Gesellschaftskritik

Warum sind Deutsche sprachlich so unkreativ?

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Warum sind Deutsche so übersetzungsfaul?

Aber warum tun Deutsche sich so schwer damit, Wörter in die eigene Sprache zu übersetzen? Franzosen übernehmen Anglizismen deutlich langsamer und restriktiver als Deutsche und zeigen sich beim Finden eigener, kreativer Übersetzungen wesentlich systematischer. Während im deutschen Sprachraum englische Begriffe oft direkt und ungefiltert in den Alltag übernommen werden (Homeoffice, Storytelling, gecoacht), steuert Frankreich diesen Prozess sogar per Gesetz! Die offizielle Sprachkommission (Commission d’enrichissement de la langue française) entwickelt dabei gezielt französische Entsprechungen für technische oder gesellschaftliche Trends.

Deutsche sind hier deutlich schmerzfreier – oder eben fauler. Wenn im Englischen ein Begriff erfunden wird, scheint es für die meisten schlicht bequemer, das bestehende Wort einfach zu übernehmen, als aktiv ein neues deutsches Wort zu prägen, zu etablieren und gegen den Strom der globalen Kommunikation durchzusetzen.

Dabei hat das Deutsche drei große Stärken – drei „Superkräfte“ sozusagen, die es von anderen Sprachen abgrenzen:

  1. Zum einen ist Deutsch eine der vielseitigsten Sprachen der Welt: Deutsch erlaubt es, unendlich viele Begriffe spontan zusammenzufügen (Komposita), um exakt die gewünschte Situation oder Emotion einzufangen: Kummerspeck, Fremdschämen, Verschlimmbessern. Das Englische muss dafür meist lange Sätze bauen. Hier ist das Deutsche übrigens so genial und effizient, das man viele dieser deutschen Wörter direkt ins Englische übernommen hat.
  2. Dann erlaubt unsere Sprache auch noch feine Nuancen in Kasus und Modalpartikeln (halt, ja, eh, schon) und Vorsilben (ver-, ent-, zer-). So lässt sich eine Bedeutung extrem exakt steuern.
  3. Und schließlich verfügt Deutsch über ein riesiges Repertoire an Synonymen und bildhaften Metaphern.

Wer aus diesem unglaublich vielseitigen Werkzeugkasten keine eigenen Wörter bilden kann, hat schlicht zu wenig Bücher gelesen und kann mit Sprache einfach nicht umgehen. Dann ist es klar, das man aus Bequemlichkeit lieber den englischen Begriff übernimmt, als kreativ ein eigenes Wort zu suchen.

Deutsche Wörter sind so lang? Von wegen!

Viele sind auch der Meinung, deutsche Wörter wären zu lang – sie würden deshalb lieber kürzere englische Wörter benutzen. Aber stimmt das überhaupt? Mal sehen:

Influencer-Sprech und deutsche Übersetzung:
Das war so cringe!Zum Fremdschämen!
Ich bin so overwhelmed.Ich bin platt!
Main Character SyndromeRampenlicht-Attitüde
Das hat voll den Vibe.Das hat Flair!
Mental Health BreakAusszeit
GatekeepingGeheimniskrämerei
Fear of Missing outTorschlußpanik
Weight GainKummerspeck

Es stimmt also nicht, das deutsche Wörter wirklich „umständlicher“ oder länger sind. Das Englische wird oft nur deshalb als „kürzer“ wahrgenommen, weil seine Grundwörter (cat, dog, run, get) extrem kurz sind. Sobald es aber um komplexere Konzepte, Gefühle oder präzise Zustände geht, muss das Englische oft auf syntaktische Umschreibungen (Sätze mit Präpositionen) ausweichen.

Das Deutsche hingegen zieht hier die Begriffe zu einem einzigen, hochverdichteten Wort zusammen – und genau das ist seine Stärke: Flugscham. Kummerspeck. Weltschmerz. Schadenfreude. Engländer und Amerikaner lieben diese Wörter! Jedes einzelne diese extrem komprimierten Ausdrücke erzählt quasi eine ganze Geschichte! Die unendlich lange englische Umschreibung „a partner for a specific phase of one’s life“ lässt sich im Deutschen ganz einfach ausdrücken mit „Lebensabschnittsgefährte“.

Merke:

💡Für jeden Anglizismus gibt es ein perfektes deutsches Wort. Gibt es keins (unwahrscheinlich), erfinde eins!

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