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Kann man mit Statistik lügen?

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Trick #8: Fiese Fragen

„Sind Sie auch für Umweltschutz und gegen Atomstrom?“ Viele der Befragten werden bejahen, weil Sie sich ungern als Umweltsünder outen möchten. Im gleichen Zuge wandern sie jedoch in die Schublade der Atomkraft-Gegner. Mit hinterlistigen Fragen kann umfangreich manipuliert werden.

Das Problem ist hierbei, dass die Originalfragen in den veröffentlichten Statistiken häufig nicht mehr erwähnt werden! Dann kann beispielsweise die Schlagzeile lauten: „88 Prozent der Deutschen sagen Nein zu Rindfleisch.“ Ein Schock für alle Viehbauern. Wer vermutet dahinter die Frage: „Können Sie sich vorstellen, aufgrund der zahlreichen Fleischskandale, der Gefährdung durch BSE und dem vermehrten Auftreten von Fleischparasiten wie Fadenwürmern in Zukunft häufiger auf Rindfleisch zu verzichten?“.

Trick #9: Relativ und absolut

Ein Dauerbrenner bei hysterischen Fortpflanzern: seit letzten Jahr sind (fiktiv) Kindesentführungen in Dortmund um 100% angestiegen! Oh nein, alle Welt entführt Kinder! Was will man nur mit all diesen Kindern? Kuchen daraus backen?

Mitnichten. Denn wenn es im Vorjahr keine einzige Kindesentführung in Dortmund gab, bedeutet schon eine einzige eine Steigerung um 100%. Alles ist eben relativ.

Noch ein Beispiel: die Partei ABC bejubelt eine 100-prozentige Erhöhung ihrer Frauenquote – diese Prozentzahl klingt fulminant. Partei XYZ muss zerknirscht zugeben, dass ihre Frauenquote nur um 20 Prozent erhöht werden konnte. Doch wie viele Frauen sind es nun tatsächlich?

Angenommen, in der Partei ABC waren vier weibliche Abgeordnete und jetzt kommen vier Damen dazu. Damit hat sich die Frauenquote bei Partei ABC tatsächlich um 100 Prozent erhöht. Im Ergebnis beherbergt die Partei ABC nun insgesamt acht Frauen – dies jedoch bei über hundert Abgeordneten. Ihr Anteil weiblicher Abgeordneter liegt damit nur bei acht Prozent. Partei XYZ hingegen hatte bei 100 Abgeordneten bereits 40 Frauen in den eigenen Reihen – also 40 Prozent. Jetzt kommen acht dazu – bei unglücklicher Betrachtung sind dies nur 20 Prozent.

Besser wäre es gewesen, Partei XYZ hätte sich gerühmt, 100 Prozent mehr weibliche Abgeordnete hinzuzubekommen als Partei ABC (nämlich acht statt vier). Oder zu sagen, dass ihre Fraktion 400 Prozent mehr weibliche Frauen in Ihren Reihen hat als die Fraktion ABC (nämlich 32 mehr). Man sieht: Mit Prozenten lässt sich vieles behaupten.

Trick #10: Alles eine Sache der Definition

Sinken die Arbeitslosenzahlen klopfen sich Verantwortliche gerne gegenseitig auf die Schulter. Bei dem darauf folgenden Jubeltaumel fragt niemand, wer denn eigentlich die Arbeitslosen sind und wie ihre Zahl zustande kommt.

„Arbeitslos ist, wer keinen Job hat“ klingt zwar einleuchtend, ist aber naiv. Denn als arbeitslos gilt ein Bürger dann, wenn er sich arbeitslos meldet, mehr als 18 Stunden die Woche bereit ist zu arbeiten und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Die Millionärsgattin, der Langzeitstudent, der ungemeldete Arbeitslose und die 52-jährige Frührentnerin haben zwar keinen Job, tauchen aber in der offiziellen Statistik nicht auf.

Solange der Leser weiß, wie die Arbeitslosenzahl errechnet wurde, können Statistiken auch nicht schaden. Greift aber ein Statistiker unter die Theke und bietet uns eine Zahl an, dessen Rezeptur nur er kennt, sollte man genauer hinschauen. Um über die wirtschaftliche Entwicklung aufgeklärt zu sein, ist etwa die Zahl der sozialpflichtig versicherten Beschäftigten erhellender als die Negativkennzahl der Arbeitslosen.

Statistiken sind ohne Frage ein mächtiges Mittel der Datenerhebung – es kommt eben nur darauf an, wie diese genau erhoben werden, wo sie erhoben werden und wie das Ergebnis dann auch präsentiert wird. Das Lesen von Statistiken setzt (leider? gottseidank?) beim Leser eine gewisse Mündigkeit voraus. Auf jeden Fall sollten Zahlen und Diagramme immer mit gesundem Menschenverstand hinterfragt und auf die hier beschriebenen beliebten Täuschungstricks hinterfragt werden.

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Foto: European Southern Observatory

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