Ihr glaubt, Gedichte oder Prosa wären nur auf Englisch cool? Dann habt ihr einfach unter einem Stein gelebt und kennt die schönsten Beispiele deutscher Sprache nicht. Hier zum Ausklang ein Gedicht mit Gänsehautgarantie („with a goosebump guarantee“ – oops, die englische Übersetzung ist ja viel umständlicher!)
Rilke beschreibt darin einen Panther im Pariser Zoo (Jardin des Plantes), der hinter engen Gitterstäben eingesperrt ist. Für das kraftvolle Tier ist die Gefangenschaft fatal, weil sie ihn seiner Identität, seiner Wildheit und seiner Lebenskraft beraubt und er nur noch stumpf im Kreis herum tigert. Rilke beschreibt im Gedicht keinen körperlichen Schmerz, sondern eine tiefgehende psychische und existenzielle Zerstörung eines Geschöpfes, das sein wahres Wesen nicht mehr ausleben darf:
Der Panther – Rainer Maria Rilke
IM JARDIN DES PLANTES, PARIS
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Seltsam? Aber so steht es hier geschrieben... Ihr erbarmungswürdigen Erdenwürmer habt Fragen, Anregungen oder vielleicht sogar eine völlig andere Meinung zu diesem Artikel? Dann postet einen Hyperraum-Kommentar oder schickt eine intergalaktische Quanten-Mail (Hinweis: für intergalaktische Kommunikation fallen ggf. Roaming-Gebühren in astronomischer Höhe an).
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Autor: Mike vom Mars