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Was taugen Videobrillen?

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Geschätzte Lesedauer: 11 Minuten

Videobrillen sind gerade der „heiße Scheiß“, versprechen sie doch unglaublich immersive Kinoerfahrung auf riesigen, virtuellen Bildschirmen – ohne das Gewicht eines VR-Headsets. Höchste Zeit also für einen Vergleich – was taugt mehr zum Filmegucken: Videobrille oder VR-Headset?

Ich schaue gerne Filme mit der Quest 3 – natürlich im Liegen, mit Blick auf die Decke, ganz so, wie Gott das gewollt hat. Da aber in letzter Zeit immer mehr Videobrillen auf den Markt kommen, wollte ich doch mal sehen, ob man auch mit diesen ein ebenso immersives Filmerlebnis hat, wie mit dem „Volks-Headset“ Quest 3. Immerhin: Videobrillen sind deutlich leichter, als ein VR Headset – und auch weniger auffällig, wenn man mal unterwegs Filme gucken möchte, zum Beispiel in der Bahn oder im Flugzeug. Was kann also schiefgehen? Leider fast alles, wie ich feststellen musste.

Da ich ja, wie gesagt, aus der VR-Welt komme, vergleiche ich das Filmerlebnis mit der Viture Pro 2 Videobrille mit dem Filmegucken auf der Quest 3, was viele sicher interessieren dürfte, da letztere ja mittlerweile in vielen Haushalten so häufig zu finden ist, wie Staubsaugerroboter oder 3D-Drucker.

Vergleich Viture Pro 2 VS Meta Quest 3

 

Dioptrien-Ausgleich

Einmal scharf, bitte!

Die Viture Pro 2 hat eine eingebaute Dioptrien-Korrektur. Man muss also nicht, wie bei anderen Brillen, teure Dioptrien-Adapter anfertigen lassen. Da Videobrillen in dieser Klasse eh schon so viel kosten, wie eine Quest 3, will man nicht auch noch 60 Euro oder mehr zusätzlich dafür ausgeben, das man beim Filmegucken nicht Scarlett Johansson’s Hintern mit dem Gesicht von Ron Perlman verwechselt. Das muss unbedingt bedacht werden: wer kurz- oder weitsichtig ist, wird ohne Dioptrienausgleich keine Freude an einer Videobrille, aber auch nicht an einem VR-Headset haben. Er wird das Bild einfach nie wirklich scharf sehen. Dioptrien-Adapter für die Quest 3 gibt es erfreulicherweise bereits für knapp über 14 Euro bei AliExpress & Co, wogegen Sichthilfen für Videobrillen deutlich teurer sind.

In der Quest 3 kann man zwar eine Brille unter dem Headset tragen, aber das stelle ich mir sehr unbequem vor. Da Dioptrien-Einsätze hier nicht viel kosten, würde ich auf jeden Fall diese empfehlen. Für Videobrillen ist die Sache leider, mit Ausnahme der Viture Pro 2, nicht so einfach – hier muss ein spezielles Frame mit angepassten Gläsern her, das, wie gesagt, deutlich teurer ist. Normale Brillen lassen sich i.d.R. nicht unter einer Videobrille tragen.

Kurzsichtige benötigen für die Viture Pro 2 keine Dioptrien-Adapter, da sich hier der Dioptrien-Ausgleich über ein Drehrad von 0 bis -0.5 Dioptrien einstellen lässt. Gott liebt eben Kurzsichtige.

Zur Erinnerung

Mittlerweile leiden weit über 70% aller Deutschen an einer Fehlsichtigkeit (Kurz-, Weitsichtig, Hornhautverkrümmung usw.) Aber wenn man sie danach fragt, und sie nicht gerade eine Brille tragen, heißt es immer „Also, ich sehe gut, alles Tippi-Toppi!“ *. Ich kann jedem nur raten, regelmäßig einen Sehtest zu machen – denn oft merkt man selbst gar nicht, das man gar nicht mehr in 4K, sondern nur noch in 720p sieht. Wie? Du glaubst, perfekte Sicht ist nicht wichtig? Dann warte, bis der Russe kommt…

* Tippi-Toppi ist das neue Krissi-Krassi

 

Die Bildgröße

Wie klein darf’s denn sein?

Das Positive vorweg: das Bild der Viture Pro 2 ist tatsächlich super scharf, die Farben satt.

Leider war es das auch schon mit den Vorzügen – denn alles andere ist leider eher ein Reinfall. Fangen wir wieder beim Bild an: Es ist vor allem deshalb so scharf, weil es klein ist. Für Quest 3 Nutzer ist die Bildgröße der Viture Pro 2 schon fast „winzig“ zu nennen. Es ist in etwa so groß, wie ein 24-Zoll Monitor aus einem halben Meter Entfernung. Hier kommt noch nicht mal Fernsehstimmung auf, von Kinofeeling ganz zu schweigen. Das kleine Bild liegt vor allem an der Nasenklammer, die dafür sorgt, das die Brille VIEL zu weit von den Augen entfernt sitzt – zumindest bei mir.

Es sind zwar mehrere Nasenklammern in verschiedener Größe enthalten, doch bei mir passte KEINE davon. Deshalb habe ich sie ganz weggelassen – und sie da, das Bild ist ohne schon deutlich größer, da die Brille so näher an den Augen sitzt. Dennoch wird das Bild aber niemals größer, als etwa ein 32-Zoll Monitor, von dem man ca. einen halben Meter entfernt sitzt. Gegen die riesige Leinwand einer Quest 3, die man in einer Videoplayer App wie Skybox VR auf der Quest 3 ja quasi beliebig groß ziehen kann, kommt das nicht mal entfernt an. Auch die gewölbte Leinwand oder die Kinosäle in Skybox VR vermisst man bei der Videobrille schmerzhaft.

Passt leider nicht, wie angegossen

Wo drückt es denn?

Ohne Nasenklammer ist die Brille nicht sehr bequem – schon nach kurzer Zeit hat man zwei rote Abdrücke auf dem Nasenrücken – und die Brille sitzt dann auch so nah den Augen, das die Wimpern beim Blinzeln wortwörtlich an den Bildschirmen kratzen. Nur dann ist das Bild gerade so annehmbar (wenn auch nicht beeindruckend) groß – aber dann stört wiederum, das das Bild entweder oben oder unten ständig vom Rahmen der Brille abgeschnitten wird. Also wie man es dreht und wendet – es passt einfach nicht.

Die Bügel sind leider kein Highlight – denn meine Ohren sitzen anscheinend 2cm tiefer, als die normaler Menschen. So habe ich es trotz verstellbarer Bügel niemals hinbekommen, das die Brille einfach nur perfekt saß – den ganzen Film über ist man so ständig damit beschäftigt, die Brille hin- und her zu rücken. Mal ist das Bild unten abgeschnitten, dann wieder oben usw. Das ist grausamer, als sich einen Zigarettenstummel auf der Kniescheibe auszudrücken.

Voller Durchblick

Willkommen im Nichts.

Und dazu kommt bei der Videobrille dann noch der störende Lichteinfall, den ich als Quest-Nutzer gar nicht bedacht habe. Beim Filmegucken mit der Quest ist alles schön dunkel, das Headset saugt sich quasi auf dem Gesicht fest, so das im Idealfall nirgendwo Licht einfällt. In der Quest schwebt also eine riesige, stufenlos vergrößerbare, gewölbte Leinwand vor einem – entweder mitten in einem schwarzen Nichts, oder in einem virtuellen Kinosaal, der einem echten täuschend echt nachempfunden ist und in dem man die freie Sitzwahl hat.

Bei der Viture aber sieht man die ganze Zeit die Umgebung – also das schnöde Wohnzimmer oder die Schlafzimmerdecke, zusammen mit der Mücke, die man dort vor kurzem zerdrückt hat und wo deshalb immer noch ein kleiner, roter Blutfleck an das Mücktown-Massaker erinnert. In einem Zug voller Pendler oder FC-Bayern Fans dürfte der Ausblick um das Videobild herum dann noch mal schlimmer sein.

Das man ständig die Umgebung sehe kann, mag für den einen oder anderen nützlich sein – für mich ist es ein No-Go, da so das immersive Filmerlebnis komplett verloren geht. Wie stark dieser Effekt ist, hatte ich vorher gar nicht bedacht. Bei der Quest kann man die Durchsicht jederzeit ein- oder ausschalten. Die Filmleinwand schwebt dann entweder mitten im Wohnzimmer oder eben im schwarzen Nichts (oder man sitzt, wie gesagt, in einem großen Kinosaal). Und notfalls kann man bei der Quest 3 einfach zweimal an das Gehäuse klopfen, und so die Kamera-Durchsicht ein- und wieder ausschalten, wenn man eben mal nach der Energy DrinkDose greifen möchte.

Der Sound

Leider keine Dröhnung.

Auch die eingebauten Lautsprecher sind für jemanden, der die Speaker der Quest 3 gewöhnt ist, leider eine große Enttäuschung. Im Vergleich zu denen der Quest 3 klingen sie dünn und blechern. Vor lauter Verzweiflung habe ich ein paar 30-Euro Earbuds den eingebauten Lautsprechern der Viture vorgezogen, und selbst die klangen DEUTLICH besser. Okay, das ließe sich notfalls noch verschmerzen, indem man eben, wie gesagt, Bluetooth-Earbuds nutzt. Das ist aber bei der Quest 3 gar nicht nötig, da der Klang der integrierten Lautsprecher von vorne herein absolut akzeptabel ist (wer aber wirklich gute super-duper Earbuds oder Kopfhörer zuhause hat, kann den Klang so aber natürlich noch einmal deutlich steigern).

Das Zuspiel-Problem

Film 404 Not Found.

Leider war die negative Erfahrung damit aber immer noch nicht komplett. Das nächste Problem: das Zuspielen der Videos.

Als Quest-Nutzer ist man so gewöhnt, das man Videos einfach bequem von der Netzwerkplatte streamen kann (ohne Kabel, ohne Laptop, ohne Gedöns), das man erst mit der Viture merkt, wie eingeschränkt man ist – vor allem, wenn man kein High-End Handy hat, das über einen USB-C Video Out Ausgang verfügt. Dann wird es nämlich richtig kompliziert – oder teuer.

Dann muß ein, hoffentlich vorhandener, USB-C Video Out fähiger Laptop als Zuspielgerät dienen, oder der PC. Für letzteren benötigt man dann einen HDMI zu USB-C Video Adapter (ab 30 Euro), oder den von Viture selbst (ab 60 Euro) oder man kauft sich den Viture Dock (DEUTLICH teurer!) dazu, um ein Videobild in die Brille zu bekommen.

Dann liegt man preislich aber bereits WEEEEIIT über einer Quest 3, auf der man ja ohne jedes Gedöns bereits perfekt und immersiv Filme gucken und, ganz nebenbei auch noch viele andere Dinge, wie PC-VR zocken, mobile VR Games zocken, Android Apps laufen lassen, Emulatoren (Sony PSP / Nintendo / SNES / Megadrive / N64 und viele mehr) in VR spielen oder 360-Grad Videos gucken kann – sowohl eigene, als auch auf YouTube – in denen man sich dann auch tatsächlich umschauen kann. Warum sollte man sich dann für MEHR Geld eine Videobrille kaufen, die noch nicht einmal von selbst Filme abspielen kann?

Spacewalker Software

Im Weltall hört dich niemand schreien.

Auch Viture’s Spacewalker Software macht den Braten leider nicht mehr fett – einmal auf den Laptop gespielt kann man damit zwar das Bild der Videobrille virtuell vergrößern, der wirklich sichtbare Ausschnitt bleibt aber immer gleich. Man bewegt dann halt den Kopf hin und her, um mehr vom virtuell „größeren“ Bild zu sehen. Nette Spielerei, aber für ein besseres Filmerlebnis nicht geeignet, im Gegenteil. Für Quest-Nutzer, die wirkliches VR gewöhnt sind (also eine Leinwand von 360 Grad rundherum) ein Witz. Zudem crashte mir die Software zu oft und hatte auch noch einige nervende Bugs.

Fazit

Ich muss sagen, mich hat diese Erfahrung doch sehr ernüchtert. Würde ich die Viture Pro 2 dennoch kaufen / nutzen? JA, auf jeden Fall – aber NICHT für diesen horrenden Preis (derzeit zwischen 430 und 500 Euro)!! Dann müsste sie DEUTLICH günstiger sein. Für maximal 200 Euro würde ich den Kauf in Erwägung ziehen, für 150 Euro sofort und ohne zu fragen zugreifen – allerdings nur für ein NEUES Gerät, da die Viture über OLED-Displays verfügt, die bei falscher Nutzung einbrennen können. Nutzer berichten z.B., das sich beim Arbeiten mit Windows die Taskleiste in die Screens der Viture eingebrannt hat. Die Quest verfügt hingegen über LCD-Bildschirme, bei denen echtes, permanentes Einbrennen (Burn-in) nicht typisch ist.

200 Euro wären also schon das Höchste der Gefühle, schließlich muss man, wenn man nicht gerade Besitzer eines High-End Handys mit USB-C Video Out ist oder für teuer Geld das Viture Dock dazu kauft, immer den Laptop neben sich stehen haben, da die Brille ja ohne Zuspielgerät quasi nur ein Briefbeschwerer ist. Die Videobrille ist im Grunde nicht mehr, als ein, nicht mal besonders großer, Monitor. Und gute Monitore gibt es auch schon deutlich(!) unter dem Preis einer Viture Pro 2.

Für das wenige, das die Viture Pro 2 im Vergleich zur Quest 3 kann, ist sie einfach viel zu teuer – aber das Problem haben derzeit eigentlich alle Videobrillen. Gelingt es den Herstellern nicht, die Preise deutlich(!) zu drücken, werden Videobrillen immer nur ein Nischenprodukt bleiben. Hart, aber wahr. Der Nutzen ist einfach, bedenkt man den Preis, viel zu gering. Eine Quest 3 ist gegen eine Videobrille einer Eierlegende Wollmilchsau, mit der man nicht nur Filme ohne Zuspielgerät gucken, sondern auch noch, mobil oder vom PC, zocken kann.

Leider hat mich diese Erfahrung nicht überzeugt. Aber falls jemand von euch ein USB-C Video Out fähiges Handy besitzt UND viel in Bahn oder Flugzeug unterwegs ist, und dort Filme gucken möchte, kann ich mir vorstellen, das diese Videobrille für denjenigen eine Option ist. Allen anderen aber würde ich eher zu einem VR-Headset raten, da hier das Filmerlebnis VIIIIEEEL immersiver ist.

Apropos VR-Headset: so günstig, wie die Quest 3 (bei der META quasi bei jedem verkauften Exemplar ein wenig Verlust macht), wird es NIE WIEDER VR-Headsets geben. Die Preise für VR-Headsets, die deutlich weniger können, als die Quest 3 (z.B. nur PC-VR), haben sich bereits auf weit über 1000 Euro eingependelt. Mein Rat also: greift zur Quest 3, so lange sie noch auf dem Markt verfügbar ist. Diese gibt es als Grau-Import bei AliExpress manchmal bereits für 380 Euro in der 512GB Version.

VR wird es nie, nie, nie wieder für so wenig Geld geben. Diese Zeiten sind erst mal vorbei. Also greift zur Quest 3, so lange es sie noch gibt.

Seltsam? Aber so steht es hier geschrieben... Ihr habt Fragen, Anregungen oder vielleicht sogar eine völlig andere Meinung zu diesem Artikel? Dann postet einen Kommentar.

Mike vom Mars Blog - mike-vom-mars.comAutor: Mike vom Mars
Mike emigrierte vor einigen Jahren von seinem Heimatplaneten auf die Erde, um das Leben am wohl seltsamsten Ort des Universums zu studieren. Seiner Bitte "bringt mich zu eurem Führer" wurde bisher nicht entsprochen.

Vergleich Viture Pro 2 VS Meta Quest 3

 

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