Die Kombination aus archäometrischen Methoden und forensischer Wissenschaft hat schon eine Reihe spektakulärer und scheinbar unlösbarer Kriminalfälle aufgeklärt. Hier sind drei faszinierende Beispiele, bei denen moderne Naturwissenschaften und archäologische Techniken zur Mördersuche oder Identifizierung beitrugen:
Das Mädchen im Brunnen
In den USA (Wisconsin) wurde im Jahr 1980 das Skelett eines jungen Mädchens in einem Brunnen entdeckt. Jahrzehntelang wusste niemand, wer sie war oder woher sie kam. Die örtliche Polizei stand vor einer Wand. Jahre später nahmen Forensiker die Knochen und Zähne für eine Isotopenanalyse (Strontium und Sauerstoff) und eine Gesichtsrekonstruktion zur Hand.
Die Isotope im Zahnschmelz zeigten, dass sie keineswegs aus Wisconsin stammte, sondern ihre Kindheit in einer ganz bestimmten Region verbracht hatte – im pazifischen Nordwesten (heutiger Staat Washington/Kanada). Diese Spur grenzte die Vermisstenakten drastisch ein. Dank der Isotopenkarte und moderner DNA-Genealogie konnte das Mädchen schließlich identifiziert und der Täter (ihr Stiefvater) ermittelt werden.
Richard III. und die Forensik der Gebeine
Im Jahr 2012 gruben Archäologen auf einem Parkplatz in Leicester (England) die Überreste eines mittelalterlichen Königs aus: Richard III., der 1485 in der Schlacht von Bosworth gefallen war. Um sicherzugehen, dass es sich tatsächlich um den König handelte, setzten Wissenschaftler forensische und archäometrische Methoden ein:
Osteologie & CT-Scans Zeigten die massiven Verletzungen durch Schwerter und Hellebarden, die exakt zu den historischen Berichten über seinen Tod passten. Die C14-Datierung bestätigte, dass die Knochen exakt aus dem späten 15. Jahrhundert stammten. Isotopenanalysen (Kohlenstoff und Stickstoff) an den Zähnen zeigten, dass er sich in seinen letzten Lebensjahren extrem privilegiert ernährt hatte (viel Wild, Fisch und teurer Wein) – was zu einem König passte. Eine DNA-Analyse schließlich führte zum finalen Beweis durch den Abgleich mit lebenden Nachkommen.
Der mysteriöse „Klopapier-Mord“
Bei Bauarbeiten in Deutschland wurden menschliche Skelettreste in einer Baugrube oder abgelegenen Waldstücken gefunden. Bei solchen Funden stellt sich sofort die Frage: Ist das ein historisches Grab aus dem Zweiten Weltkrieg oder ein modernes Gewaltverbrechen?
Oft reicht schon ein Blick auf die Begleitumstände – oder eben die bewährte C14-Methode. Spannend wird es, wenn synthetische Materialien im Spiel sind. In einem realen Kriminalfall half die Untersuchung von winzigen Geweberesten und anhaftenden Materialien (wie speziellen Kunstfasern oder eben modernem Plastik/Toilettenpapier), den Zeitraum einzugrenzen.
Die sogenannte „Bomben-Peak-Kurve“ der C14-Datierung (verursacht durch oberirdische Atomwaffentests im Kalten Krieg ab den 1950er Jahren) sorgt dafür, dass organisches Material aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf das genaue Jahrzehnt oder sogar auf wenige Jahre genau datiert werden kann. So konnte in solchen Fällen blitzschnell entschieden werden, ob die Kriminalpolizei oder das Landesamt für Denkmalpflege ermitteln muss. Diese Fälle zeigen, dass Archäometer und Kriminalisten im Grunde dieselbe Sprache sprechen: Sie nutzen den physikalischen und chemischen Code der Natur, um die Wahrheit über die Vergangenheit ans Licht zu bringen.

Ötzi – Links: Die Leiche, rechts: Rekonstruktion
Und damit kommen wir endlich zur Auflösung des Rätsels: woher weiß man heute, 5.300 Jahre später, welche Augenfarbe Ötzi hatte?
Dass die berühmte Gletschermumie braune bzw. dunkle Augen hatte, weiß man durch die Entschlüsselung seines Erbguts (DNA-Analyse). Seine genetische Veranlagung für dunkle Augen, dunkle Haare und dunkle Haut lässt sich heute dadurch erklären, dass Ötzi zu über 91 % von frühen Einwanderern aus Anatolien (der heutigen Türkei) abstammte, deren Gene sich in seiner isolierten Alpenregion über Generationen kaum mit europäischen Jägern und Sammlern vermischt hatten.

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Autor: Mike vom Mars