Ukraine-Krieg

Kriegstagebuch Ukraine – Dezember

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Geschätzte Lesedauer: 32 Minuten

Der Winter naht mit schnellen Schritten. Die Rasputiza, die Regenzeit, geht dem Ende zu. Der Boden gefriert, Wege abseits der Strassen werden wieder nutzbar – wird das die Ukraine zu einer weiteren Gegenoffensive bringen? Und werden wir unsere Putin unterstützenden Jammer-Ossis endlich dazu bringen können, nach Moskau zu übersiedeln?

Hier täglich die neuesten Ereignisse dieses auch für uns wichtigen Krieges gegen eines der dunkelsten Länder des Planeten. Dieser Krieg betrifft uns alle. Wer also nicht auf wichtige taktische Einblicke verzichten will, findet hier zumindest die nötigste Info, um auf dem Laufenden zu bleiben.


Zu den Einträgen vom
September 2022
Oktober 2022
November 2022
Dezember 2022
Januar 2023
Februar 2023

Die wichtigsten Ereignisse im November, neueste zuerst:

TAG 307 – DIENSTAG, 27.DEZEMBER 2022

+++ Ukraine attackiert abermals Engels Airbase +++

Nach einem erneuten Angriff gestern mit ukrainischen Drohnen unbekannter Bauart auf die Engels Airbase weit im russischen Hinterland, von der aus in der Regel Bomber starten, um zivile Ziele in der Ukraine mit Marschflugkörpern zu bombardieren, berichtet der ukrainische Militärjournalist Wolodymyr Zolkin unter Berufung auf seine Quellen, dass dabei diesmal fünf TU-95MS beschädigt, 17 Soldaten getötet, 26 verwundet (davon 3 in schwerem Zustand) und der Kontrollturm zerstört worden seien.

Der Luftwaffenstützpunkt in der Nähe der Stadt Saratow, etwa 730 km (450 Meilen) südöstlich von Moskau, wurde am 5. Dezember getroffen, als nach russischen Angaben ukrainische Drohnenangriffe auf zwei russische Luftwaffenstützpunkte stattfanden. Die Zwillingsangriffe versetzten Moskau einen schweren Imageschaden und warfen die Frage auf, warum die russische Verteidigung versagte, sagten Analysten, als sich die Aufmerksamkeit auf den Einsatz von Drohnen im Krieg zwischen den Nachbarn richtete.

+++ Feiern nach europäischem Vorbild +++

Um sich von der russisch-orthodoxen Kirche loszusagen und ein Zeichen für die Zugehörigkeit zu Europa zu setzen, feierten die meisten Ukrainer dieses Jahr Weihnachten erstmals am 24. Dezember, statt am 7. Januar.

+++ The Hottest Place On Earth +++

Bakhmut, der derzeit am heftigsten umkämpfte Ort auf dem Planeten, kommt auch über die Feiertage nicht zur Ruhe. Wieder einmal konnten ukrainische Truppen die russischen Angreifer zurück vor den Ortsrand drängen, nachdem tausende russische Soldaten gestorben sind, um auch nur die ersten Wohnblöcke der Ortschaft einzunehmen. Nun geht das Spielchen wieder von vorne los. Auch südlich von Bakhmut melden ukrainische Kräfte Erfolge bei der Ortschaft Opytne (noch unbestätigt).

Bakhmut

TAG 305 – SONNTAG, 25.DEZEMBER 2022

Gestern, am Weihnachtsabend, haben die Russen einen der brutalsten Angriffe auf die Einwohner der Stadt Cherson verübt. Bei Terrorangriffen mit Drohnen kamen 7 Menschen ums Leben, 58 weitere Bewohner Chersons wurden verletzt, 18 von ihnen befinden sich in einem ernsten Zustand. Sie alle wollten einfach nur den Heiligen Abend feiern.

Gleichzeitig starben wieder hunderte russische Soldaten in einem völlig sinnlosen Sturm auf die Stadt Bakhmut. Dieser Ort stellt aus strategischer Sicht nicht einmal ein besonders wertvolles Ziel dar – da sich aber russische Speichellecker wie Prigozin (Anführer Wagner-Gruppe) hier beweisen wollen und der Kreml den Befehl ausgegeben hat, möglichst viel der widerrechtlich annektierten Terrirtorien einzunehmen, schickt man hier Tag für Tag für Tag hunderte unerfahre, schlecht ausgebildete und schlecht ausgerüstete Soldaten direkt in die Schusslinie der Ukrainer. Ohne Plan, ohne Taktik, ohne Sinn. So „viel“ ist den Russen das Leben ihrer eigenen Soldaten wert.

Das folgende Bild zeigt keine Tulpenwiese, sondern ein Feld voll russischer Leichen am Stadtrand von Bakhmut nach einem dieser täglichen sinnlosen Angriffe. Dies ist dort, auch über die Feiertage, ein völlig normales Bild. Hier an der östlichen Front sterben Tag für Tag um die 500 russische Soldaten. Für absolut nichts. Der Geist der Ukrainer bleibt bislang ungebrochen.

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Russische Leichen vor Bakhmut

TAG 304 – SAMSTAG, 24.DEZEMBER 2022

Frohe Weihnachten und ein möglichst friedliches Fest allen Ukrainern und Soldaten aus allen Ländern der Erde, die gemeinsam gegen die russische Barbarei kämpfen. Möge der Schutzpatron der Ukraine, der mächtige Erzengel Michael mit seinem Schwert aus Flammen, über sein Land wachen.


Im 16. Jahrhundert erschien der heilige Erzengel Michael im Wappen von Kiew. Doch 1969, während des Regimes der Sowjetunion, ersetzten die Behörden seine Figur durch Kastanienblätter. Dies blieb bis nach dem Zerfall der UdSSR so, bis der Erzengel 1995 wieder in das Wappen aufgenommen wurde.

Das Goldene Kloster des Erzengels Michael in Kiew ist ein berühmter Ort, der sich majestätisch auf einem Hügel rechts des Dnjepr erhebt. Es wurde in den 30er Jahren von den sowjetischen Behörden zerstört und 1991 anlässlich der Unabhängigkeit der Ukraine wiederaufgebaut.

Der Erzengel Michael gilt als Schutzpatron der Krieger und all jener, die gegen das Böse in jeder Form kämpfen. Im Christentum gilt Michael insbesondere als Bezwinger des Teufels in Gestalt des Drachen (Höllensturz) sowie als Anführer der himmlischen Heerscharen. Die letzten Worte, die der Satan vor seinem Sturz hörte, sollen „Wer (ist) wie Gott?“ gewesen sein – eine wörtliche Übersetzung des hebräischen Mi-ka-el. Schon früh wird Michael als Hüter des Paradiestores dargestellt. Nach der kirchlichen Tradition kommt ihm auch die Rolle des „Seelenwägers“ am Tag des jüngsten Gerichts zu.

Wir erinnern daran:
Wenn Hinterhofschläger und Kriegsverbrecher Putin, der diesen Krieg in seiner Psychose als „wiedergeborener Zar Alexander III.“, also auf der Suche nach persönlichem Ruhm, begonnen hat, endlich begreift, dass die Ukrainer lieber sterben würden, als sich die „russische Lebensart und Kultur“ aufzwingen zu lassen, die die Russen seit Februar demonstrieren, könnte der Krieg innerhalb von 24 Stunden vorbei sein.

Und nur dann.

TAG 297 – SAMSTAG, 17.DEZEMBER 2022

Die Ergebnisse des letzten Raketenangriffs: rund 76 Raketen wurden abgefeuert, 60 wurden abgefangen. Das Stromnetz der Ukraine wird in ein paar Tagen wiederhergestellt sein. Diese kurzzeitige Unterbrechung kostet Russland abermals geschätzte $700-$900 Millionen Dollar. Dazu starben gestern in der Ukraine ca. 680 weitere russische Männer ohne Grund. Ist es das wert? Für Putin anscheinend schon.


+++ Rakete mit Maschinengewehr abgefangen +++

Am Ort eines versuchten Angriffs in Kiew teilten Militärkommandeure der Nachrichtenagentur Associated Press mit, dass die mobile Territorialverteidigungsgruppe der Stadt einen Marschflugkörper mit einem Maschinengewehr abgeschossen habe. Es war nicht sofort klar, ob andere ukrainische Waffen zum Abschuss der Rakete beigetragen haben könnten.

„Es ist fast unmöglich, eine Rakete mit einem Maschinengewehr zu treffen, aber es ist gelungen“, sagte ein Kommandeur mit dem Rufnamen „Hera“. Ein anderer Kommandeur, ein Militärpostenchef namens „Yevhen“, sagte, dass der Maschinengewehrschütze, der die Rakete abfing, „schnell reagierte“ und feuerte, woraufhin grüne Funken von der Rakete flogen, die ins Trudeln geriet und auf den Boden stürzte. Keiner der beiden Kommandanten wollte aus Sicherheitsgründen seinen vollständigen Namen nennen.

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TAG 296 – FREITAG, 16.DEZEMBER 2022

+++ Weiterer russischer Raketenangriff +++

Russland hat erneut zahlreiche Regionen der Ukraine mit schweren Raketenangriffen überzogen. In weiten Teilen des Landes herrschte Luftalarm. Auch in der Hauptstadt Kiew gab es nach dem Einsatz der Flugabwehr Berichte über Explosionen. Raketenbeschuss meldeten auch zahlreiche andere Regionen des Landes, darunter Saporischschja, Mykolajiw, Winnyzja, Poltawa, Dniprotepetrowsk und Charkiw. Demnach nahm Russland erneut besonders die Energieinfrastruktur ins Visier. Die Online-Zeitung „Kyiv Independant“ schrieb auf Twitter, in den Städten Charkiw und Poltowa sei der Strom komplett ausgefallen. Unklar war zunächst, ob es Opfer gab und wie groß die Schäden waren.

Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace erklärte noch am Montag, er sei „offen“ für die Lieferung von Waffensystemen mit größerer Reichweite an die Ukraine, wenn Russland weiterhin zivile Gebiete angreife. In einer Rede vor dem Parlament wurde Wallace vom ehemaligen Premierminister Boris Johnson, einem entschiedenen Befürworter der Ukraine, über die mögliche Lieferung von Raketensystemen mit größerer Reichweite an Kiew zur Zerstörung oder Beschädigung von Drohnenstartplätzen befragt.

 

+++ Waffendepot in Luhansk zerstört +++

In der besetzten Stadt Irmino (Region Luhansk) hat sich derweil ein weiteres großes Waffen- und Munitionslager der russischen Besatzer spontan zu einer Explosion entschlossen:


TAG 294 – MITTWOCH, 14.DEZEMBER 2022

+++ Warten auf den Frost +++

Derzeit trotz heftiger Kämpfe, vor allem an der östlichen Front, und teils größeren Verlusten auf beiden Seiten keine nennenswerten Geländegewinne oder -Verluste. Hauptsächlich liegt das an der immer noch vorherrschenden Rasputiza. Größere Operationen jenseits der befestigten Straßen werden erst wieder mit Einsetzen des Frostes möglich. Dazu muss der Boden über mehrere Tage hinweg bei Temperaturen deutlich unter Null Grad gefrieren. Bis dahin sieht die Sitation jenseits der Straßen so aus:


TAG 291 – SONNTAG, 11.DEZEMBER 2022

+++ Kurzfassung der Lage +++

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Nach den letzten großen Offensiven der Ukrainer im Sommer und Herbst hat sich die Frontlinie deutlich auf ca. 750 km Länge verkürzt. Auf circa 300 Kilometern davon trennt der Dniepr Russen und Ukrainer voneinander, weshalb beide Parteien an diesen Stellen keinen großen Druck erzeugen können (blaue Linien) und sie hier weniger Truppen einsetzen müssen. Am Rest der Front (rote Linie) befinden sich die Schwerpunkte der Kämpfe. Hier finden Tag und Nacht schwerste Kämpfe statt, vor allem um Bakhmut herum, das mittlerweile zu einem Fleischwolf für russische Soldaten geworden ist, die ohne Ausbildung und mit kaum oder völlig unzureichender Ausrüstung hier in Wochen nur wenige Meter Geländegewinn machen konnten. Noch halten ukrainische Truppen den Wellen frisch mobilisierter Russen hier stand, auch wenn diese sich langsam und unter hohen Verlusten immer weiter nach Bakhmut vorarbeiten.

Die einzigen beiden Vorteile, über die Russen hier noch vergügen sind a) mehr Manpower – auch wenn sie keinerlei Achtung vor dem Leben der eigenen Soldaten zeigen und ihre Männer meist sinn- und planlos in den Tod schicken und b) Artillerieüberlegenheit, die die Ukraine nur durch das gezielte Beschießen von Depots im Hinterland ausgleichen kann. Diese Depots der Russen liegern mittlerweile bis zu 100 km hinter der Front, damit sie nicht durch HIMARS-Beschuss erreichbar sind. Die Munition für jede russische Stellung muss also extra mittels Lastwagen herangeschafft werden, was extrem Zeitaufwändig ist.

Während die Russen sich, größtenteils aus politischen Gründen, auf die kleine Stadt Bakhmut konzentrieren, belagern ukrainische Truppen seit Wochen die beiden Städte Svatove und Kreminna weiter nördlich, eine strategisch wichtige Verbindungslinie in den Raum Lysychansk.

Der nächste wichtige Schritt wäre für die Ukraine allerdings, die Stadt Melitopol unter Kontrolle zu bekommen. Gelänge ihr dies, wäre die russische Front in zwei Teile gespalten. Würden die Ukrainer die Bahnstrecken und Versorgungswege in und um Melitopol kontrollieren, wäre die gesamte Krimregion auf den Nachschub angewiesen, der noch über die Kertsch-Brücke kommen kann – und da diese immer noch ausgebessert wird, würde dieser Nachschub bei weitem nicht ausreichen. Zudem würden die Ukrainer dann auch die Frischwasserversorgung der Krim kontrollieren, die über das Dniepr-Reservoir gespeist wird. Die Einnahme von Melitopol in absehbarer Zeit (möglichst vor einer erneuten Mobilisierung von russischen Truppen Ende Januar / Anfang Februar und vor Einsetzen der Schlammperiode im Frühling) wäre extrem wichtig. Allerdings wissen die Russen dies natürlich und errichten seit Wochen südlich des Dniepr mehrere gestaffelte Verteidigungslinien.

Genau diese Offensive auf Melitopol bereiten die ukrainischen Truppen in den letzten Tagen verstärkt vor, indem sie Depots, Kontrollpunkte, Baracken und Nachschubwege südlich des Dniepr beschiessen. Angegriffen wurden alleine heute Nacht Belbek airport, Sevastopol, Simferopol, Yalta and Dzhankoy in der besetzten Krim, sowie Enerhodar, Tokmak, Polohy, Berdyansk, Dniprorudne, Vasylivka und die Stadt Melitopol. In Melitopol alleine sollen bei einem gezielten Beschuss auf Baracken der Privatarmee Wagner in Melitopol zwischen 200 und 300 Wagner-Söldner unmittelbar getötet worden sein. Entsprechendes Videomaterial liegt vor, ist aber zu grausam, um es an dieser Stelle zu zeigen. Auch der Winter schlägt gnadenlos zu – alleine in den letzten 24 Stunden sollen mehr als 400 russische Soldaten mit Erfrierungen ins Lazarett gebracht worden sein. AUs Mangel an Winterausrüstung sind russische Truppen kaum oder gar nicht auf Minustemperaturen vorbereitet, was sich bereits letzten Februar zeigte.

TAG 289 – FREITAG, 09.DEZEMBER 2022

+++ Explosion bei Moskau +++

An einem kalten Wintermorgen gibt es nichts schöneres, als ein wärmendes Feuer – und da Russen gerne sämtliche Brandvorschriften missachten, braucht es dazu noch nicht einmal eine ukrainische Spezialeinheit, wie man heute morgen in Khimki, einer Stadt ca. eine Stunde nördlich von Moskau, sehen konnte. Die 37.000, meist positiven, Google-Rezensionen der Mega Khimki Shopping Mall sind damit wohl erst mal obsolet:


TAG 286 – DIENSTAG, 06.DEZEMBER 2022

+++ Russischer Raketenangriff +++

Nach den Explosionen auf russischen Luftwaffenstützpunkten erfolgte abermals ein großangelegter Luftangriff der Russen auf die Ukraine – an dem sich allerdings nur noch 14 der vorher auf Satellitenbildern registrierten und einsatzbereiten 20 Tu-95 Langstreckenbomber beteiligten. Das legt nahe, dass einige der dort stationierten Bomber tatsächlich beim Angriff zerstört oder beschädigt wurden. Dementsprechend „gering“ fiel diesmal auch die Anzahl der Raketen aus, die von den Russen auf ukrainisches Gebiet abgefeuert wurden: von den diesmal 70 abgefeuerten Raketen konnten nach ukrainischer Angabe mehr als 60 noch in der Luft zerstört werden.

Mittlerweile kursieren Vermutungen, nachdem die Ukraine für den Angriff auf die russischen Stützpunkte modifizierte Aufklärungsdrohnen aus der Sowjetzeit eingesetzt hat, die man eigentlich nur noch in Militärmuseen findet. Die mit aktualisierten GPS-Navigationssystemen und improvisierten Sprengköpfen ausgestatteten Tupolew-141 UAVs flogen 600 km weit, um diese Ziele zu treffen. Ihre Reichweite beträgt bis zu 1000 km.

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Tu M-141

+++ Weitere russische Air Base brennt +++

Und die nächste Air Base auf russischem Boden brennt: heute Nacht erfolgte ein neuer Angriff einer unbekannten Drohne auf den Militärflugplatz Halino in Kursk. Infolge des Angriffs geriet ein Ölreservoir in der Nähe des Flughafens in Brand:

+++ Russischer Ka-52 abgeschossen +++

Inmitten der heftigen Kämpfe im Osten der Ukraine ist Berichten zufolge ein russischer Ka-52-Kampfhubschrauber, „Alligator“, in der Region Luhansk abgeschossen worden. Die Tat wurde mit der Kamera festgehalten. Nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte (AFU) versuchte der russische Kampfhubschrauber, die ukrainische Frontlinie in der Nähe von Svatove anzugreifen, bevor er angegriffen und abgeschossen wurde. Im vorliegenden Video ist der Moment zu sehen, in dem eine ukrainische Rakete, wahrscheinlich eine S-300 oder BUK, den Ka-52-Kampfhubschrauber über einem Wald trifft. Noch schwerer als der Verlust des Helikopters wiegt allerdings für die Russen, die den Abschuss mittlerweile bestätigten, der Verlust seiner Besatzung: dieser wurde nach deren Angaben von einer russischen Elite-Hubschrauberbesatzung geflogen, die mit mehreren militärischen Orden ausgezeichnet wurde – die letzten wurden ihnen nun „leider“ nur noch posthum verliehen. Langsam gehen den Russen die erfahrenen Piloten aus, deren Ausbildung durchaus mehrere Jahre beträgt.

TAG 285 – MONTAG, 05.DEZEMBER 2022

+++ Explosionen auf russischer Engels Air Base +++

Am Morgen des 5. Dezember 2022 ereignete sich mindestens eine große Explosion in Engels-2, einem Luftwaffenstützpunkt, der von Russland für die Stationierung strategischer Bomber zur Durchführung von Marschflugkörperangriffen auf die Ukraine genutzt wird. Etwa zur gleichen Zeit ereignete sich eine Explosion in Dyagilevo, einem weiteren strategischen Bomberstützpunkt in der Region Rjasan. In Berichten, die in russischen sozialen Medien veröffentlicht wurden, wird behauptet, dass es sich bei der Explosion in Engels um einen Drohnenangriff handelte und wahrscheinlich Langstreckenbomber vom Typ Tu-95 beschädigt wurden. Engels Air Base liegt ca. 600km vom nächstgegelegenen ukrainisch-kontrolliertem Territorium entfernt.

TAG 284 – SONNTAG, 04.DEZEMBER 2022

+++ Zusammenfasung der Lage +++

In den letzten Tagen keine größeren Geländegewinne oder -Verluste, obwohl der Druck entlang der gesamten Frontlinie sich deutlich erhöht hat. Während der Rasputiza wird nicht mit größeren Offensiven oder Geländegewinnen gerechnet, da sich aufgrund des stark verschlammten Bodens meist nur befestige Strassen nutzen lassen – die dafür aber so heftiger umkämpft sind.

Da die Rasputiza sich langsam dem Ende neigt und der Boden nach und nach gefriert, wird in den nächsten Tagen und Wochen wieder mit einer deutlich höheren Mobilität entlang der Frontlinie gerechnet.

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I – Svatove und Kreminna
An der nordöstlichen Frontlinie drücken die Ukrainer weiterhin auf Svatove und Kreminna, um die russische Truppen mittlerweile starke Verteidigungslinien errichtet haben. An diesem Frontabschnitt hat die Ukraine weiterhin die Initiative, während die Russen beide Städte und die sie verbindende Versorgungsstraße vehement verteidigen.

II – Bilohorivka über Bakhmut bis Vuhledar
Hier hat der Druck von Seiten der russischen Truppen seit der Befreiung Chersons deutlich zugenommen. Durch politischen Druck angetrieben, greifen die Russen, verstärkt durch frisch mobilisierte mit kaum oder unzureichender Ausbildung, bis zu einhundert mal am Tag ukrainische Stellungen an, meist unter sehr hohen Verlusten und mit nur wenigen Metern Bodengewinn. An diesem Abschnitt der Front haben die Russen die Initiative und die Artillerie-Überlegenheit und schicken eine Welle „Bio-Material“ nach der anderen in den Fleischwolf – mit anderen Worten: frisch mobilisierte, kaum ausgebildete russische Soldaten, aber auch Schwerverbrecher aus russischen Gefängnissen werden durch sog. Blockade-Truppen, die hinter ihnen stehen, gezwungen, in die offene Front zu laufen. Wer das nicht tut, wird von den eigenen Leuten erschossen. Obwohl die Russen mittlerweile wieder nahe an Bakhmut herangekommen sind und die Stadt von drei Seiten umzingelt haben, sind ihre Verluste hier horrend.

III – Südfront
Nachdem sich die Russen aus Cherson auf das südliche Dniepr-Ufer zurückgezogen haben, steht die Stadt Melitupol im Süden der Ukraine nun im Fokus. Würden die Ukrainer diese Stadt einnehmen, würde dies das gesamte besetzte Gebiet in zwei große Teile spalten und die russischen Truppen im Süden könnten ihren Nachschub nur noch durch die immer noch beschädigte Kertschbrücke beziehen. Zudem wären sie dann quasi mehr oder weniger auf der Krim gefangen und eingekesselt. Beide Seiten wissen um diese Schwachstelle. Es bleibt also abzuwarten, ob die Ukrainer die Offensive auf Melitopol wagen – und wann.

IV – Cherson und Krim
Nach der Befreiung Chersons beschiessen die Ukrainer nun russische Depots und Hauptquartiere südlich des Dniepr. Diese verlegen ihre vulnerablen Ziele dadurch immer weiter ins Hinterland, nach Süden in Richtung Krim.

Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die russischen Truppen momentan vor allem auf Zeit spielen. Da sie während der Rasputiza nicht nur wenig ausrichten können, sondern sie auch schlechter bewaffnet sind, als die Ukrainer, graben sie sich an fast allen Frontabschnitten wortwörtlich ein und errichten gestaffelte Verteidigungslinien. Vielerorts gleicht die Front den Grabenkämpfen des Ersten Weltkriegs. Den Russen bleibt im Moment nur ihre Artillerieüberlegenheit (gemessen an Munition) und ihre überlegene Anzahl an (unausgebildeten) Soldaten, die sie Welle für Welle an die Front schicken, bis im Januar / Februar dann wahrscheinlich die nächste Mobilisierungswelle in Russland anrollt.

In Russland selbst wird derzeit ein Gesetz durchgebracht, dass es jugendlichen unter 18 Jahren „erlaubt“, in der Rüstungsindustrie zu arbeiten. Russland möchte so die zur Neige gehenden Munitionsvorräte schnellstmöglich aufstocken und Panzer reparieren, während es durch die Mobilisierung an Arbeitern fehlt.

Während die Russen sich in Gräben verschanzen und versuchen, bis dahin das besetzte Gebiet zu halten, läuft der Ukraine langsam die Zeit davon – denn Munitionsvorräte gehen zur neige und immer mehr Artillerie fällt durch den enormen Verschleiß aus. Ob der Westen genug Nachschub liefern kann, ist derzeit unklar. Die Ukrainer sind also im Grunde gezwungen, so schnell wie möglich neue Fakten zu schaffen. Und das ginge, sobald die Rasputiza vorbei und der Boden gefroren ist. Da die Ukrainer deutlich besser für den Winter ausgerüstet sind, als die russischen Soldaten, sollten sie diese Chance auch nutzen.


 
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