Ukraine-Krieg

Was passiert, wenn es kein GPS mehr gibt?

Mike vom Mars Blog eLORAN galileo glonass gnss gps gps-ausfall jamming nato responsive space russland spoofing starlink starlink-alternative starshield ukraine ukraine-krieg
 
Geschätzte Lesedauer: 12 Minuten
Seite 3 / 6

Da GPS-Systeme aller Länder konstant gewartet werden, ist ein flächendeckender Ausfall im Friedenszeiten sehr unwahrscheinlich. Im Kriegsfall aber, und das wird gerne vergessen, ist die Störung des GPS-Systems eine der grundlegenden Pflichtübungen für den Angreifer!

Wie man dies technisch tun kann, sehen wir uns gleich an. Aber zuvor müssen wir uns, nach den zivilen Auswirkungen auf unser aller Alltagsleben, auch die militärischen Konsequenzen ansehen, die der Ausfall des GPS-Systems für unsere Verteidigung hätte:

Die militärischen Auswirkungen

Die Abhängigkeit des europäischen Militärs von Satellitennavigation (GNSS wie GPS und Galileo) ist enorm, und die Bedrohung durch einen GPS-Ausfall ist kein theoretisches Szenario mehr, sondern längst Realität, wie wir weiter unten sehen werden.

Die Streitkräfte der europäischen NATO-Staaten sind in nahezu allen Bereichen tiefgreifend von präzisen Positions-, Navigations- und Zeitdaten (PNT – Position, Navigation, Timing) abhängig. Ohne diese Signale leidet die Einsatzfähigkeit moderner Armeen massiv: Truppenbewegungen, Lagebilder und die Koordination von Verbänden basieren auf exakter digitaler Kartierung und Echtzeit-GPS.

Präzisionsgelenkte Munition (wie Marschflugkörper, raketengestützte Artillerie oder Lenkbomben) nutzt GPS/Galileo, um Ziele punktgenau zu treffen. Ohne Satellitennavigation sinkt die Treffsicherheit drastisch oder es muss auf anfälligere Alternativen ausgewichen werden. Aufklärung- und Kampfdrohnen benötigen GPS für die Autonomie, Wegpunkt-Navigation und automatisierte Rückkehr. Und: Der gesamte Nachschub, die Verlegung von Großgerät sowie See- und Lufttransportströme hängen im modernen, vernetzten Krieg von reibungsloser Satellitennavigation ab.

Kann man GPS stören?

Zwei schlechte Nachrichten – die erste: Ja! Die zweite: Russland tut das bereits! Schon jetzt blockiert und stört Russland unser GPS bereits im großen Stil. Was als lokale Maßnahme (z. B. zum Schutz vor Drohnen an Russlands Grenzen oder in der Exklave Kaliningrad) begann, hat sich in den letzten Jahren zu einer strategischen Dimension der elektronischen Kriegsführung entwickelt. Russland stört unser GPS-System derzeit vor allem durch zwei Methoden:

Bodenbasierte Störsender (Jamming & Spoofing)
Russland verfügt über hocheffiziente und mobile Systeme zur elektronischen Kriegsführung (wie Krasukha-4 oder Murmansk-BN), u.a. in der Exklave Kaliningrad und an der NATO-Ostflanke. Sie strahlen so starkes Rauschen auf den GPS-Frequenzen aus, dass die extrem schwachen Satellitensignale überlagert werden (Jamming). Beim Spoofing werden zudem gefälschte Signale gesendet, die Navigationsgeräte glauben lassen, sie befänden sich an einem ganz anderen Ort. Diese Störungen beeinträchtigen bereits jetzt regelmäßig den zivilen Luft- und Schiffsverkehr über der Ostsee, Osteuropa und Teilen Skandinaviens.

Störungen aus dem All
Neuere wissenschaftliche Analysen und Satellitendaten (unter anderem aus dem Jahr 2026) belegen, dass Russland in der Lage ist, Satellitensignale – die Europa und den Nahen Osten versorgen – sogar direkt aus der Erdumlaufbahn (mittels spezieller militärischer Frühwarn- und Testsatelliten) zu beeinträchtigen und zu stören. Das Ausmaß dieser Störungen erstreckt sich zeitweise über riesige geografische Räume.

Physische Zerstörung der Satelliten
Das GPS-Netzwerk (sowie das europäische Pendant Galileo) besteht aus Dutzenden Satelliten, die in mittleren Erdumlaufbahnen (MEO) in rund 20.000 Kilometern Höhe kreisen. Russland verfügt über raketenbasierte Antisatellitenwaffen, die Starlink-ähnliche Satelliten im erdnahen Orbit (LEO) abschießen können (wie 2021 beim Test gegen einen eigenen ausgedienten Satelliten bewiesen). Die GPS-/Galileo-Satelliten fliegen jedoch in viel größeren Höhen (MEO). Dorthin zu gelangen erfordert extrem spezialisierte und weitreichende Waffensysteme.

Auf der nächsten Seite: Wie weit würde Russland gehen?

Alle Artikel
Diese Kategorie

 
Redaktionswertung: 0 / 5