung über den Bau eines Trump-Golf-Clubs in der Region.

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