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(German) Was taugen Videobrillen?

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Videobrillen sind gerade der “heiße Scheiß”, versprechen sie doch unglaublich immersive Kinoerfahrung auf riesigen, virtuellen Bildschirmen – ohne das Gewicht eines VR-Headsets. Höchste Zeit also für einen Vergleich – was taugt mehr zum Filmegucken: Videobrille oder VR-Headset?

Ich schaue gerne Filme mit der Quest 3 – natürlich im Liegen, mit Blick auf die Decke, ganz so, wie Gott das gewollt hat. Da aber in letzter Zeit immer mehr Videobrillen auf den Markt kommen, wollte ich doch mal sehen, ob man auch mit diesen ein ebenso immersives Filmerlebnis hat, wie mit dem “Volks-Headset” Quest 3. Immerhin: Videobrillen sind deutlich leichter, als ein VR Headset – und auch weniger auffällig, wenn man mal unterwegs Filme gucken möchte, zum Beispiel in der Bahn oder im Flugzeug. Was kann also schiefgehen? Leider fast alles, wie ich feststellen musste.

Da ich ja, wie gesagt, aus der VR-Welt komme, vergleiche ich das Filmerlebnis mit der Viture Pro 2 Videobrille mit dem Filmegucken auf der Quest 3, was viele sicher interessieren dürfte, da letztere ja mittlerweile in vielen Haushalten so häufig zu finden ist, wie Staubsaugerroboter oder 3D-Drucker.

Vergleich Viture Pro 2 VS Meta Quest 3

 

Dioptrien-Ausgleich

Einmal scharf, bitte!

Die Viture Pro 2 hat eine eingebaute Dioptrien-Korrektur. Man muss also nicht, wie bei anderen Brillen, teure Dioptrien-Adapter anfertigen lassen. Da Videobrillen in dieser Klasse eh schon so viel kosten, wie eine Quest 3, will man nicht auch noch 60 Euro oder mehr zusätzlich dafür ausgeben, das man beim Filmegucken nicht Scarlett Johansson’s Hintern mit dem Gesicht von Ron Perlman verwechselt. Das muss unbedingt bedacht werden: wer kurz- oder weitsichtig ist, wird ohne Dioptrienausgleich keine Freude an einer Videobrille, aber auch nicht an einem VR-Headset haben. Er wird das Bild einfach nie wirklich scharf sehen. Dioptrien-Adapter für die Quest 3 gibt es erfreulicherweise bereits für knapp über 14 Euro bei AliExpress & Co, wogegen Sichthilfen für Videobrillen deutlich teurer sind.

In der Quest 3 kann man zwar eine Brille unter dem Headset tragen, aber das stelle ich mir sehr unbequem vor. Da Dioptrien-Einsätze hier nicht viel kosten, würde ich auf jeden Fall diese empfehlen. Für Videobrillen ist die Sache leider, mit Ausnahme der Viture Pro 2, nicht so einfach – hier muss ein spezielles Frame mit angepassten Gläsern her, das, wie gesagt, deutlich teurer ist. Normale Brillen lassen sich i.d.R. nicht unter einer Videobrille tragen.

Kurzsichtige benötigen für die Viture Pro 2 keine Dioptrien-Adapter, da sich hier der Dioptrien-Ausgleich über ein Drehrad von 0 bis -0.5 Dioptrien einstellen lässt. Gott liebt eben Kurzsichtige.

Zur Erinnerung

Mittlerweile leiden weit über 70% aller Deutschen an einer Fehlsichtigkeit (Kurz-, Weitsichtig, Hornhautverkrümmung usw.) Aber wenn man sie danach fragt, und sie nicht gerade eine Brille tragen, heißt es immer “Also, ich sehe gut, alles Tippi-Toppi!” *. Ich kann jedem nur raten, regelmäßig einen Sehtest zu machen – denn oft merkt man selbst gar nicht, das man gar nicht mehr in 4K, sondern nur noch in 720p sieht. Wie? Du glaubst, perfekte Sicht ist nicht wichtig? Dann warte, bis der Russe kommt…

* Tippi-Toppi ist das neue Krissi-Krassi

 

Die Bildgröße

Wie klein darf’s denn sein?

Das Positive vorweg: das Bild der Viture Pro 2 ist tatsächlich super scharf, die Farben satt.

Leider war es das auch schon mit den Vorzügen – denn alles andere ist leider eher ein Reinfall. Fangen wir wieder beim Bild an: Es ist vor allem deshalb so scharf, weil es klein ist. Für Quest 3 Nutzer ist die Bildgröße der Viture Pro 2 schon fast “winzig” zu nennen. Es ist in etwa so groß, wie ein 24-Zoll Monitor aus einem halben Meter Entfernung. Hier kommt noch nicht mal Fernsehstimmung auf, von Kinofeeling ganz zu schweigen. Das kleine Bild liegt vor allem an der Nasenklammer, die dafür sorgt, das die Brille VIEL zu weit von den Augen entfernt sitzt – zumindest bei mir.

Es sind zwar mehrere Nasenklammern in verschiedener Größe enthalten, doch bei mir passte KEINE davon. Deshalb habe ich sie ganz weggelassen – und sie da, das Bild ist ohne schon deutlich größer, da die Brille so näher an den Augen sitzt. Dennoch wird das Bild aber niemals größer, als etwa ein 32-Zoll Monitor, von dem man ca. einen halben Meter entfernt sitzt. Gegen die riesige Leinwand einer Quest 3, die man in einer Videoplayer App wie Skybox VR auf der Quest 3 ja quasi beliebig groß ziehen kann, kommt das nicht mal entfernt an. Auch die gewölbte Leinwand oder die Kinosäle in Skybox VR vermisst man bei der Videobrille schmerzhaft.

Passt leider nicht, wie angegossen

Wo drückt es denn?

Ohne Nasenklammer ist die Brille nicht sehr bequem – schon nach kurzer Zeit hat man zwei rote Abdrücke auf dem Nasenrücken – und die Brille sitzt dann auch so nah den Augen, das die Wimpern beim Blinzeln wortwörtlich an den Bildschirmen kratzen. Nur dann ist das Bild gerade so annehmbar (wenn auch nicht beeindruckend) groß – aber dann stört wiederum, das das Bild entweder oben oder unten ständig vom Rahmen der Brille abgeschnitten wird. Also wie man es dreht und wendet – es passt einfach nicht.

Die Bügel sind leider kein Highlight – denn meine Ohren sitzen anscheinend 2cm tiefer, als die normaler Menschen. So habe ich es trotz verstellbarer Bügel niemals hinbekommen, das die Brille einfach nur perfekt saß – den ganzen Film über ist man so ständig damit beschäftigt, die Brille hin- und her zu rücken. Mal ist das Bild unten abgeschnitten, dann wieder oben usw. Das ist grausamer, als sich einen Zigarettenstummel auf der Kniescheibe auszudrücken.

Voller Durchblick

Willkommen im Nichts.

Und dazu kommt bei der Videobrille dann noch der störende Lichteinfall, den ich als Quest-Nutzer gar nicht bedacht habe. Beim Filmegucken mit der Quest ist alles schön dunkel, das Headset saugt sich quasi auf dem Gesicht fest, so das im Idealfall nirgendwo Licht einfällt. In der Quest schwebt also eine riesige, stufenlos vergrößerbare, gewölbte Leinwand vor einem – entweder mitten in einem schwarzen Nichts, oder in einem virtuellen Kinosaal, der einem echten täuschend echt nachempfunden ist und in dem man die freie Sitzwahl hat.

Bei der Viture aber sieht man die ganze Zeit die Umgebung – also das schnöde Wohnzimmer oder die Schlafzimmerdecke, zusammen mit der Mücke, die man dort vor kurzem zerdrückt hat und wo deshalb immer noch ein kleiner, roter Blutfleck an das Mücktown-Massaker erinnert. In einem Zug voller Pendler oder FC-Bayern Fans dürfte der Ausblick um das Videobild herum dann noch mal schlimmer sein.

Das man ständig die Umgebung sehe kann, mag für den einen oder anderen nützlich sein – für mich ist es ein No-Go, da so das immersive Filmerlebnis komplett verloren geht. Wie stark dieser Effekt ist, hatte ich vorher gar nicht bedacht. Bei der Quest kann man die Durchsicht jederzeit ein- oder ausschalten. Die Filmleinwand schwebt dann entweder mitten im Wohnzimmer oder eben im schwarzen Nichts (oder man sitzt, wie gesagt, in einem großen Kinosaal). Und notfalls kann man bei der Quest 3 einfach zweimal an das Gehäuse klopfen, und so die Kamera-Durchsicht ein- und wieder ausschalten, wenn man eben mal nach der Energy DrinkDose greifen möchte.

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