Gesellschaftskritik

Bist du ein Handy Hochkantfilmer?

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Hochkant ist pfui.

Chantalle F. (13) aus G. am M. ist am Boden zerstört. Unter grossen Anstrengungen ist es ihr gerade noch gelungen, Karten für das grosse Lady Gaga Konzert zu ergattern. Während der Show filmt sie fleissig mit. Doch nachdem sie das Video auf YouTube geladen hat, zeigen sich auf einmal dicke, schwarze Trauerbalken links und rechts. Was ist passiert? Hat YouTube ihr Video gewreckt?

Nein Chantalle, das hätte nicht sein müssen. Wahrscheinlich hast du deine aufgenommenen Videos bisher nur auf deinem Handy angeschaut. Doch sobald man diese von dort in die „echte Welt“ lädt, zeigt sich eine simple Tatsache, die nicht wenige auch heute noch, Jahre nach dem Einzug der Kamerahandy’s, einfach nicht ins Hirn bekommen wollen:

Bildschirme stehen nicht hochkant!

Dein Fernseher zuhause steht nicht hochkant. Und die Leinwand im Kino ist auch nicht hochkant. Seltsam, nicht wahr? Und warum ist das so? Ganz einfach: weil unsere Augen nebeneinander im Gesicht sitzen. Nicht übereinander. Wir Menschen sind es gewohnt, in die Breite zu gucken, nicht in die Höhe. Und genau deshalb wurden sowohl die Kinoleinwand, als auch der Fernseher in den letzten Jahrzehnten immer breiter. Weil es unseren natürlichen Sehgewohnheiten näher kommt. Hättest du Lust, dir Titanic oder Avatar in hochkant anzusehen? Nein, sicher nicht. Du würdest dein Geld zurück verlangen. Aber uns deine Schlüsselloch-Videos vorzusetzen erzeugt bei dir kein schlechtes Gewissen?

Und was passiert nun, wenn man ein Hochkantvideo auf einem waagrechten Bildschirm darstellt? Denk nach Chantalle, denk nach. Richtig! Da oben auch immer oben bleiben soll, wird das Video nicht automatisch gedreht oder so -nein, es wird einfach mittig dargestellt. Und durch die nun sichtbaren schwarzen Ränder links und rechts erkennst du schön, wie viel wertvollen Platz du beim Filmen verschwendet hast. Das, was nun schwarz ist, hätte voll mit schönen Bildinhalten und Erinnerungen sein können -wenn du das Handy nur richtig herum gehalten hättest. Stattdessen hast du nun ein mickriges Drittel Bildinhalt und zwei Drittel schönstes Schwarz.

Sie sind überall!

Einige Dinge in dieser Welt lassen einen schon am Mindestverstand des Menschen zweifeln. Würden diese geistigen Vollpfosten auch einen Camcorder um 90 Grad drehen, wenn sie Videos machen? Wohl kaum. Würden sie ihren Fernseher zuhause auf Hochkant kippen? Auch nicht. Aber warum machen sie das dann mit ihrem Handy? Eines der grossen Rätsel dieser Welt, dem sich William Shatner wohl gerne annehmen würde.

Ihr glaubt, das nur noch einige wenige wirklich so dumm wären, ihr Handy beim Filmen hochkant zu halten? Weit gefehlt! Die täglichen Pannenvideo-Shows im TV beweisen es. Fast jedes Video, das dort gezeigt wird, wurde hochkant gefilmt! Die Produzenten solcher Shows müssen schier wahnsinnig werden, denn immerhin muss für jedes dieser Pfuschvideos mit zusätzlichem Aufwand ein verschwommener Rand links und rechts eingeblendet werden, damit die Leute zuhause nicht denken, ihr Fernseher hätte eine Macke. Normalerweise würde solches Material rigoros abgelehnt. Das dem aber nicht so ist, liegt schlicht und einfach daran, das es zu viele davon gibt (bzw. immer noch zu wenige, die richtig herum gefilmt wurden). Würde man konsequent jedes Hochkantvideo abweisen, könnten Shows wie Science of Stupid komplett einpacken. Es gäbe schlicht kein Material mehr zu zeigen!

Filmen ist nicht Fotografieren

Während es beim Knipsen von Fotos durchaus erlaubt ist, das Handy auch mal hochkant zu halten, ist genau das beim Filmen von Videos eine Todsünde. Ein absolutes No-Go -denn niemand möchte sich gerne einen Schmalstreifenfilm ansehen. Das wir es gewohnt sind, in die Breite zu sehen, macht sich vor allem bei bewegten Bildern bemerkbar. Ein Kameraschwenk mit dem hochkant gehaltenen Handy erzeugt beim Betrachter im besten Fall das Gefühl, durch ein Schlüsselloch zu schielen, im schlimmsten Fall sogar Schwindel und Übelkeit. Das Gehirn versucht unwillkürlich, die Welt „ausserhalb“ des engen Bildausschnitts zu erfassen; es fällt schwer, sich auf den eigentlichen Bildinhalt zu konzentrieren.

Was tut man gegen Technikidioten?

Wie können wir diese Technikdinosaurier und geistigen Vollbremser langsam und behutsam daran gewöhnen, ihr Telefon beim Filmen richtig herum zu halten, damit wir als Zuschauer nicht das klaustrophobische Gefühl ertragen müssen, das sich unweigerlich einstellt, wenn man gezwungen wird, durch ein enges Schlüsselloch zu gucken?

Nun, eine Möglichkeit wäre (und ich bin wirklich immer nahe dran, es zu tun) mit dem Finger auf diese Person zu zeigen und lauthals zu lachen. Schliesslich ist es ja so, als sähe man einen Neandertaler am Schaltpult eines Atomkraftwerks (was wiederrum nicht zum lachen wäre). Noch skurriler wird es, wenn Gaffer einen Unfall filmen, um die Dämlichkeit des Opfers auf Youtube preiszugeben, sich dabei selbst aber nicht unbedingt als intelligent outen, weil sie zu blöd sind, eine Kamera richtig herum zu halten.

Oder vielleicht indem man ihnen behutsam wie einem Kind erklärt, das filmen und telefonieren nicht das selbe sind? Peinlich ist es ja schon, sich heutzutage als technischer Einfaltspinsel zu erkennen zu geben.

Eine effiziente Möglichkeit wäre aber sicher, Apps auf den Markt zu bringen, die konsequent das Filmen von Videos verweigern, wenn das Handy falsch herum gehalten wird -oder zumindest eine „freundliche“ Warnung einblenden. Auch einige YouTube User haben sich der Thematik angenommen und recht lustige Videos produziert, um diese ewiggestrigen Technik-DAUs endlich aufzuwecken.

Diese seht ihr auf der folgenden Seite…

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Redaktionswertung: 4.5 / 5





Ein Kommentar

  1. […] ich werde im Verlauf der Reise nicht ständig zu den «Hochkantfilmern» gehören. Es wird später erheblich besser. Versprochen. Leider hatte ich bis dato mit […]

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