Gesellschaftskritik

Monokultur: Die Wüste vor deiner Haustür!

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Das lang ersehnte Haus im Grünen – wie herrlich der Blick des Eigenheimbesitzers aus dem Fenster. Tatsächlich aber blicken die meisten auf eine ökologische Wüste, in der nur noch 20 Prozent der vorher heimischen Insekten-, Tier- und Pflanzenarten leben. Und: an dieser Wüste tragen sie Mitschuld!

Das weltweite Insektensterben

Manche sind wunderschön bunt und filigran, andere kommen dunkel und bedrohlich daher – die Vielfalt der Insekten scheint unendlich. Sie fliegen, krabbeln, schwirren auf allen Kontinenten dieser Welt umher. Würden wir sie zählen, kämen auf jeden Menschen rund 1.4 Mrd. Insekten.

Zuhause sind die fast 5 Millionen Insektenarten in fast jedem Ökosystem. Trotzdem sind sie massiv bedroht. So sind etwa bei der Hälfte der Wildbienen-Arten in Deutschland die Populationen rückgängig.

Für das weltweite Sterben von Insekten machen die Experten vor allem die Veränderung des Lebensraums, etwa durch intensive Landwirtschaft, verantwortlich. Ausserdem machen Umweltbelastungen durch Pestizide oder die Klimaerwärmung den Insekten das Überleben schwer.

Lange fand das Insektensterben kaum Beachtung – dabei halten die Sechsbeiner die ökologischen Systeme am Laufen. So drohe etwa beim Wegfall der Bestäubung durch Insekten einigen Obst- und Gemüsesorten ein Ernterückgang von bis zu 90 Prozent.

Ausserdem sind sie natürliche Schädlingsbekämpfer. Marienkäfer etwa fressen gerne Blattläuse und können so den Befall einer Nutzpflanze stark reduzieren. Dies sind nur Beispiele – sie zeigen aber, das der Schutz der Insekten und ihrer Lebensräume mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen braucht.

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Gründe für das Insektensterben

Lebensräume schaffen

Das Biotop der Heinz Sielmann Stiftung am Bodensee. Vor rund 15 Jahren war hier ein Maisacker – von Artenvielfalt keine Spur. 80 Prozent der Insekten und Vögel waren verschwunden. Heute ist hier ein Biotop. Das Herzstück: der Heinz-Sielmann-Weiher mit seinen drei Inseln.

Wie wertvoll die Schaffung des Biotops war, zeigt allein schon die Vielfalt an Vögeln. Waren hier früher nur 114 Vogelarten anzutreffen, sind es heute wieder knapp 200, darunter 14 neue Brutvogelarten, wie beispielsweise die Graugans. Früher, zu Zeiten der Monokultivierung, gab es diese hier nicht.

Auch die Amphibien kamen wieder: die Erdkröte, der Grasfrosch, der Laubfrosch mit über 200 Exemplaren. Das sind grandiose Erfolge – ein kostbarer Lebensraum ist entstanden. Neben vielen Tierarten profitieren auch zahlreiche Pflanzen: wo früher nicht eine einzige Blume anzutreffen war, blüht es nun in allen Farben.

Das nächste Biotop ist nur zwei Kilometer entfernt. Das ist wichtig, damit sog. „Offenlandbewohner“, Insektenfresser und Zugvögel von einem Biotop in das nächste wechseln können.

Biotope müssen vernetzt sein

Vielen Arten gelingt nicht mal mehr die Durchwanderung.

Eigentlich müsste das Artensterben der Vögel und Insekten einen Aufschrei in Bevölkerung erzeugen – doch die Meinung vieler Politiker und Wirtschaftsbosse ist: „Wildtiere sind entbehrlich“. Auch das Schaffen einzelner „Alibi“-Biotope reicht nicht aus, um die Artenvielfalt wieder herzustellen – denn alle Schutzgebiete müssen miteinander vernetzt sein, dürfen nicht zu weit auseinander liegen, oder durch Baugrundstücke und Autobahnen voneinander abgeschnitten sein.

Noch 1930 war der Grossteil der deutschen Landschaftsfläche für die meisten Tier- und Pflanzenarten durchgängig. Damals konnten sich Populationen also problemlos von einem Gebiet auf das nächste ausbreiten. Heute sieht das vollkommen anders aus: nur noch wenige kleine Inseln existieren, die vielen Arten Lebensraum bieten können, dazwischen: wachsende Städte, Gewerbegebiete, Strassen, Siedlungen und immer wieder mit Pestiziden verseuchte Monokulturen – tote Landschaften, in denen quasi nichts mehr lebt, ausser dem, was dem Menschen nützlich ist und Gewinn bringt. In diesen vom Mensch geschaffenen ökologischen Wüsten gilt alles andere als „Unkraut“ oder „Schädling“.

Die Lebensbedingungen sind hier so feindlich, das vielen Arten nicht einmal die Durchwanderung dieser Gebiete gelingt – von einer Ansiedlung also ganz zu schweigen.

Auf der nächsten Seite: Die ökologische Wüste liegt direkt vor unserer Haustür!

Ökologische Wüsten vor unserer Haustür

Der Flächenverbrauch in Deutschland ist eine der grössten ökologischen Katastrophen.

Was für den Laien wunderbar grün aussieht, ist in den meisten Fällen tatsächlich nur noch eine ökologische Wüste. In den Pestizidgetränkten Monokulturen lebt keine Feldlerche mehr, kein Rebhuhn, kein Hamster. Und: in diesen ganzen Flächen steht meist nicht einmal mehr eine einzige Wildblume. Wie auch, wenn jede Wiese vier bis fünf mal im Jahr gemäht wird, damit es hübsch aussieht?

Ein weiteres Problem: unser wahnsinniger Flächenverbrauch. Siedlungs- und Gewerbegebiete dringen immer weiter in die Natur vor – obwohl (oder weil) der Platz in Deutschland, dem am dichtesten besiedelten Land Europas, schon jetzt knapp ist. Jeder LKW-Parkplatz, jede Siedlung, jedes hübsche Einfamilienhaus im Grünen zerstört unwiderruflich wertvolle Naturlandschaft.

Der Flächenverbrauch in Deutschland ist eine der grössten ökologischen Katastrophen. Täglich werden in Deutschland rund 58 Hektar als Siedlungsflächen und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Dies entspricht einem Flächenverbrauch von circa 82 Fußballfeldern. Jeden Tag!

Zwar lässt sich „Fläche“ im engeren Wortsinn nicht „verbrauchen“. Fläche ist jedoch – wie auch der Boden – eine endliche Ressource, mit der der Mensch sparsam umgehen muss, um sich seine Lebensgrundlagen zu erhalten.

Allein die Fläche der deutschen Autobahnen verschlingt bis heute bundesweit eine Fläche, die dreimal so groß ist, wie der gesamte Schwarzwald! Die beliebten Verkehrskreisel etwa sind tödliche Fallen für Tiere. Feldmaus, Spitzmaus oder Maulwurf haben keinerlei Chance, diese zu überwinden. Versuchen sie es doch, ist es ihr sicherer Tod.

Was lässt sich tun?

Von der Natur ist bald nichts mehr übrig.

Notwendig ist zum einen, den Flächenverbrauch endlich zu reduzieren. Zum anderen müssen bestehende Siedlungsflächen und Verkehrsflächen auch besser genutzt werden. Hierzu sind viele Maßnahmen denkbar. Zum Beispiel: Eine nachhaltige Siedlungsentwicklung, die dem Prinzip „Innen vor Außen“ folgt.

Statt des Neubaus auf der „grünen Wiese“ suchen Kommunen ihren Außenbereich zu schonen, indem sie auf verträgliche Art und Weise ihre Möglichkeiten zur Innenentwicklung (Brachflächen, Baulücken, Leerstände) ausschöpfen. Möglichst gleichzeitig kann dabei auch für ein verbessertes Stadtklima gesorgt werden.

Instrumente, die dem Flächenschutz zuwiderlaufen, müssen wir komplett überdenken. Dies gilt selbst dann, wenn sie in der Bevölkerung äußerst populär sind wie die – inzwischen eingestellte – Eigenheimförderung oder auch die Pendlerpauschale.

Muss es wirklich immer gleich ein eigenes „Haus im Grünen“ sein? Auch dann, wenn von dieser Natur bald nichts mehr übrig ist und wir sie auf Kosten unserer Nachfahren wortwörtlich zubauen? Wir müssen endlich verstehen, wie unendlich wertvoll jeder unberührte Quadratmeter in diesem Land ist, in dem längst der Platz knapp geworden ist. Und das gilt für JEDEN von uns. Hier gilt: je WENIGER wir wollen, desto MEHR werden wir letztendlich wieder haben. Aber für diese Art von langfristigem Denken braucht es nicht nur Intelligenz, sondern auch Genügsamkeit.

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Quellen: BUND, BMU.de, Heinrich Böll Stiftung, Heinz Sielmann Stiftung, Nano

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